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RB Leipzig empfing die Spielvereinigung Greuther Fürth

Nicht Fisch, nicht Fleisch – so könnte man zusammenfassen, was am Abend in der Red Bull Arena von RB Leipzig gegen Fürth geboten wurde. Da wurde so viel Geld investiert, und irgendwie fühlte sich das Spiel, das ich am Bildschirm sah, wie ein Ableger der Katastrophen-Spiele der letzten Saison an. Irgendwie war es so, dass die Spieler und das neue Spielsystem von Trainer Ralf Rangnick nicht zueinander fanden. Die Kommentatoren stellten auch fest, dass nicht jedes Spielsystem mit einer Mannschaft kompatibel ist. Und genau so sah das Spiel auch aus.

Zunächst einmal: Die Spielvereinigung Greuther Fürth legte ein vergleichsweise gutes Spiel hin. Zwischenzeitlich konnte man sogar von Glück reden, dass es nicht richtig zappenduster für RB Leipzig wurde. Das lag aber nicht an einer gnadenlosen Überlegenheit der Franken, sondern an individuellen Fehlern der Sachsen. Am Ende konnte RB Leipzig froh sein, dass das Spiel 2:2 unentschieden ausging. Aber es liegt noch sehr viel Arbeit vor dem Professor, der sich anschickte, die Profimannschaft zu trainieren.

Die größte Schwachstelle war in meinen Augen – wie fast immer – die katastrophale Abwehr-Leistung. Vor allem von der neuen Innenverteidigung. Mit weitem Abstand der schwächste RB-Spieler war der türkische Neuzugang Atınç Nukan. Der war über weite Strecken des Spiels schlichtweg überfordert mit dem Spielstil der Ruthenbeck-Truppe. Und wenn ich ehrlich bin, hat mich Neuzugang Willi Orban auch nicht überzeugt. Ich habe schmerzlich in der Abwehr den Abwehrchef Tim Sebastian und seinen Sozius Marvin Compper vermisst.

Warum Rangnick unbedingt auf den für alle ersichtlich in diesem Spiel unbrauchbaren Nukan gesetzt hat und auch bis zum Ende an ihm festhielt, ist mir nicht klar. Orban fing sich. Nukan aber nicht. Fast immer war er unterlegen, wenn irgendein Fürther Spieler in Richtung Coltorti-Tor unterwegs war. Und deshalb geht auch mindestens eins der beiden Gegentore auf seine Kappe. Außen machten dagegen Anthony Jung und Lukas Klostermann einen vernünftigen Job, weshalb die Großbaustelle nun nicht mehr Außenverteidigung, sondern Innenverteidigung heißt.

Aber auch davor lief es nicht wirklich gut. Ralf Rangnick spielte mit zwei 10-ern: Dominik Kaiser und Stefan Ilsanker. Dazu noch offensive Flügel in Form von Emil Forsberg und Marcel Sabitzer. Strategisch waren die beiden 10-er aber eher 6-er. Irgendwie hat da Rangnick eine an sich geile Idee. Aber Kaiser ist kein defensiver Mittelfeldspieler, er ist die Schaltzentrale. Diese Veränderung hatte zur Folge, dass sich die zwei Zweierreihen, die sich Rangnick da vorgestellt hatte, irgendwie im Klein-Klein verloren und ein Kombinationsspiel eher zur Glückssache erwuchs.

Der Sturm wiederum war irgendwie von der Fürther Abwehr kaltgestellt. Sowohl Selke als auch Poulsen konnten ihr quirliges Spiel nicht so oft durchziehen, wie es ihnen eigentlich zu Gesicht steht. Nach einer Stunde des Spiels mit einem glücklichen Tor von Davie Selke wurde ein völlig entnervter Poulsen durch Masssimo Bruno ersetzt, mit dem das Mittelfeld breiter wurde. Und damit wurde dann das Spielsystem allmählich umgestellt in eins, was die Mannschaft kann. Ein 4-2-2-2 kennt man noch nicht so gut wie das für RB Leipzig erfolgreiche 4-3-3.

Vollendet wurde das Ganze dann, als Stefan Ilsanker durch Nils Quaschner ersetzt wurde. Die Aufstellung lautete dann: Coltorti – Jung, Nukan, Orban, Klostermann – Bruno, Kaiser, Forsberg – Quaschner, Selke, Sabitzer. Fortan lief das Spiel wieder, aber es gelang nichts mehr. Im Gegenteil. Das Spielsystem, was der Mannschaft eigentlich traditionell liegt, stärkte den Gegner, sodass Rangnick wieder umstellen musste, indem er einen echten defensiven Mittelfeld-Akteur mit Diego Demme brachte und Stürmer Sabitzer herunter nahm.

Alles in allem ist RB Leipzig mit einem blauen Auge davon gekommen. Ich habe mir wesentlich mehr von dem Spiel erwartet. Denn eigentlich liegt dem Team ein spielstarker Gegner wie die Franken. Wenn man aber ein Spielsystem auf den Tisch haut, das so völlig anders ist als das bisherige, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Mannschaft so ein Gurken-Spiel am zweiten Spieltag hinlegt. Trainer Rangnick kann froh sein, dass seine Heimpremiere nicht völlig in die Hose gegangen ist.

Sie sind nun keine Aufsteiger mehr, sie haben den höchsten Etat (egal, was Rangnick dazu sagt), sie haben großartige Spieler, also darf die Kritik auch etwas härter ausfallen als im ersten Zweitliga-Jahr. Dieses Spiel war ausgesprochener Mist. Außer 3, 4 lichte Momente, unter anderem das 1:1 von Davie Selke und das 2:2 von Emil Forsberg, war da nicht viel. Torwart Coltorti konnte bei beiden Gegentoren nichts machen. Die Abwehr hatte nicht funktioniert. Und diese Unsicherheit hat sich, gepaart mit dem neuen System, durch die komplette Mannschaft gezogen. Und hier hätte Rangnick beizeiten reagieren müssen und die Abwehr stabilisieren müssen.

Trotz allem ist neben Forsberg, den ich ausgesprochen gut fand in diesem verkorksten Spiel, ein Abwehrspieler für mich stark gewesen. Wir haben in dem Spiel einen bärenstarken Anthony Jung gesehen. Ja, der Spieler, der in der Vorsaison den einen oder anderen Klops gelandet hat. Dieses hat ja nun Nukan übernommen. Aber vielleicht hat der Türke auch nur einen gebrauchten Tag erwischt.

Letztendlich hat Trainer Rangnick noch viel zu tun. Und Sportdirektor Rangnick hat bereits die Transfer-Aktivitäten für beendet erklärt, also muss der Trainer nun etwas aus der Mannschaft machen. Das sollte funktionieren. Das hat die Viertelstunde 4-3-3 in der zweiten Halbzeit gezeigt. Wenn Rangnick auf das System 4-2-2-2 pocht, muss er der Mannschaft noch mehr die Gelegenheit geben, dieses System zu verinnerlichen. Dafür braucht man Sicherheit. Diese kommt aus einer stabilen Abwehr. Und die war in dem Spiel vor allem in der Innenverteidigung nicht gegeben.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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