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SC Freiburg gegen RB Leipzig – oder: Ohne Schnee nichts los in Baden

Villariba und Villabajo: Die Einen wählen ihren Präsidenten, die Anderen dominieren die Liga. Was denken sich die Bayern eigentlich bei RB Leipzig? Ich habe so meine Theorie, dass gestern Uli Hoeneß als altem und neuem Präsidenten des FC Bayern München schon ziemlich der Kopf explodiert sein dürfte, als er nach seiner Wahl sah, dass die Leipziger Dosentruppe weiter unerreichbar weg ist. Der SC Freiburg hat es RB Leipzig aber auch denkbar einfach gemacht. Und das ging so.

Das Team von Ralph Hasenhüttl war Gulacsi im Tor, Schmitz, Ilsanker, Orban und Halstenberg in der Verteidigung, Demme und Keita im defensiven Mittelfeld, Sabitzer und Forsberg im offensiven Mittelfeld sowie Poulsen und Werner im Sturm. Bis auf den verletzten Compper, der durch Stefan Ilsanker vertreten wurde, war also das gleiche Team wieder auf dem Feld, das auch schon Bayer Leverkusen besiegt hatte. Die Frage, die sich stellte war: Wird es wieder zu einer Schneeballschlacht bei den Badensern kommen? Nein, kam es nicht, weshalb das Spiel auch anders verlief.

Die Verlegenheitsabwehr (ohne Klostermann, Compper, Papadopoulos, Bernardo, Gipson etc.) machte an sich einen guten Job. Man merkte ihr aber an, dass sie nicht eingespielt war. Allerdings hat Stefan Ilsanker hier gezeigt, dass er wirklich ein Defensiv-Allrounder ist. Eigentlich im defensiven Mittelfeld zuhause, spielte er schon auf der Klostermann-Position rechts außen, bevor Schmitz einsprang. Und gestern machte er seine Sache neben Orban in der Innenverteidigung recht gut. Und auch Fragezeichen-Schmitz ist mehr Ausrufezeichen-Schmitz geworden.

Man durfte sich das gesamte Spiel lang fragen, was mit den Freiburgern los war. Sie wirkten ängstlich und doch eher passiv. Dass das an drei Personalwechseln gelegen haben soll, ist zwar vorstellbar. Aber angesichts der Verlegenheitsabwehr von RB Leipzig kann auch gezeigt werden, dass man trotz Vertretungen eine gute Leistung abzurufen imstande sein kann. Allerdings ist den Badensern auch nicht verborgen geblieben, mit welcher brachialer Gewalt das Hasenhüttl-Team aufspielt. Und deshalb hat die Streich-Truppe auch lieber abgewartet. Aber 90 Minuten lang?

Mit dem Geist noch in der Kabine sahen Freiburger jedenfalls zu, wie Naby Keita nach 2 Minuten bereits das 0:1 einschenkte. Der hatte den Ball nach einer kurzen Ecke vor die Füße bekommen und schüttelte sich von Abwehrkante Niederlechner ab. Ein 18-Meter-Torpedo besorgte dann die Führung. Danach dominierte RB Leipzig die Hausherren nach Belieben rund eine Viertelstunde lang. Und dann kam der Gegentreffer aus dem Nichts. Stenzel flankt von außen, der Ball ist ewig in der Luft, und Niederlechner kann zwischen Orban und Ilsanker noch erfolgreich ins Tor köpfen.

Eigentlich dürfen solche Tore nicht fallen. Zunächst muss ein Ball, der so lang nach einer Flanke in der Luft ist, keinen Abnehmer finden. Und dann ist es so, dass Gulacsi diesen Ball hätte abfangen müssen. Sein Vorgänger Coltorti hätte das gemacht. Gulacsi ist stark auf der Linie. Aber alles andere darf gern ausgebaut werden. Aber sei’s drum. Es hat nicht wirklich irgendwer damit gerechnet, dass sich irgendwas am Spiel von RB Leipzig ändern würde.

Kurz darauf stellte man den alten Abstand wieder her. Der ungemein starke und robuste Demme bespielte Werner. Keeper Schwolow kam zu spät aus seinem Kasten, und dann zappelte es im Netz. Das schüchterte den SC Freiburg dann irgendwie ein. Und der beste Mann auf dem Platz, Emil Forsberg, passte nach Belieben. So auch vor dem 1:3, als er sensationell auf Timo Werner spielte, dieser seinen Turbo zückte und den Ball dann im langen Eck unterbrachte.

Dann war Halbzeit, und über Twitter konnte man schon feststellen, dass die Fans in Sorge um das Freiburger Team waren. Man zollte allerdings auch Respekt gegenüber dem Leipziger Team. Egal, wie der Club zustande gekommen ist, sie spielen nun einmal sensationell guten Fußball. Und auf dem Platz stehen nun einmal Männer und keine Dosen. Das war den Kommentaren halt einfach mal zu entnehmen. Aber am Ende ist es nun einmal so, dass ein Ligaspiel erst nach 90 Minuten entschieden ist. Gewonnen war also noch nichts.

Und siehe da, der eigentlich schon mausetote SC Freiburg berappelte sich. Sie machten weiter auf und spielten nur noch mit einer angedeuteten Abwehr. Christian Streich stellte ein breites Brett in Sachen Mittelfeld dem Leipziger Tornado entgegen, was auch erstmal ziemlich gut funktionierte. So entstand auf der Leipziger Seite auch mal Chaos, das jederzeit zum Anschluss für die Breisgauer hätten führen können. Mit der Zeit gewannen die Gäste aus Leipzig allerdings wieder die Oberhand.

Emil Forsberg und Marcel Sabitzer boten wieder ihren Zauber-Fußball. So war es auch kein Wunder, dass der Schwede den Österreicher bediente, der zunächst nur den Pfosten traf, aber kurz drauf dann zum 1:4 Endstand traf. Allerdings hätte es noch ein paar mehr Tore geben können, denn die Freiburger schwammen dann wieder ziemlich in ihrem eigenen Saft. Und RB Leipzig machte das, was sie immer machen: Dominieren. Und das machen sie schon ziemlich imposant.

Und einen pfeilschnellen Angreifer wie Oliver Burke (78. Spielminute) und einen Strafraumstürmer wie Davie Selke (84. Spielminute) bei einer 4:1-Führung einzuwechseln, kann man schon mal machen, wenn man sich seiner Sache absolut sicher ist. Und weil dem so war, erhielt auch der lange Zeit nicht berücksichtigte Rani Khedira kurz vor Schluss auch noch seine Chance. Aber es blieb beim 1:4. Es war zu jeder Sekunde des Spiels ein verdienter Sieg.

Damit ist RB Leipzig weiterhin auf Rekordjagd. „Noch nie“ und „Sensationell“ und dergleichen sind die Vokabeln, die da derzeit kursieren. Sie sind dabei aber keineswegs abgehoben. Natürlich sind sie stolz. Aber sie sind eben auch jederzeit demütig. So kann Aki Watzke noch lang davon erzählen, dass in Leipzig „eine Dose performt“ werden würde. Es ist eine eingeschworene Truppe hier in Leipzig, die die Liga aufmischt. Aber sie wissen eben auch, wo sie herkommen und dass das Theater jederzeit vorbei sein kann.

In München hatten sie derweil gestern Uli Hoeneß zum neuen Vereinspräsidenten bei den Bayern gewählt. Die Grüße und Glückwünsche aus Leipzig nahmen einen Umweg über Freiburg. Und so kann man abschließend sagen: Während in Villariba noch gewählt wird, wird in Villabajo schon von der Tabellenspitze gegrüßt.

Mit Abstand bester Spieler des Abends war zum wiederholten Male Emil Forsberg. Es ist schon ziemlich unheimlich, was der Kerl zusammen spielt. Aber auch Naby Keita war wieder sagenhaft gut. Wir dürfen aber auch Diego Demme, Willi Orban, Marcel Sabitzer – eigentlich die ganze Mannschaft – nicht vergessen. Es ist der Teamgeist, der dieser Tage Spiele entscheidet. Und der ist in Leipzig verankert.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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