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Red Bull Arena in Leipzig von oben - By Philipp (Flickr: Leipzig von oben: Zentralstadion) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons Red Bull Arena in Leipzig von oben - By Philipp (Flickr: Leipzig von oben: Zentralstadion) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

RB Leipzig empfing den 1. FC Kaiserslautern

Wie nannte man das Spiel, das heute Abend in der Leipziger Red Bull Arena stattfand? Klar, RB Leipzig empfing den 1. FC Kaiserslautern zum Top-Spiel der 2. Bundesliga. Aber für viele Beobachter muss das Spiel auch einen faden Beigeschmack gehabt haben, nämlich als „Dosenclub empfängt den FC Steuergeld“. Oder so ähnlich. Und plötzlich war der Spott wieder da. Nicht nur für RB Leipzig. Sondern auch für den Top-Club aus Rheinland-Pfalz. Ich schreibe mal ein paar Worte dazu.

Das Spiel vor über 25000 Zuschauern in der Red Bull Arena ist eigentlich schnell erzählt. Es endete 0:0, was eigentlich gerecht ist. Beide Teams spielten einen guten Ball. In der ersten Halbzeit waren die „Roten Teufel“ überlegen, weshalb sich die „Roten Bullen“ über einen Rückstand nicht hätten beschweren dürfen. Im zweiten Durchgang war es ein ausgeglichener Schlagabtausch mit leichtem Übergewicht für RB Leipzig. Mehrere hochkarätige Chancen auf beiden Seiten wurden aber nicht in Erfolge umgemünzt, weshalb das Remis in der hochklassigen Partie in Ordnung geht.

Aber komisch war das Spiel schon. Wieder einmal waren kaum Gästefans da. Sie boykottierten. Wie glorreich, seine eigene Mannschaft in der Fremde nicht zu unterstützen. Sowohl Trainer als auch Chef der Pfälzer nahmen es aber eher gelassen. Beide bescheinigten auch dem Zögling aus Sachsen eine hervorragende Arbeit. Insofern ist ja dieser Boykott-Quatsch eh unsinnig übertrieben. Ich schrieb es schon bisweilen. Man schädigt dabei nur seinen Verein. Auf gar keinen Fall RB Leipzig. Es hätte eigentlich nur gefehlt, dass sich die Lautern-Fans schwarze Müllsäcke übergestreift hätten.

Viel mulmiger wird einem aber ein unscheinbarer Nebenfakt. Die Fans aus Kaiserslautern kritisieren ja – wie viele andere Fanclubs – die hohe Unterstützung von Red Bull in Leipzig. Natürlich hätten es auch viele Leipziger anders lieber gehabt. Aber nun hat man RB Leipzig, die klasse Fußball spielen und konsequente Jugendarbeit vollführen und mit der Unterstützung von Red Bull ein mustergültiges Leistungszentrum erbaut haben. Viele Leipziger haben sich mit dem Verein angefreundet. Wer das gut findet, was hier entstanden ist (und das sind nicht wenige), der ist mindestens Sympathisant.

Ja, RB Leipzig wird in hohem Maße von Red Bull unterstützt. Dieser Fakt zählt einfach mal. Aber der 1. FC Kaiserslautern wurde auch massiv unterstützt. Und zwar noch viel fragwürdiger, nämlich vom Land Rheinland-Pfalz selbst. Deshalb auch bei Twitter Wortmeldungen über einen „FC Steuergeld“. Das soll sogar alles gar nicht so richtig legal gewesen sein, was der damalige Pfälzer Regierungschef Kurt Beck veranstaltet hatte. Ja, RB Leipzig würde es ohne Red Bull nicht geben. Aber der 1. FC Kaiserslautern würde wohl auch nicht existieren, wenn es keine staatlichen Zuwendungen gegeben hätte.

Da kann man als Lauterer Fan sich natürlich hinstellen und über die ausgelegten Flyer mit den Liedtexten bei RB Leipzig frotzeln, wie man will. Echte Liedkultur entsteht ja nur im Laufe der Zeit. Oder glaubt denn jemand ernsthaft, dass die Lautern-Fans immer schon „You“ll never walk alone“ singen? Das „Betze-Lied“ in Leipzig ist nun einmal bis auf weiteres „Champagner statt Bier“ oder irgendwas anderes. Da dem RB Leipzig immer wieder Leute zulaufen, können die ja noch alle die Lieder nicht kennen.

In Leipzig steht man auf die Unzulänglichkeiten. Und man geht ehrlich damit um. Deshalb gibt es ja auch die Lieder, die davon singen, dass die Fans des Clubs „rote Bullenschweine“ sind, die keinen Eintritt bezahlen und Champagner statt Bier trinken (wie im Video zum Drittliga-Auswärtsspiel bei den Stuttgarter Kickers). Wenigstens ist man ehrlich. Auch was die Finanzen betrifft. Clubs wie dem 1. FC Kaiserslautern kann man da schon hier und da ein wenig Heuchlerei unterstellen. Denn 100 Millionen Euro illegale Zahlung an den Club von der Landesregierung lassen sich nun einmal nicht wegdiskutieren, auch wenn der Club da dementiert und die Fans ihren Verein zu Recht in den Himmel heben.

Insofern war das heute tatsächlich ein Spiel Dosenkonzern gegen Steuersäckel. Und ich stelle mir die Frage, welche Unterstützung schlimmer ist. Es darf sich ja niemand hinstellen und behaupten, dass Spitzen-Fußball ohne finanzielle Zuwendungen geht. Trainer Zorniger hat bezüglich des Engagements von Red Bull erst jetzt wieder betont, dass es keinen Verein geben würde, der ernsthaft das Angebot ausschlagen würde, dass der Sponsor sein Engagement ausdehnt. Welcher Verein würde denn nicht gern das Geld nehmen?

Das Spiel ging unentschieden aus. Und eigentlich hätte ich den Artikel nach dem zweiten Absatz schon beenden können. Aber auf die Aspekte Unterstützung und Fangesänge musste ich eben auch einmal eingehen. Und gerade „Champagner statt Bier“ ist ein Running Gag, mit dem die Fans von RB Leipzig aus der Kritik am Verein eine Karikatur machen. Diese unsinnigen Kritiken, die Häme, der Hass gegen den Verein – das alles schweißt Verein und Fans immer mehr zusammen. Und das bedeutet „Champagner statt Bier“, glaube ich. Damit ist auch die Frage bei Twitter geklärt, was die da singen, denn das steht so nicht im Flyer. Hört nur zu, dann hört ihr auch die Fans.

Bildquelle: Red Bull Arena in Leipzig von oben – By Philipp (Flickr: Leipzig von oben: Zentralstadion) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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