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Fußball im Laub - (C) StockSnap CC0 via Pixabay.de Fußball im Laub - (C) StockSnap CC0 via Pixabay.de

Salzburg, Wimbledon, Manchester – Home of the Fanvereine

Im Zuge der Aufstiege von RB Leipzig und der teilweisen Erfolge vom FC Red Bull Salzburg wird immer wieder von der Abkehr traditioneller Fans erzählt. Oft klingt dabei der Spruch heraus „Football is for you and me and not for fucking industry“ – also „Fußball ist für dich und mich da und nicht für die verdammte Industrie“. Und so trug es sich bisweilen zu, dass nach einem Investoreneinstieg bei einem Fußballclub Vereine, die von Fans getragen werden, entstanden. Ich habe hier mal drei Beispiele. Und die Frage: Kann das gut gehen?

SV Austria Salzburg

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Das ist nicht der traditionsreiche Club aus Salzburg. Denn bei dem ist ja Red Bull im April 2005 eingestiegen. Vielmehr in die Salzburg Sport AG, die den Spielbetrieb organisierte. Zu diesem Zeitpunkt war die alte Austria irgendwie nur Mittelmaß in der österreichischen Bundesliga. Red Bull stieg also ein und änderte alles: Logo, Auftritt, Vereinsnamen, Identität. Das ließen sich ein paar unerschrockene nicht bieten und gründeten im gleichen Jahr den SV Austria Salzburg neu.

Der bis dahin existente SV Wüstenrot Salzburg – also die alte Austria – wurde als Red Bull weitergeführt. Man entwickelte einen gesunden Protest gegen die kickende Werbebande aus Wals-Siezenheim und bezog das durch Konkurs frei gewordene MyPhone Austria Stadion. Von der untersten österreichischen Liga schaffte man es inzwischen bis in die zweithöchste Klasse, der Ersten Liga. Auch mit Hilfe des bekannten Trainers Jörn Andersen. Also sehen wir hier: Das klappt ganz gut. Und das Medienecho ist groß.

AFC Wimbledon

Nachdem 2003 der FC Wimbledon, einer der traditionsreichsten Vereine der Welt, durch finanzielles Harakiri gegen die Wand gefahren wurde und Mann und Maus veräußern musste, wurde der Rest aufgekauft und aus London heraus in die Provinz von Buckinghamshire verfrachtet. Das Ganze wurde dann mit einem neuen Logo und einer neuen Identität versehen und hieß ab diesem Zeitpunkt Milton Keynes Dons FC. Man tummelt sich seitdem irgendwo zwischen zweiter und vierter englischer Liga herum. Besitzer Winkelman hat perspektivisch Pläne, aber noch klappt das nicht so recht.

Parallel zum Niedergang des FC Wimbledon gründete sich der AFC Wimbledon, der von Fans konstituiert und zunächst auch von Fans geleitet wurde. Die Spieler wurden gecastet, und die Unterstützung unter den früheren Wimbledon-Fans ist groß. Auch sehr weit unten angefangen, spielt man derzeit in ähnlichen Gefilden wie die obigen Dons. Beide Vereine akzeptieren sich, aber es gibt dennoch eine gesunde Abneigung. Das Cherry Red Records Stadion in Kingston ist das Heimstadion der „Wombles“ und immer gut besucht. Also auch hier eine Erfolgsgeschichte.

FC United of Manchester

Als der Unternehmer Malcolm Glazer über seine First Allied Corporation Manchester United kaufte und die Kommerzialisierung 2005 Einzug hielt, haben sich enttäuschte Fans von den „Reds“ abgewendet und einen eigenen Verein, den FC United of Manchester. Dieser Club hat einen eigenen TV-Sender namens Chennel M, das Medieninteresse ist groß, und es gibt ein eigenes Vereinsmanifest. Mögen doch die „Reds“ mit Geld um sich werfen, der FCUM beherbergt die „Red Rebels“, was in den Augen der Fans weitaus besser ist.

Dem Verein geht es finanziell so gut, dass sie ihr Stadion selbst besitzen, nämlich den Broadhurst Park. Das Stadion ist gerade 3 Jahre alt und entspricht den absolut höchsten Voraussetzungen. Dennoch hat es der Club bislang noch nicht zu großem Ruhm geschafft. Von der 10. Ligastufe, der North West Counties Division 2, ging es bislang nur bis in die 6. Stufe, der National League North. Aber ich denke, das ist nicht das Wichtigste für die Fans. Das Wichtigste ist, dass kein Investoren-Verein wie Manchester United oder Manchester City vor ihnen herum turnt, sondern ein Kultclub.

RB Leipzig und SSV Markranstädt

Ich erzähle Ihnen das, weil man ja immer viel flaches über RB Leipzig liest. Klar, bei dem Club geht nichts ohne Red Bull. Die Firma hat dem SSV Markranstädt viel geboten, diverse Teams herausgelöst und im neuen Club beheimatet. Und man hat viel davon geredet, dass in Markranstädt nun der Fußball stirbt. Schließlich ging die erste Mannschaft in der damaligen Oberliga Nordost-Süd zum RB Leipzig. Aber mitnichten ist der Tod eingetreten. Dem SSV geht es seitdem so gut wie lange nicht mehr, seitdem die DDR-Trägerbetriebe nicht mehr gesponsert haben.

Der SSV Markranstädt hat nie aufgehört zu existieren, er existierte immer parallel zu RB Leipzig. Und er hat die ganze Zeit seine Spiele und seine Fans gehabt. Nur die erste Mannschaft ist in der Saison 2009/2010 nicht angetreten, weil sie da nicht existierte. Die zweite Mannschaft aber wurde gefördert, sodass die dann die jetzige erste Mannschaft ist und seit 2012 wieder dort spielt, wo die alte erste Mannschaft gewesen ist. Zudem die Mannschaften auch wieder zurückkamen. Und die Fans sind auch irgendwie bei der Stange geblieben. Ja, nicht ohne Unterstützung von Red Bull und so. Was macht denn dann den Fußball kaputt?

Fazit

Ich kann es nicht mehr hören: Investoren-Clubs machen den Fußball kaputt. Das ist ja gut und schön. Aber wo haben Investoren denn nicht das Sagen? Wenn ich irgendwo mein Geld hinein stecken würde, würde ich auch kontrollieren, was damit angestellt wird. Und wenn Red Bull nun mal RB Leipzig bis zum Erbrechen fördert, wollen die natürlich das Sagen haben, was mit der Kohle passiert. Dass es nicht ohne Geld geht, sollte eigentlich jedem klar sein, der Fußball sehen will, der über das Schulhof-Niveau hinausgeht.

Nun kann man es natürlich so machen wie die Fans in Salzburg, Wimbledon und Manchester und eigene Vereine gründen. Wie Sie gelesen haben, ging aber auch das nicht ohne Geld. Man kann es aber auch so machen wie in Markranstädt und dem ursprünglichen Verein die Treue halten. So bleibt die Tradition im Haus und kann fortgeführt werden. Markranstädt wird wahrscheinlich weiterhin von Red Bull irgendwie unterstützt. RB Leipzig hätte es nicht ohne die Blauweißen vom südwestlichen Stadtrand gegeben. Aber so kann dann eben auch ein Home of the Fanvereine aussehen, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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