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Choreo der Fans von RB Leipzig - (C) RB-Fans.de Choreo der Fans von RB Leipzig - (C) RB-Fans.de

RB Leipzig und heuchelnde Gegnerfans

Nein zu RB“ – so quackert es gerade seit dem Aufstieg von RB Leipzig durch die Fanreihen. Landauf, landab arbeiten sich Fans anderer Fußballclubs und -gesellschaften an dem Verein aus Sachsen ab und boykottieren Leipziger Heimspiele. Sie kommen halt einfach nicht. „Von mir aus„, sagt sich der Leipziger Fan, der in der Tat mit Leib und Seele dabei ist. „Sollen sie halt bleiben, wo der Pfeffer wächst„, ist so eine andere Reaktion.

Gerade gipfelt aber die skandierte Ablehnung des propagierten „Kunstprodukts“ in purer Lächerlichkeit. Der Grund ist, dass sich Fans von Vereinen brüskieren, die nicht anders von der Finanzierung her dastehen, es aber im Gegensatz zum Leipziger Club nicht offen kommunizieren. Entschuldigung, aber hier muss ich etwas erzählen.

Im oberbayrischen Ingolstadt finden wir das Unternehmen Audi, einen Sportplatz und einen Fußball-Verein. Die drei bilden ein magisches Dreigestirn im urbanen Fußball-Betrieb. Der FC Ingolstadt 04 wurde im Jahr 2004 im Sommer gegründet. Er entstand in einer Zwangsfusion aus den beiden bis dahin eigenständigen Vereinen MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt. Beide Vereine spielten irgendwo im nirgendwo ab der Bayernliga abwärts.

Im Gegensatz zu Leipzig, wo sich eben zwei angebliche Traditionsvereine in den sportlichen Niederungen herumtreiben, hat man in Ingolstadt gesagt, dass man beide städtische Vereine fusioniert. Das war dann am 01. Juli 2004 abgeschlossen. Und als „starken lokalen Partner“ (Originalton der lokalen Fanszene) holte man sich die Audi AG ins Boot. Die gründete nach kurzer Zeit die Profi-Mannschaft aus dem Verein als „FC Ingolstadt 04 Fussball GmbH“ aus und baute den „Audi-Sportpark“.

Ohne Audi läuft nichts in Ingolstadt. Das weiß man, wenn man so durch die Stadt guckt. Ich war einmal dort. Und es hat wirklich den Anschein, als wäre Ingolstadt nichts anderes als Audihausen. Und deshalb eben auch das starke Engagement von Audi beim FC Ingolstadt. Die Audi AG ist am Fußball-Verein und an der Fußball-GmbH beteiligt. Aber überall wird das verschwiegen. Auf der Webseite des Clubs findet man nur das Audi-Logo, das direkt zum Unternehmen führt.

Und jetzt kommen die Fans ins Spiel. Die lehnen nämlich RB Leipzig ab. Die skandieren, dass die 50+1-Regel bestehen bleiben muss, die besagt, dass an einer Fußball-Kapitalgesellschaft kein Investor mehr als 50% Beteiligung erwerben darf. Die scheidet aber bei RB Leipzig aus, da der Verein ein Verein ist. Und sie skandieren, dass der FC Ingolstadt eine lange Tradition vereint, da ja beide Vorgängervereine im FC Ingolstadt aufgegangen sind.

Würde man so argumentieren, müsste man dem RB Leipzig eine Tradition seit dem 29.03.1912 zubilligen. Aus dem FC Sportfreunde Markranstädt wurde 1951 die BSG Stahl Markranstädt und danach die BSG Turbine Markranstädt, aus der dann am 04.04.1990 der SSV Markranstädt hervorging. Dessen 1. Mannschaft ging eine Kooperation mit RB Leipzig ein und ging zu diesem über. Also steht, wenn man es denn so haben will, der RB Leipzig in direkter „Erbfolge“ zum FC Sportfreunde.

Aber das ist alles dummes Gerede. Ingolstadt ist über den FC Ingolstadt 04 mit seinem Partner Audi AG sicherlich genauso froh wie Leipzig über den RB Leipzig mit seinem Partner Red Bull GmbH. Dass man da nun drauflos palavern muss und RB Leipzig verdammt – gerade aus der bayrischen Ecke – und boykottieren will und derartiges, klingt ein wenig heuchlerisch. Noch viel scheinheiliger wären Protest-Aktionen der Fans von Bayer Leverkusen, dessen erste Fußball-Herrenmannschaft als GmbH eine 100% Tochter der Bayer AG ist.

Nun gut, im Dezember kommt nun der FC Ingolstadt nach Leipzig. Mal wieder eine Auswärtsfahrt einer Fußball-Mannschaft ohne eigene Fans. Nur wirkt das Ganze im Falle von Ingolstadt irgendwie heuchlerisch. Bei den Fans des FC Erzgebirge Aue könnte man ja noch Wahrhaftigkeit annehmen. Aber die Ingolstädter haben einfach zu wenig Unterschiede zu den Leipzigern. Und da sollen sie mal lieber die Kirche im Dorf lassen und in das schöne Stadion in Leipzig kommen. Sie sind sicherlich herzlich eingeladen.

Bildquelle: Choreo der Fans von RB Leipzig – (C) RB-Fans.de

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „RB Leipzig und heuchelnde Gegnerfans

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