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Fans von RB Leipzig in der Red Bull Arena, Leipzig, nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga - (C) Enrico Leipzig via Youtube.com Fans von RB Leipzig in der Red Bull Arena, Leipzig, nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga - (C) Enrico Leipzig via Youtube.com

RB Leipzig wurde irgendwie gefeiert

Was passiert eigentlich, wenn ein Regionalsender und eine Großstadt den Aufstieg des erfolgreichsten Fußballclubs der Region feiern? Genau: Es ist alles drüber. Gestern stand die Leipziger Innenstadt Kopf, als der Mitteldeutsche Rundfunk die Aufstiegsfeier von RB Leipzig ausrichtete. Neben der Mannschaft und dem Stab waren auch einige musikalische Darbietungen da, unter anderem auch ein neuer Hymnen-Versuch. Und alles war irgendwie riesig. Der Sender hatte komplett sein Programm umgeworfen. Das habe ich verfolgt. Mein Eindruck: Nun ja, geht so.

Es sollen irgendwas um die 15000 bis 20000 Besucher auf dem Marktplatz gewesen sein. Der MDR hatte ein gigantisches Brimborium aufgezogen, als hätten „die Roten Bullen“ die Champions League gewonnen. Dabei sind sie „nur“ in die erste Bundesliga aufgestiegen. Ich kann es verstehen, dass Verein und Fans gemeinsam feiern wollten. Von mir aus auch mit dem MDR zusammen. Aber das war ein wenig zu viel. Das ging ja los mit einem Autocorso durch die Stadt und einem Empfang im Alten Rathaus. Alles OK. Auch dass Georg Teigl und Stefan Hierländer verabschiedet wurden, ist OK. Aber dann.

Wir stellen uns einfach mal vor, wir wären bei den Bayern. Die feiern ja immer auf dem Rathaus-Balkon in München. Das war auch in Leipzig geplant. Aber in Anbetracht der Bauform und der Statik des Balkons war man in Sorge, ob das Ding halten würde. Also ging es direkt auf den Marktplatz. Mit einer riesigen Bühne, als ob die Scorpions auf dem Markt auftreten würden. Es waren dann doch „nur“ Silly, Glasperlenspiel, Karat, die Puhdys, City, die Letzte Instanz und Sebastian Krumbiegel. Erstere mit einem sozusagen „Eklat“, auch bekannt geworden als „The so-called #Trikotgate“.

Die Ostberliner Band um Anna Loos erdreistete es sich, mit Trikots „verdienter“ Ostclubs auf die Bühne zu marschieren. Vom 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden, Hansa Rostock und – gerade Frontfrau Loos – mit einem Trikot vom 1. FC Union Berlin. Vor dem Hintergrund, dass vor allem Union in schlechter Erinnerung bleiben wird, nachdem die dortigen Fans Buttersäure und ähnliches in den Gästeblock zu den RB-Leipzig-Fans gekippt hatten, darf man sich da über Abneigung nicht wundern. Wenigstens der Schlagzeuger war mit RB Leipzig unterwegs.

Schön war die Erklärung dazu: Man wusste angeblich nichts von einer reinen Aufstiegsfeier für RB Leipzig. An einem Wochenende, nachdem seit einer Woche der Aufstieg perfekt war für RB Leipzig, in einer Stadt, in der RB Leipzig zuhause ist? Und Anna Loos als Union-Fan hat die gleiche Liga wie bisher RB Leipzig im Blick und hat nichts mitbekommen? Nein, die Band wollte die Party crashen. Das hat kurzzeitig funktioniert, aber damit hat es sich auch. Der Rest ist viel Folklore.

Wie bei jedem Club gibt es auch bei RB Leipzig diese besonderen Momente, wenn Tränen einfach mal ihren Lauf nehmen. Torhüter Coltorti sieht seine Familie nur selten, da sie in Spanien lebt. Es wurde ein Video eingespielt, in der Frau und Tochter grüßten, was den Keeper zu Tränen rührte. Und dann kamen sie auch noch persönlich auf die Bühne. Das sind so Geschichten, wie sie perfekt von Promi-Magazinen in Szene gesetzt werden können. Aber schön war’s. Und das gehört eben auch zu einem Club dazu, denke ich.

Es kam auch noch dazu, dass eine neue Vereinshymne vorgestellt wurde. Es gab da ja bereits einige Versuche. In Österreich geschrieben, in Berlin produziert mit einem Sänger aus Wanne-Eickel oder Hinterpommern. Also alles sehr heimatfern bisher. Der aktuelle Versuch stammt von Sebastian Krumbiegel von den Thomanern mit dem Gewandhauschor und einer typisch Leipziger Musikmischung aus Klassik, Rock und Blues, in der über das Dorf an der Pleiße erzählt wird und der Verein besungen wird. Alles in allem nicht optimal, aber der beste Versuch bisher.

Alles in allem war es eine riesige Party, die um einiges zu groß ausfiel. Der Mitteldeutsche Rundfunk wollte vieles richtig machen. Aber er ist über das Ziel meilenweit hinaus geschossen. Nun ja, so ist das nun einmal. Vielleicht wollten Verein und Sender jegliche Erinnerung an den blutleeren Auftritt der Mannschaft in Duisburg im Keim ersticken. So ist das aber auch, wenn sich eine ganze Mannschaft schon im Urlaubsmodus befindet. Wer nimmt es ihnen übel?

Am Ende freut sich – das hat man gesehen – eine ganze Stadt darüber, dass ein Club der Stadt wieder erstklassig spielt. Wenn es am Ende Motor Gohlis-Nord oder der SV Fortuna gewesen wäre, wäre es auch OK gewesen. So ist es RB Leipzig, mit dem eine entspannte, heimstarke Fankultur entstanden ist, die auch mit jeder Anfeindung immer stärker wird. Wenn nun angebliche Traditionsfans denken, dass noch mehr Anfeindung sein muss, sollten sie sich vielleicht das folgende Video ansehen. Das stammt vom letzten Heimspiel in dieser Saison. Und so etwas wird jeden Gegner hier erwarten.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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