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RB Leipzig: Es ist Popcorn-Zeit

Fußball ist ja im deutschen Volk so tief verankert, dass es praktisch an kaum jemandem vorbeigeht. Und so überrascht es nicht sonderlich, dass alle großen Zeitungen und Medien und dutzende Blogs sich über die Lizenz-Querelen bei RB Leipzig auslassen. Aber ich lehne mich mal zurück und genieße die Show. Haben wir genügend Popcorn greifbar? Dann immer ran damit!

Um es erstmal deutlich zu sagen: RB Leipzig wird in meinen Augen die Lizenz für die 2. Bundesliga erhalten. Ich habe kaum einen Zweifel. Warum ich das so sehe? Nun, ich gehe fest davon aus, dass man bei RB Leipzig derart viel richtig gemacht hat, dass man sich das nicht einfach so kaputt machen (lassen) will. Und deshalb meine ich, dass die Rotweißen nicht so völlig dämlich und weltfremd sein werden und keinen – nun ja – „Plan B“ vorbereitet haben.

Ich spekuliere mal drauflos. Die Verantwortlichen von RB Leipzig haben sich in Sachen Lizenz die letzten Monate so cool gegeben. Die sind entweder davon ausgegangen, dass die Deutsche Fußball-Liga den Verein fraglos durchwinken wird, aber viel wahrscheinlicher ist doch, dass die sich da irgendwie etwas einfallen lassen mussten und das auch wussten. Red Bull hat derartig viel Geld in den Verein und die Infrastruktur darum herum investiert (Es war ja nichts vorhanden), die werden doch nicht ernsthaft blauäugig in eine Lizenzablehnung rennen.

Ich nehme ganz stark an, dass da schon Änderungen geplant sind und ggf. „per Knopfdruck“ eingesetzt werden können. Da wird man eben neben einer neuen T-Shirt-Kollektion auch ein „aktuelles Logo“ präsentieren. Nur wie soll das aussehen? Soweit ich weiß, stört sich die DFL weder an den beiden roten Bullen noch an der Sonne im Logo. An dem Fußball ja sowieso nicht. Was kann es also sein? Man könnte höchstens die beiden Bullen durch meinetwegen Fußball-Schuhe oder so etwas ersetzen. Jedenfalls ist da die Beanstandung eher lächerlicher Natur. Ich habe ja angeregt, dass das Stadtwappen von Leipzig integriert werden könnte. Wie auch immer, solche Änderungen wird man schon vorliegen haben.

Mit der Vereinsstruktur ist es da schon schwieriger. Aber auch hier werden die Verantwortlichen nicht ernsthaft angenommen haben, dass die DFL einen rein aus Red Bull Leuten bestehenden Vorstand anstandslos akzeptieren würde. Auch hier werden sie wohl andere Leute ins Auge gefasst haben, die da schnell einsteigen können. Mir würden da der Oberbürgermeister, die Betreiber-Firma des Stadions, Fanclub-Vertreter etc. einfallen. Aber man darf nicht glauben, dass da keine Gedankenspiele dazu stattgefunden haben. Auch was die Mitgliedsbeiträge betrifft, wird man irgendeinen niedrigeren Wert im Vergleich zum derzeitigen Fantasiebetrag von 800 € pro Jahr schon vorliegen haben. Hier kommt es ja nicht mal auf irgendetwas sinnvolles an, nur niedriger muss er sein. Und da haben die Leute dort sicher schon einen Wert festgelegt.

Ich denke, hier kann RB Leipzig problemlos sofort Nachbesserungen umsetzen. Daher denke ich, dass hier einfach mal mit dem Knüppel auf den Busch gehauen wurde, um abzuschätzen, wie das Stimmungsbild gegenüber dem Verein in Deutschland ist. Der Mateschitz ist ja nun nicht doof. Und wenn man so die eine oder andere Diskussion in bundesweiten Fußball-Foren verfolgt, dann stößt man schnell darauf, dass man sich in den Foren zwar nicht an RB Leipzig an sich stört, sondern vielmehr am Einfluss von Red Bull. Der Konzern würde sogar als Investor oder Sponsor akzeptiert werden, aber er mög sich weitestgehend aus den Belangen des Vereins heraushalten. Bekäme man das hin, wäre man vermutlich am Ziel, bundesweit akzeptiert zu werden.

In den gleichen Foren wird aber auch darüber diskutiert, dass die Auflagen, die die DFL erteilt hat, und das eher zickenhafte Verhalten der DFL zu einem Politikum werden könnte. Denn es fällt auch dem parteiischsten Beobachter auf, dass der deutsche Osten mehr und mehr zu einem weißen Fleck auf der Landkarte des deutschen Profi-Fußballs wird. Da gibt es Beobachter, die die Meinung vertreten, man wolle auf Seiten der DFL lieber unter sich sein. Energie Cottbus ist man erst einmal los, Hansa Rostock ja sowieso. Wenn Dynamo Dresden nicht aufpasst, ist es um den Verein auch geschehen. Und dann würden nur Erzgebirge Aue und Union Berlin bleiben. Und Aue ist ein zu kleines Licht, als dass die irgendeine Gefahr ausstrahlen würden.

Tja, und dann kommt der große Zampano Red Bull daher und tut so, als müsse man in Ostdeutschland den Fußball wieder neu erfinden. Und man redet von Champions League und will Bayern München vom Thron stoßen. Man spielt sich auf wie der Held im Erdbeerfeld, die einzige Organisation mit Ahnung vom Fußball, man würde Talente aus ganz Ostdeutschland anziehen, usw. Die DFL wird sich wohl einfach gesagt haben: Moment, Freundchen, so nicht mit uns! Ihr lernt erstmal ein wenig Respekt! Und wer weiß, vielleicht hat die DFL, die aus Funktionären der Clubs aus erster und zweiter Bundesliga besteht, tatsächlich größere Sorge, dass da aus Leipzig ein übermächtiger Gegner herangewachsen ist, den man nun auf Biegen und Brechen ausbremsen muss? Wer weiß, Funktionäre sind ja auch nichts anderes als Menschen. Und Menschen können zickig reagieren, wenn man denen ans Fell will.

Um nun nicht dafür zu sorgen, dass sowohl DFL als auch RB Leipzig nicht das Gesicht verlieren, müssten sich beide ein wenig aufeinander zu bewegen. OK, die DFL muss nicht, RB Leipzig schon. Wenn Juristen und Experten allesamt sagen, dass der Verein schon jetzt alle Anforderungen der DFL erfüllt, kann man eigentlich nur davon ausgehen, dass die DFL sich in ihren Animositäten sonnt. Und da sollte man auf Seiten des Vereins vielleicht denken: Die DFL hat Recht, und wir haben unsere Ruhe. Man sollte einfach die Auflagen erfüllen. Fertig. Egal, wie unsinnig und mädchenhaft sich die DFL verhält, man sitzt auf der Vereinsseite schlichtweg am kürzeren Ende des Hebels.

Ich denke, RB Leipzig wird sich auf die DFL zubewegen. Wenn die dann den guten Willen sieht, dann kommen die auch ein Stück entgegen. Es ist eben alles ein Stück weit Politik. Fraglich ist, wo bei beiden Seiten die Demarkationslinie liegt. Aber auch das wird man in den nächsten Tagen erfahren. Ob eine Petition hilft, die schon aufgesetzt wurde und bereits über 2500 Unterschriften gesammelt hat, wage ich zwar zu bezweifeln. Aber ganz blind wird die DFL nicht sein und demnach so etwas auch mitbekommen.

Um jetzt mal zum Ende zu kommen: Ich gehe davon aus, dass der RB Leipzig ein paar Anpassungen vornehmen wird und diese auch schon vorbereitet hat. Sind diese Anpassungen erfolgt, wird die DFL anstandslos die Lizenz erteilen. Alles andere wäre mit einem größeren Glaubwürdigkeitsproblem der Organisation verbunden.

Bildquelle: Bildquelle: Altes Logo von RB Leipzig – (C) RB Leipzig e.V.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „RB Leipzig: Es ist Popcorn-Zeit

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