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RB Leipzig zu Gast bei Fortuna Düsseldorf

Hallo, RB Leipzig, geht es auch mal ohne Herzkasper? Eine Partie besteht aus 90 Minuten, die kann man schon beim Anpfiff annehmen. Oder verstehe ich das falsch? Gestern war das Team von Ralf Rangnick im Rheinstadion Düsseldorf, also in der Esprit-Arena bei Fortuna Düsseldorf zu Gast und bot – wie fast immer – zwei Gesichter der Spielweisen. Wenigstens ist es gut gegangen. Und wie!

Montagabend, Flutlicht-Atmosphäre am Rhein. Knapp 25500 Zuschauer waren da. Die machten aber in der ersten Halbzeit Lärm für die zehnfache Zahl. Genutzt hatte es nur in der ersten Halbzeit. Und das auch nur eine reichliche halbe Stunde. In der Zeit nämlich fand RB Leipzig kaum statt. Ralf Rangnick sagte nach dem Spiel, dass die erste Halbzeit ziemlich das Schlechteste war, das er in dieser Saison von seiner Mannschaft zu sehen bekam. So würde ich das zwar nicht einschätzen. Aber die Weißen von der Pleiße waren sichtlich beeindruckt.

Man setzte auf Gulacsi – Klostermann, Orban, Compper, Halstenberg – Demme, Kaiser – Bruno, Sabitzer, Forsberg – Poulsen und fand erst gar nicht so richtig ins Spiel. Peter Neururer sagte auf Sport 1, dass ihm sehr gut gefiel, wie beide Mannschaften das Spiel breit machten und volle Pulle gingen. Aber RB Leipzig hatte anfangs ziemliche Probleme damit, überhaupt das eigene Spiel aufzuziehen. Das erfordert ja ein stabiles zentrales Mittelfeld, und das war irgendwie nicht gegeben, weshalb Diego Demme, der in anderen Partien so stark war, durch einen umsichtigen Stefan Ilsanker ersetzt wurde.

Vorher tanzten die Düsseldorfer von Trainer Friedhelm Funkel immer wieder durch die RB-Reihen, weshalb es auch in der Anfangszeit zu einem sehenswerten Angriff kam, der zu einem unhaltbaren Tor für Fink nach 15 Minuten aus gefühlten 30 cm Entfernung kam. Davor und danach kam es auch immer wieder zu Problemen im Spielaufbau bei RB Leipzig und zu Konter-Möglichkeiten bei Fortuna Düsseldorf. Im zentralen Mittelfeld hatten Demme und Kaiser ihre liebe Mühe, die Bälle unter Kontrolle zu bringen, weshalb Rangnick beizeiten die Reißleine zog und Stefan Ilsanker für Demme brachte.

Plötzlich war Ruhe und Übersicht im Spiel der Leipziger. Und sie kamen zu ihren Möglichkeiten. Ob nun Forsberg oder Poulsen, man versuchte es. Und kurz vor der Pause kam es dann folgerichtig zu einem sensationellen Dreiecks-Angriff von Emil Forsberg über Marcel Sabitzer zum überragenden Yussuf Poulsen, der kurz vor dem Pausentee noch ausglich. Ausgegangen war dieser sehenswerte Spielzug von der Vorarbeit des umsichtigen Marvin Compper. Und dann war Pause, aus der RB Leipzig mit Davie Selke und ohne Massimo Bruno herauskam.

Es entwickelte sich sofort die typische Sturm-und-Drang-Periode, die so oft die erste Hälfte der zweiten Halbzeit bei RB Leipzig Spielen bestimmt. Und die Doppelspitze Poulsen-Selke machte das, was sie am besten können: Tore schießen. Einem Doppelpass zwischen Sabitzer und Poulsen folgte die dänische Vorlage auf Davie Selke, der den blitzsauberen Angriff formvollendet abschloss. In der Folge kam es immer wieder zu Ballverlusten im Mittelfeld, aber alles in allem waren die „Dosenkicker“ hellwach und wild entschlossen.

Mit viel Aufwand bekämpften die Leipziger die Düsseldorfer Angriffsbemühungen. Und dann kam es zu einem von Marcel Halstenberg getretenen Eckball, der von Davie Selke verlängert und von Yussuf Poulsen abgeschlossen wurde. Somit war eine Viertelstunde vor Schluss der Drops gelutscht, nachdem es 1:3 für RB Leipzig stand. Die Leipziger arbeiteten zwar weiter in Teilen unsauber, weshalb man sich über mögliche Freistöße und vielleicht sogar einen Elfmeter nicht hätte beschweren dürfen. Aber unterm Strich geht der Sieg für RB Leipzig in Ordnung.

40 Minuten hatte Fortuna Düsseldorf die Oberhand im weiten Rund. Die entscheidende Wende war die Einwechslung von „Ilse“ Ilsanker. Und es hat sich gezeigt, dass man gegen eine Mannschaft wie Fortuna Düsseldorf, die mit dem Rücken zur Wand steht, durchaus mit zwei Stürmern und schnellen, genauen Angriffen mehr reißen kann als mit einem allzu breiten Mittelfeld. 50 Minuten war RB Leipzig recht spielbestimmend und trat in der Zeit auch als würdige Spitzenmannschaft in Erscheinung.

Der beste Leipziger auf dem Platz war der als „Danish Dynamite“ bekannte Yussuf Poulsen, der mithilfe von Sturmpartner Davie Selke die gegnerischen Reihen um den Verstand spielte. Aber auch davor war er unfassbar wertvoll für die Mannschaft, weil er auch verteidigend und spielaufbauend tätig war. Organisierend war Dominik Kaiser unterwegs, und Emil Forsberg war derjenige, der die entscheidenden Impulse im Angriff setzte. In Sachen Gegenpressing und Spielaufbau war gestern Stefan Ilsanker der entscheidende Wendepunkt.

Nun hat RB Leipzig quasi die Relegation zur Bundesliga sicher. 15 Punkte sind noch zu vergeben. Und genau die sind der Abstand zum Nichtaufstieg. Nun geht es darum, mindestens Platz 2 zu verteidigen, um um die Relegation herum zu kommen und direkt aufzusteigen. Man muss jetzt aber wirklich langsam anfangen herauszufinden, wieso für die Mannschaft quasi die erste Halbzeit fast immer nicht zählt. Und das ist der Job des Trainers. Oder etwa nicht?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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