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RB Leipzig - Symbolbild RB Leipzig - Symbolbild

RB Leipzig empfing den Hamburger Sportverein

RB Leipzig hat gestern endlich bewiesen, dass alles mal ein Ende hat. Die heimstarke Mannschaft hat gestern eine herbe Niederlage einstecken müssen. Zuhause waren sie bisher in der Bundesliga ungeschlagen. Das ist seit gestern anders. Und das hatte seine Gründe, über die ich mal meine Meinung aufschreiben möchte. Denn die gab es in meinen Augen. 0:3 – damit ist der HSV das neue Sandhausen. Gegen beide Teams hatten die Leipziger die jeweils höchste Heimniederlage einstecken müssen. Was gibt es dazu zu sagen?

Trainer Ralph Hasenhüttl ließ die Mannschaft wie folgt auflaufen: Gulacsi im Tor, Bernardo, Orban, Upamecano und Halstenberg in der Abwehr, Demme und Ilsanker im defensiven Mittelfeld, Keita und Forsberg im offensiven Mittelfeld, sowie Werner und Sabitzer im Sturm. Das allein wirkte schon ein wenig seltsam. Keine Frage, Naby Keita kann auch offensiv spielen, aber er ist dann doch eher zentral zuhause. Und was bitte sollte Marcel Sabitzer im Sturm? Und wo war Yussuf Poulsen? Das wirkte schon ein wenig wie aus einer Laune heraus geboren.

Klar, Hasenhüttl hatte gestern ein Luxusproblem: Wohin mit Keita, wenn sowohl im defensiven, als auch im offensiven Mittelfeld die Stammkräfte alle da sind? Und so hatte er – so wirkte es jedenfalls für mich – von hinten her immer weiter nach vorn geschoben, bis eben Poulsen vorne raus flog, weil Sabitzer von hinten kam. Auch so wirkte das Spiel der Leipziger gestern immer wieder höchst ungeplant. Hoffenheims Trainer Nagelsmann hätte wohl dazu gesagt, dass er elf Spieler auf den Platz geschickt hat und die einfach mal das beste daraus machen sollten.

Jedenfalls saß das Duo Yussuf Poulsen und Davie Selke vorerst zusammen auf der Bank und verfolgte das Treiben. Vor einer Woche standen sie in Dortmund noch zusammen auf dem Platz. Und die sahen ihre Teamkollegen erst einmal das Ruder an sich reißen. Gefällige Angriffe über Forsberg waren gefällig. Aber eben auch erkenntnislos. Und das lud insgesamt den HSV dazu ein, beizeiten zu zeigen, dass man nicht vorhatte, die Punkte einfach herzuschenken. Und sie machten beizeiten Dayot Upamecano als Unsicherheitsfaktor aus. Vor allem Bobby Wood hakte immer wieder ein.

Aus einem Eckball und der Vorlage von Nikolai Müller machte der in Leipzig gescheiterte Kyriakos Papadopoulos das, was er im Vorfeld ankündigte. Der Grieche entschwand dem Brasilianer Bernardo und stieg höher als die restliche RB Leipzig Abwehr, und schon stand es 0:1. Ausgerechnet Papadopoulos. Und wie gesagt: Er hatte im Vorfeld angekündigt, sich hier reinzuhängen. Denn das war schon ziemlich bitter für ihn, was hier in Leipzig lief. Und kurze Zeit darauf war es fast wieder Papadopoulos. Eckball, Kopfball, Tor. Nur eben diesmal der Brasilianer Wallace.

Beide Tore waren vermeidbar. Sie waren unterirdisch verteidigt. Das Glanzstück im Spiel von RB Leipzig, nämlich die Abwehr, hatte bei beiden Toren komplett versagt. Und Unsicherheitsfaktor Upamecano war nicht ganz unschuldig daran. Klar, er braucht Spielpraxis. Hier muss sich aber schnell etwas ändern. Er war nicht direkt an den Toren beteiligt. Aber ihm fehlt noch das Verständnis, wie die Abwehr hier in Leipzig funktioniert. Und das ist es, was am Ende verunsichert. Und da Spiele aus einer stabilen Abwehr heraus gewonnen werden, musste Hasenhüttl reagieren.

Nach einem erneuten Torschuss, der nur knapp am Kasten von Gulacsi vorbeiging, reagierte Hasenhüttl. Er brachte Yussuf Poulsen für Upamecano. Es wurde wieder das bewährte System hergestellt: Ilsanker für Upamecano in die Innenverteidigung, Keita für Ilsanker ins defensive Mittelfeld, Sabitzer für Keita ins offensive Mittelfeld und Poulsen für Sabitzer in den Sturm. Hasenhüttl wird wohl auch die Erkenntnis gehabt haben, dass man so einen Wühler wie Poulsen bei so einer Abwehr wie der des HSV einfach braucht, weil der die Gegenspieler einfach mal beschäftigt.

Yussuf Poulsen war es auch, der fast den Anschluss geschafft hatte. Vom Strafraum-Rand aus ein feines Schüsschen in Richtung René Adler, der allerdings vom Pfosten abgelenkt wurde. Hätte der Däne mehr Zeit gehabt, wer weiß, was aus dem Spiel noch geworden wäre. Denn in den 10 Minuten, in denen er spielen durfte, zeigte er, wie man als Stürmer ein komplettes Spiel an sich reißt. Allerdings rutschte er dumm weg und zog sich einen Muskelbündelriss zu. Das bedeutet sowas um die sechs Wochen Pause. Vielleicht sogar mehr, man weiß es nicht.

Aber auch das war so ein Mosaik-Steinchen für das Spiel, dass es so ausging, wie es ausging. Für Poulsen kam Davie Selke. Er reiner Strafraumspieler. Ich hielt die Idee für keine gute. Ich hätte mir den zweiten Wühler gewünscht. In meinen Augen wäre Oliver Burke die bessere Wahl gewesen. Und so ging eine für Leipziger Verhältnisse dramatische erste Halbzeit zu Ende, ohne dass das Desaster noch größer wurde. Eigentlich waren es ja „nur“ drei Szenen: Die beiden schlechte verteidigten Gegentore und der schlimme Ausfall von Poulsen.

Es blieb auch in der zweiten Halbzeit ein ziemlich durchwachsenes Spiel des Aufsteigers. So begab man sich erstmal in eine Orientierungsphase, in der erstmal so gar nichts gelang. Lewis Holtby hätte da schon weiter erhöhen können. Bei Naby Keita blitzte auf, dass er der Regisseur ist. Und irgendwie waren die Leipziger bemüht, die Kontrolle wieder zu übernehmen. Und es sprangen auch ohne Poulsen ein paar Sachen heraus, die als Chancen durchgehen. Ob nun Halstenberg, Keita oder Selke: gänzlich chancenlos war man da nicht.

Aber mit Selke war es gestern ein Trauerspiel, für das er nicht viel konnte. Entweder rutschte ein Ball weg, landete sonstwo außer bei ihm, oder er stand sich mit Sabitzer im Weg oder wurde von Adler über den Haufen gerannt. Aber auch das passte gestern irgendwie zum Spiel. Aber auch vor Gulacsi wurde es wieder spannend. Lange Zeit war da Ilsanker im Weg, und Demme sicherte auch ab. Aber dann kam der eingewechselte Dennis Diekmeier durch, scheiterte aber an der Latte. Mit dem Schlusspfiff allerdings machte Aron Hunt alles klar. Und zwar auf die gleiche Art und Weise.

Es bleibt bei kleinen, individuellen Fehlern, die zu diesem Ergebnis geführt hatten. Schlüsselszenen waren die beiden Eckbälle in der ersten Halbzeit, der Ausfall von Poulsen und zwei Unkonzentriertheiten in der zweiten Halbzeit. Upamecano war der Unglücksrabe, der vielleicht nicht mal etwas für die Gegentore konnte, wenn er denn mit dem System vertrauter gewesen wäre. Und Selke war die traurige Figur der zweiten Halbzeit. Ob es Burke besser gemacht hätte, kann man natürlich nur spekulieren. Aber er spielt halt ähnlich zu Yussuf Poulsen.

Und wenn wir die Abwehrleistung außen vor lassen, gab es vielleicht sogar schlimmere Spiele der Leipziger. So sehr viel haben sie gar nicht falsch gemacht. Die Chancenverwertung ist immer ein zentraler Kritikpunkt. Die letzte Konsequenz hat in diesem Spiel gefehlt, die Genauigkeit auch. Aber wirklich fatal waren die beiden Eckbälle. Daran muss die Mannschaft in jedem Fall arbeiten. Und nachdem Orban nach einem Ausraster gegenüber der medizinischen Abteilung des HSV für das nächste Spiel gesperrt ist, muss der dann wieder spielberechtigte Compper den Laden zusammenhalten.

Auf den Rängen gab es prachtvolles Tapeten-Hochhalten frei nach dem Motto, dass man doch lieber vom Geld besessen, statt vom Neid zerfressen sei. Und man arbeitete sich am Kampfgut der Traditionsklasse ab. Aber alles in allem eine imposante Aktion, die da in der 9. Spielminute ablief. So lang ein Mindesmaß an Respekt und körperlicher und seelischer Unversehrtheit übrig bleibt, ist das OK. Man darf eben nur nicht den Fehler begehen und sich als Moralapostel aufspielen. Zu den hochgehaltenen Tapeten ertönte „Wir sind Leipzig“ in der 9. Spielminute, getragen durch die Fans.

Ralph Hasenhüttl muss sich aber jetzt selbst hinterfragen, ob das unbeirrte Beharren auf das feste System mit mindestens 9 von 10 immer gesetzten Feldspielern wirklich so das richtige Rezept ist. Ich weiß nicht, wie oft ich habe anklingen lassen, dass in der Startaufstellung keine Änderung zu sehen ist. Wer weiß, vielleicht hätte es offensiv anders funktioniert, wenn man variabler wäre. Klar, für die nächsten Wochen muss sich Hasenhüttl eine Alternative für Poulsen überlegen. Ich nehme allerdings an, dass es die weniger mutige Version in Form von Davie Selke sein wird.

Ob man damit mehr Schüsse fabrizieren kann, mit denen der gegnerische Torhüter direkt zu tun bekommt, weiß ich nicht. Gestern hatte René Adler jedenfalls einen relativ entspannten Nachmittag. Und das ist eine direkte Folge aus dem Aufstellungsquatsch bis zur Einwechslung von Poulsen und der darauf folgenden Verletzung. Vielleicht hätte man hier variabler und mutiger sein müssen. Das werden Hasenhüttl und Rangnick genau analysieren. Hoffen wir mal, dass die richtigen Schlüsse gezogen werden.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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