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Red Bull - (C) bohed CC0 via Pixabay.de Red Bull - (C) bohed CC0 via Pixabay.de

RB Leipzig empfing den VfL Wolfsburg in der Bundesliga

Alte Bekannte traten gegeneinander an. Bisher war nur Pokal angesagt, jetzt trafen RB Leipzig und der VfL Wolfsburg in der Bundesliga in Leipzig gegeneinander an. Ein schlechtes Spiel der Hausherren traf auf Dramatik. Irgendwie ist das nicht ganz so großartig, was das Team von Ralph Hasenhüttl derzeit so abliefert. Woran das liegt, kann man nicht so genau sagen. Man kann da ein wenig spekulieren, aber dazu später mehr.

Hasenhüttl schickte Gulacsi ins Tor, Schmitz, Orban, Compper und Halstenberg in die Abwehr, Kaiser und Demme ins defensive Mittelfeld, Keita, Forsberg und Sabitzer ins offensiven Mittelfeld und Werner in den Sturm. Man konnte es auch anders sehen, aber irgendwie sah das für mich so aus wie ein 4-2-3-1 mit Naby Keita auf der „10“ und Forsberg und Sabitzer als Flügel. Mal wieder eine etwas andere Formation, die der Sperre von Stefan Ilsanker geschuldet war. Statt eines 4-2-3-1 konnte man auch an ein 4-3-3 denken. Aber das führt zu weit.

Andries Jonker hatte den VfL Wolfsburg seit der Amtsübernahme aus der verstaubten Beliebigkeit heraus geholt. Die Niedersachsen wirken seitdem irgendwie immer frischer. Es ist ja keine andere Mannschaft geworden. Aber Jonker hat ihr neues Leben eingehaucht. Und wenn das Leben wieder da ist, können Fußballer auf einmal auch ihre Qualität zeigen. Gestern spielte der Auto-Club alles andere als wie ein Abstiegskandidat. Sie waren in allen Belangen überlegen, das muss man einfach mal so zugeben.

Weil Hasenhüttl auf Biegen und Brechen auf seinen Star Naby Keita setzen wollte, hatte er auf den in den letzten Wochen sehr gut auflaufenden Rani Khedira verzichtet. Und das, obwohl dieser vielleicht wie in den letzten Spielen Ruhe hereingebracht hätte. Am Ende muss man wohl sagen, dass der Trainer sich da verspekuliert hatte. Keita und Kaiser liefen als Spielmacher auf, und wir dürfen ja auch Forsberg und Sabitzer nicht vergessen. Da war zu viel Offensiv-Tamtam. Ein unspektakulärer Rani Khedira hätte das Ganze vielleicht wie Ilsanker beruhigt.

Und so bearbeitete der VfL Wolfsburg von Anfang an die Leipziger. Das, was RB Leipzig sonst immer tut, tat das VW-Team: Die Wolfsburger übernahmen gleich das Kommando und rannten auf die Leipziger Abwehr zu. Durch die nicht so sehr personell sichtbare aber systemische Umstellung der Mannschaft waren die Leipziger durchaus überfordert. So hätte es Augenblicke nach dem Anstoß schon 0:1 stehen können, als Gerhardt vom Strafraumrand aus hätte einschießen können.

Ein paar Minuten später spielte sich Yunus Malli gegen den RB Leipzig Angriff frei und überrumpelte Naby Keita. Der Deutschtürke bediente butterweich Daniel Didavi, der quer durch den Strafraum Mario Gomez bedienen konnte. Und der brauchte nur noch einzuschieben. Ein mustergültiger Angriff in Manier, wie es sonst die Leipziger spielen. Man merkt, dass die Bundesliga gelernt hat. Drei Pässe quer übers gesamte Geläuf: Das ist das Leipziger Spiel, was die Niedersachsen kopiert haben. Aber genau so ginge es.

Die Wölfe bauten danach ihr System der beiden Viererketten und machten es Keita, Kaiser und Co. kompliziert. Zudem war die gesamte Mannschaft unnötig unsicher. Ballverluste bei Spielern, die eigentlich sonst kaum vom Ball zu trennen sind. Wenn du so spielst, wird es schnell mühselig. Und genau so war es dann auch. Im Zeugnis würde da für gestern stehen: Sie bemühten sich redlich. Aber das war es eben auch. Diego Demme ließ den Ball Richtung Casteels flattern. Timo Werner holte sich den Ball an der Mittellinie, semmelte ihn viel zu scharf auf den freigelaufenen Forsberg, der keine Chance auf eine Verwandlung bekam.

Die Wolfsburger taten dann bis zur Halbzeitpause nur noch das, was sie mussten, aber dennoch ging die Führung in Ordnung. Zum Wiederanpfiff kam dann für den eher überzähligen Dominik Kaiser der Stürmer Federico Palacios Martinez zu seinem Einsatz. Nicht Davie Selke, mit dem man vielleicht mit langen Bällen in den Strafraum Erfolg haben könnte. Das musste eine weitere Demütigung für den Nationalspieler sein. Hasenhüttls Plan war, die Wolfsburger Defensive durch den Deutschspanier auszudribbeln. Aber so kehrte man zum 4-2-2-2 zurück.

Die Wolfsburger machten weiter wie bisher: Eine souveräne Abwehr-Arbeit unterstützte ein kompaktes Mittelfeld, das immer wieder freie Angriffspunkte suchte. RB Leipzig musste etwas tun. Man zog das Tempo an, aber speziell Keita verzettelte sich immer wieder. Werner und Forsberg versuchten, die Wolfsburger Abwehr auszuhebeln, was aber auch immer wieder an spielerischen Unzulänglichkeiten scheiterte. Die Wolfsburger wachten dann wieder auf und zeigten, wie man es besser macht.

Schrecksekunde dann, als Daniel Didavi einen Moment lang Platz hatte und abzog: Pfosten. Der Nachschuss wird von Gulacsi abgewehrt. Und der dann folgende Nachschuss von Mario Gomez klatscht erneut an den Pfosten und wird dann endlich vom ungarischen Torhüter gesichert. Im Gegenzug versuchte es nochmal Werner gegen Casteels, nachdem er in der ersten Halbzeit Bekanntschaft mit dem belgischen Torhüter-Knie machte. In der Folge passierte nicht mehr viel. Frust war vorher bei Naby Keita zu sehen, der mit einer Schere einen Angriff von Didavi beendete.

Die letzten Minuten verliefen eher plätschernd. Und so ging eine Niederlage zu Ende, über die noch lange diskutiert werden wird. Die Fans sahen offenbar das schlechteste Spiel von RB Leipzig in der laufenden Saison. Nicht ein Spieler war offenbar auf Normal-Niveau. Noch dazu wurde Naby Keita fürs nächste Spiel gesperrt und musste nach Spielende wegen Kreislaufproblemen noch ins Krankenhaus. Und es gab eine schlimme Nachricht vor dem Spiel.

Ein Mann war auf dem Weg zur Haupttribüne und brach zusammen. Er musste notfallartig ins Krankenhaus gebracht werden, wo er allerdings kurze Zeit drauf an akutem Herzversagen starb. Das sind halt solche Momente, in denen Fußball völlig egal wird. Es ist an sich unsinnig. Aber dennoch wünscht man hier den Angehörigen viel Kraft und versucht, sein Beileid auszudrücken.

Zum Sportlichen gibt es noch aus meiner Sicht zu sagen: Was hat Davie Selke verbrochen, dass er nicht mal mehr als Einwechselspieler auflaufen darf? Ich meine, ich finde es sehr gut, dass Federico Palacios Martinez spielen durfte. Aber Selke komplett nicht zu berücksichtigen? Das muss andere als sportliche Gründe haben. Auch dass ihm Oliver Burke vorgezogen wird, dürfte nicht einfach zu erklären sein. Ich weiß nicht so richtig, was das soll. Es gibt auch aus den Reihen, die näher am Club dran sind, keine Erklärung dafür.

Jedenfalls denke ich, dass sich gestern Ralph Hasenhüttl verspekuliert hatte. Natürlich, der Ausfall von Yussuf Poulsen ist nicht einfach kompensierbar. Ich denke aber, dass jemand, der im Strafraum für Unruhe sorgen kann, gestern dem Spiel gut getan hätte. Allerdings erinnert man sich auch an das Spiel gegen den HSV zurück, als Davie Selke einfach so umgerannt werden konnte. Wer weiß, was am Ende der Gedankengang ist. Jedenfalls wird es die nächsten Wochen nicht einfacher für Hasenhüttl. Dem Team ist die Linie abhanden gekommen.

Nun ist das Alles aber auch eine Art Jammern auf hohem Niveau. Klar, das war schon gestern ein arg überschaubares Spiel des Aufsteigers. Aber genau das ist es auch: RB Leipzig ist bis zum Saisonende „nur“ ein Aufsteiger. Das Saisonziel war von Anfang an eine sorgenfreie Saison, nicht mehr. Die ist erreicht. Vielleicht war dann der Plan von Hasenhüttl und Rangnick, einfach mal zu experimentieren. Wenn dem so ist, ging sogar dieser Plan auf. Aber vielleicht sollte man dann doch wieder zum Alltag zurück kehren, um nicht noch den Rest zu verunsichern.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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