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Choreo der Fans von RB Leipzig - (C) RB-Fans.de Choreo der Fans von RB Leipzig - (C) RB-Fans.de

RB Leipzig zu Gast bei Eintracht Braunschweig

Mehr Demut wagen. Alexander Zorniger hallt nach. Als Fan und Sympathisant von RB Leipzig gibt man sich mit kleinen Lichtblicken zufrieden. Es war alles andere als ein Glanzstück, was die Beierlorzer-Mannschaft gestern in Niedersachsen ablieferte. Aber es war gut genug, um festzuhalten, dass die Mannschaft die Luft nach oben zumindest gesehen hat. Bei der Frage nach Licht und Schatten hat Beierlorzer schon mal ganz verhalten ein Feuerzeug gefunden und eine Kerze entzündet. Ein Flächenbrand kann aber dadurch nicht entstehen. Zu viel Sumpf liegt darum.

Man kann das Spiel gestern bei Flutlicht an der Hamburger Straße in Braunschweig in etwa so zusammenfassen: Etwa die halbe erste Halbzeit spielten die Rotweißen auf Augenhöhe mit den Blaugelben, bevor eine katastrophale zweite halbe Halbzeit folgte. Es kam in der zweiten Halbzeit ein mühsames Hochkrabbeln aus dem Sumpf und eine befreite Schluss-Viertelstunde. Gemessen an den Torchancen, hätte Braunschweig ein halbes Dutzend Tore machen müssen. Gemessen an der spielerischen Klasse, war das von RB Leipzig immernoch zu wenig. Aber das hat in meinen Augen Gründe.

Es war ein munteres, schnelles, intensiv geführtes Spiel, in dem nach etwa 20, 25 Minuten der RB Leipzig völlig den Faden verlor. Bis dahin spielte man auf Augenhöhe und hielt sich nie lange im Mittelfeld auf. Danach ließ man sich aber um den eigenen Strafraum herum regelrecht einschnüren und fand kein Mittel aus dieser Situation. Was folgte, waren etliche Torschüsse der Niedersachsen, die dann letztendlich in einem Tor vom Dänen Berggreen gipfelten. In dieser Phase bestand der RB Leipzig aus allein gelassenen Stürmern, einer Abwehr wie ein Hühnerhaufen und einem nicht existenten Mittelfeld. Es glich einem Wunder, dass es nur zu einem Braunschweiger Treffer kam.

Nach dieser Katastrophe waren die Schützlinge von Achim Beierlorzer sicherlich darauf bedacht, ihre Wunden zu lecken. In der Pause muss es eine gewaltige Kabinenpredigt des Interimstrainers gegeben haben. Der völlig überforderte Zsolt Kalmar wurde durch den weggehenden Joshua Kimmich ersetzt. Und insgesamt fiel auf, dass die Mannschaft etwas geschlossener aus der Kabine kam. Das war zwar – wie in den Spielen zuvor – immernoch kein Team, aber man zeigte zumindest, dass man vorhat, wieder ein Team zu werden.

Die Abläufe in der zweiten Halbzeit sind schnell erzählt. Es ging munter rauf wie runter. Wie in der ersten Hälfte. Nur war man auf Leipziger Seite nicht mehr so schnell dazu zu bringen, sich einschnüren zu lassen. Mehr und mehr übernahm die „Dosentruppe“ das Zepter. Das lag einerseits daran, dass bei der Lieberknecht-Mannschaft die Kräfte schwanden. Und andererseits setzte Beierlorzer gnadenlos auf Offensive, als er nach rund 60 Minuten mit Yordi Reyna statt Stefan Hierländer den vierten Stürmer aufbot und dann Omer Damari durch Ante Rebic ersetzte. Das hatte zur Folge, dass der bislang recht blasse Emil Forsberg neben Dominik Kaiser und Kimmich ins Mittelfeld zurückfiel und dort seine Impulse besser setzen konnte.

Mit der Zeit drehte der RB Leipzig immer weiter auf, was dann in einem sehr schön herausgespielten Tor durch Kaiser mündete. Man war kurz vor Schluss feldüberlegen, und insofern war der Ausgleich nur eine Frage der Zeit. Diese Überlegenheit kassierte allerdings der glücklose und gefrustete Poulsen gleich wieder ein, der durch ein diskussionswürdiges wiederholtes Foulspiel das Feld vorzeitig verlassen musste. Aber alles in allem geht das Remis im früheren Herzogtum in Ordnung.

Als Lichtblicke zu nennen sind zweifellos Tim Sebastian (der bei einer vogelwilden Abwehr den Laden wenigstens noch etwas im Griff zu haben versuchte), Dominik Kaiser (der trotz zeitweise nicht existentem Mittelfeld immer präsent zu sein versuchte) und Joshua Kimmich (der nach seiner Einwechslung sofort für Stabilität sorgen konnte). In meinen Augen Ausfälle waren Zsolt Kalmar (der nie einen Bezug zum Spiel fand), Anthony Jung (der mir vor allem in den besagten katastrophalen 20 Minuten viel zu kopflos agierte) und Emil Forsberg (der lange Zeit kein wirkliches Mittel gegen stark verteidigende Braunschweiger fand).

Was mir immer wieder in Spielen des RB Leipzig auffällt, ist ein sehr alarmierendes Zeichen: Sie spielen gut, zumindest der Großteil der Mannschaft. Aber eben jeder für sich. Da steht keine Mannschaft auf dem Platz, sondern 11 Einzelakteure. Es gibt auch keinen richtigen Leitwolf in der Mannschaft. Wer soll es denn machen? Am ehesten noch Sebastian, aber auf keinen Fall Kaiser. Ein Typ wie Effenberg oder Matthäus, der die Spieler nach misslungenen Aktionen aufbaut und immer wieder antreibt und den Laden zusammenhält – so etwas fehlt beim RB Leipzig. Wenn etwas nicht klappt, lassen die Spieler sofort die Schultern hängen. Man erwartet als Beobachter sofort Tränen. Wie soll so denn Bissigkeit auf dem Spielfeld stattfinden?

Nur so ist es doch zu erklären, dass vieles immer wieder eher nach Zufall als nach System aussieht. Es ist mehr oder weniger ein Versuch, einen klapprigen Oldtimer bis zur nächsten Garage zu manövrieren. Wenn da einer wäre, der auch mal das Heft in die Hand nimmt, seine Mitspieler motiviert und auch mal zusammenstaucht, dann würde das der Mannschaft sicherlich helfen. Bislang war das ja Daniel Frahn, aber der spielt ja keine Rolle mehr. Wer soll also mal dafür sorgen, dass die Zahnräder wirklich ineinander greifen? Klar, der Trainer ist da auch in der Pflicht. Ein Macher wie Jürgen Klopp oder Markus Weinzierl. Wollte man bei RB Leipzig wirklich etwas reißen, so konnte man das einfach von Achim Beierlorzer nicht erwarten. Er hat die Mannschaft nach der Katastrophe in Braunschweig zur Halbzeit aufgebaut. Aber ein Typ ist er eben nicht. So etwas fehlt, wie eben auch ein Typ auf dem Spielfeld.

Insofern können wir festhalten: Diese Saison wird heruntergespielt. Mit dem Aufstieg hat man genauso wenig etwas zu tun wie mit dem Abstieg. Nun kann man die großen Weichen stellen. Man kann versuchen, die Mannschaft weiter zu stabilisieren. Und vielleicht schafft man es endlich mal, den sehr erfolgreichen Nachwuchs nach und nach zu integrieren. Als Nachwuchs-Trainer könnte hier Beierlorzer die richtigen Stellschrauben drehen. So ihn Ralf Rangnick lässt.

Bildquelle: Choreo der Fans von RB Leipzig – (C) RB-Fans.de

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „RB Leipzig zu Gast bei Eintracht Braunschweig

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