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RB Leipzig: Neuer Stadion-Prachtbau

Es gibt in Deutschland entsetzlich viele seelenlose Schüsseln auf der grünen Wiese, die man Stadion nennen soll. Für Leipzig ist so etwas jetzt auch geplant. Leipzigs Alleinstellungsmerkmal in Sachen Stadion wird damit verloren gehen. Aber man kann RB Leipzig schon verstehen, dass hier etwas getan werden muss. Der Vorstandsvorsitzende des Clubs, Oliver Mintzlaff, hat sich jedenfalls dahingehend geäußert. Und darüber müssen wir einmal reden.

Die jetzige Red Bull Arena steht innerhalb des alten Zentralstadions. Wer zu einem Heimspiel von RB Leipzig geht, muss erst den alten Wall erklimmen, um dann im Inneren wieder hinab zu steigen. Das ist jedes Mal eine ziemliche sportliche Herausforderung. Vor allem für alle, die nicht ganz so gut zu Fuß sind. Aber das stört irgendwie die 43000 nicht, die maximal ins Stadion passen. Aber RB Leipzig denkt ja an die Zukunft. Man will ein großes Stadion haben. Mit allem Drum und Dran. Und da ist die jetzige Red Bull Arena schlichtweg zu klein. Und irgendwie auch im Weg.

70000 Zuschauer und mehr wollen sie in die neue Arena holen. Das ist schlicht baulich unmöglich im jetzigen Stadion mitten in der Stadt. Außerdem stößt man beim jetzigen Stadion an Belastungsgrenzen und technische Mängel und all das. Da kann man sich noch so wohl fühlen im städtischen Wohnzimmer. Irgendwann ist eben mal das Ende der Fahnenstange erreicht. Und deshalb will man ein neues Stadion bauen. Am Rande der Stadt soll eine neue Multifunktionsarena entstehen. Der Charme des jetzigen Stadions hin oder her.

In Leipzig hat man sich daran gewöhnt, bei Heimspielen ein Chaos zu erleben. Es hat seinen eigenen Reiz, im Sekundentakt die Straßenbahnen Richtung Gohlis, City und Leipziger Westen zu besteigen, die nur einen Steinwurf entfernt rund um die Red Bull Arena nach einem Spiel die Fans einsammeln. Es ist etwas besonderes, vor und nach dem Spiel die Eckkneipen rund ums Stadion zu bevölkern.Und es ist nun einmal eine Besonderheit, dass nach dem Spiel generell stundenlang gar nichts mehr geht, was den Individualverkehr betrifft.

Aber wir müssen es einfach mal so sehen, wie es ist: Das frühere „Stadion der Hunderttausend“ wurde abgerissen, lediglich die Wälle der früheren Zuschauertribünen und der markante Glockenturm blieben übrig. In das alte Stadion wurde ein neues Zentralstadion gebaut. Damals für die WM 2006 in Deutschland. Zu der Zeit spielten unsere glorreichen „Traditionsvereine“ irgendwo im Liga-Nirgendwo und schafften nur ein paar hundert Zuschauer ins Stadion. Zu der Zeit war es egal, denn man hat ja hier kein riesiges Stadion gebraucht.

Das hat sich geändert. Klar, die Red Bull Arena ist selten ausverkauft. Aber auch das wird sich ändern. Die Entscheidung, ein neues Stadion zu bauen, ist ja eine Investition in die Zukunft. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass da die Verkehrskatastrophe jedes zweite Wochenende künftig und perspektivisch vermieden werden soll. Auch auf Kosten des Charms. Vielleicht schafft man ja am Rande der Stadt irgendwas besonderes. Wer weiß das schon?

Knackpunkt ist ja, dass alle Stadien von den Clubs, in denen Red Bull investiert ist, Red Bull Arena heißen. Das würde bei einem Stadionneubau von Leipzig nicht so sein. Mit Stadionbetreiber Kölmel hatte Red Bull im Jahr 2010 einen Deal abgeschlossen, dass das jetzige Zentralstadion 30 Jahre lang Red Bull Arena heißen wird. Und zwei Stadien mit gleichem Namen ist dann ja doch leidlich illusorisch. Also können wir mal spekulieren, wie denn das neue Stadion heißen soll. Mir fielen da auf einen Schlag folgende Begriffe ein:

  • Ur-Krostitzer Arena – nach einem strategischen Partner, noch dazu nach einem regionalen Unternehmen
  • L-Arena – nach dem Konzern „Leipziger Gruppe“ unter dessen Dach alle kommunalen Unternehmen firmieren
  • Stadion Leipzig – wenn schon eine Identität geschaffen werden soll, dann so
  • Auewald-Park – hätte den Charm der „grünen Insel“

Aber vermutlich wird das Ganze irgendeinen seelenlosen Investoren-Namen wie „Tipico-Arena“ oder so etwas erhalten. Vielleicht besinnt sich RB Leipzig ja auch darauf, dass man die Fans tatsächlich mitnehmen muss und einen regen Austausch suchen muss. Sonst hat man irgendeine Werbenamen-Arena auf der grünen Wiese, in die niemand rein geht. Der Verein und seine Partner Porsche, Ur-Krostitzer, Red Bull und Tipico – alle müssen hier Fingerspitzengefühl beweisen.

Jedenfalls scheint der Verein ernsthaft den Gedanken zu verfolgen, ein neues Stadion bauen zu wollen. Sie werden sich in den kommenden Monaten endgültig entscheiden. Denn wenn sie nicht das jetzige Mietverhältnis bis spätestens 2019 kündigen, ist der Verein dann automatisch bis 2025 an die jetzige Red Bull Arena gebunden. Ich kann mir schon vorstellen, dass die baulichen Einschränkungen und das Nur-Mieter-Verhältnis und die katastrophale Verkehrssituation den Club unter Druck setzen. Aber wenn ein neues Stadion irgendwo im Nirgendwo, dann mit einem Namen für die Region, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „RB Leipzig: Neuer Stadion-Prachtbau

  1. Es gibt nicht die Option „Aber wenn ein neues Stadion irgendwo im Nirgendwo, dann mit…“

    Es darf nur heißen „Man bleibt im Zentralstadion“

    GEGEN EINEN NEUBAU!!!!!

  2. Nee, ein Neubau in absolut zwingend, wenn man mit Bayern und Dortmund mithalten will. So 75.000 sollte aber die neue Arena dann schon fassen, sonst bringt ein Neubau rein gar nichts.

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