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Fankurve bei RB Leipzig gegen Hertha BSC - (C) @fendtifan via twitter.com Fankurve bei RB Leipzig gegen Hertha BSC - (C) @fendtifan via twitter.com

RB Leipzig empfing Hertha BSC

Letztes Heimspiel 2016 für RB Leipzig. Irgendwas mit Tradition bei den Gästen von Hertha BSC. Allerdings hat sie ihnen gestern relativ wenig genützt. In Leipzig hat man halt lieber eine Weihnachtsparty gefeiert. Und das war auch gut so. Denn die Berliner Fans hatten sich – wie manch andere Fan-Gruppierung – gewaltig im Ton vergriffen. Aber so muss das wohl sein, wenn man gegen das Hassobjekt spielt, oder?

Trainer Hasenhüttl schickte Gulacsi ins Tor, den wieder genesenen Bernardo neben Ilsanker, Orban und Halstenberg in die Abwehr, Demme und Keita ins defensive Mittelfeld, Sabitzer und Forsberg ins offensive Mittelfeld und wie so oft Werner und Poulsen in den Sturm. Sie haben es bemerkt: Die Verlegenheitsabwehr macht ihre nächste Runde. Und es ging dann später noch weiter.

RB Leipzig Fanblock bei RB Leipzig gegen Hertha BSC - (C) @aus_LE1 via Twitter.com
RB Leipzig Fanblock bei RB Leipzig gegen Hertha BSC – (C) @aus_LE1 via Twitter.com

Man spielte – mal wieder – vor ausverkauftem Haus. Rund 5000 Fans waren aus Berlin da. Es fand das Spiel Zweiter gegen Dritter statt. Mehr Spitzenspiel ist an diesem Spieltag nicht möglich. Allerdings sah das Spiel wie ein Klassenunterschied aus. Was die Truppe von Ralph Hasenhüttl gestern zuhause veranstaltete, war schon einigermaßen großartig. Unter der Woche verarbeitete man die Niederlage in Ingolstadt. Da war es dann einfach nur Pech für die Hertha, dass sie als Wiedergutmachung herhalten musste.

Großer Lichtblick war, dass Brasilianer Bernardo zurück ins Team kam. Nach ausgestandener Verletzungspause kam der Klostermann-Vertreter zurück, sodass erstmal nur Stefan Ilsanker in der Verlegenheitsabwehr übrig blieb. Ansonsten ließ Hasenhüttl sein Team im bewährten 4-2-2-2 auflaufen. Warum sollte er auch etwas anderes machen? Da hatte es Pal Dardai auf der anderen Seite schon schwieriger. Er musste sich mit fünf Wechseln eine regelrechte Wundertüte zusammenbasteln.

Dardai ließ seine Mannschaft eher passiv auflaufen, weil irgendwer munkelte, dass RB Leipzig nicht so gut mit Ballbesitz klar kommt. Das muss nicht unbedingt stimmen. Vor allem nicht, wenn Diego Demme und Naby Keita tun und lassen können, was sie wollen. Dann nämlich lassen die beiden zentralen Spieler Marcel Sabitzer und Emil Forsberg tanzen und toben, und man spielt sich zu viert neckisch den Ball zu, bis – ja, bis – man dann irgendwann in des Gegners Strafraum ist, wo Poulsen und Werner dann da sind.

Gestern sah man verteufelt gut, wie wichtig Diego Demme für das Spiel der Leipziger ist. Es lief so ab, dass er immer wieder frei war, immer wieder anspielbar war, den Ball zirkulieren ließ, und seinen Counterpart auf der „6“ ideal immer wieder in Szene setzte. So auch unmittelbar vor dem ersten Tor direkt vor der Halbzeitpause. Man kickte sich den Ball eine Weile wie beim Handball zu. Bis dann Demme einen auf Handball-Rückraumspieler macht und Naby Keita zum Kreisläufer mutierte. Den Ball schnell gemacht hat Demme, Keita hat auf Werner durchgesteckt, der nur noch einlochen musste.

Es war nicht so, dass die Mannschaft aus der Hauptstadt gänzlich chancenlos war. Aber sie verstolperten recht viel. Da sprang der Ball zu weit weg, Freistöße landeten in der Mauer und all das. Und Bernardo zeigte eben auch wieder, weshalb er als Abwehr-Allzweckwaffe geholt wurde. Ansonsten war es allerdings schon so, dass RB Leipzig einigermaßen deutlich überlegen war. Das wurde in der zweiten Halbzeit noch deutlicher. Wäre die Chancenverwertung auf Leipziger Seite besser gewesen, es hätte schon in der ersten Halbzeit bitter werden können, in der zweiten hätte es ein Fiasko sein können.

Sonst ist RB Leipzig eher schnell beim Ball-abjagen, nach-vorn-jagen und abschließen. Gestern machten sie einen auf Spielaufbau, auf schon fast beängstigende Dominanz und auf Spielbeherrschung. Und zur Halbzeit musste Hasenhüttl – mal wieder – umbauen. Naby Keita musste raus. Für ihn kam Dominik Kaiser, der den Mann aus Guinea ordentlich vertrat. Flanken-, Freistoß-, Eckball-Gewitter Emil Forsberg war dann aber mehr und mehr von zentraler Bedeutung war.

Während sich Sabitzer und Poulsen mehr oder minder lustige Block-Spielchen mit der Hertha-Abwehr lieferten, trat eben jener Forsberg einen Eckball, der einen mutterseelenallein stehenden Willi Orban fand, der dann mühelos aus ein paar Metern einköpfen konnte. Und so stand es nach reichlich einer Stunde 2:0 für die Hausherren. Beide Mannschaften gaben sich danach nicht mehr allzu viel, spielten aber das Spiel recht sehenswert runter.

Gästefanblock vor dem Spiel RB Leipzig gegen Hertha Bsc - (C) @brausecrew @schnattertasch via Twitter.com
Gästefanblock vor dem Spiel RB Leipzig gegen Hertha Bsc – (C) @brausecrew @schnattertasch via Twitter.com

Das Spiel ergab die Erkenntnis, dass man von RB Leipzig auch durchaus eine Trotzreaktion erwarten kann. Die Niederlage in Ingolstadt wäre vermutlich vermeidbar gewesen. Aber wenn Pal Dardai denkt, er könnte durch Abgeben der Verantwortung gleich mal ein Spiel gewinnen, wie es die „Schanzer“ gemacht haben, dann kann er sich auch täuschen. Das musste er dann gestern auch irgendwie eingestehen.

Und wer denkt, dass RB Leipzig keine Verlegenheitsabwehr mehr kann, sieht sich spätestens seit der ärgerlichen Auswechslung von Konstante Marcel Halstenberg ebenfalls getäuscht. Denn Ralph Hasenhüttl hat schließlich neben Bernardo auch noch Benno Schmitz als Defensiv-Allzweckwaffe. Übrig blieb dann in der Abwehr als einzige Konstante nur noch Willi Orban, wobei man Stefan Ilsanker auch allmählich als Konstante sehen darf. Das Puzzle der Abwehr kann also weiter gespielt werden. Ich bin mal gespannt, wie das in München aussehen wird.

Die Hertha-Fans haben sich nicht lumpen lassen und sind Spruchband-technisch aus dem Rahmen dieses doch sehr festlichen Spieltags gefallen. Denn außer irgendwas mit Tradition waren sie sich nicht zu schade, RB Leipzig Sportdirektor Ralf Rangnick wie vor Jahren „auf Schalke“ einen Burnout zu wünschen. Da ich selbst weiß, was das bedeuten kann, kann ich nur dazu sagen: Ihr seid keine Fußball-Fans, schämt euch!

Die Hertha-Fans fragten dann noch auf Spruchbändern: „Und dafür seid ihr auf die Straße gegangen?“ – was man angesichts des Resultats schon etwas witzig finden darf. Hertha BSC wurde 1892 gegründet. OK. 1899 waren die damals auch nur sieben Jahre alt wie RB Leipzig heute. Aber das war damals sicherlich alles anders und schöner. Ach, hört mir doch auf. Für die Rangnick-Klorolle musste sich Sportdirektor Michael Preetz dann öffentlich entschuldigen. Aber das haben die Hertha-Fans sicherlich alles nicht so gemeint.

Unter den Augen von Dietrich Mateschitz waren die zentralen Leuchten des Spiels gestern Willi Orban, Diego Demme, Naby Keita und Timo Werner. Das mögen andere anders sehen. Aber durch die Organisation von Orban erlaubte man sich defensiv keine Schnitzer, Demme und Keita dominierten das Spiel nach Belieben, und Werner stiftete jederzeit Unruhe bei der Hertha. Fußball ist ein Mannschaftssport, was RB Leipzig gestern mal wieder bewiesen hatte.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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