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VfL Wolfsburg gegen RB Leipzig, oder: Leblos gegen lebendig

Gestern besuchte der RB Leipzig mal den Volkswagen-Club in der niedersächsischen Provinz. Es kam zu einem Wiedersehen nach einer DFB-Pokal-Partie. Was man erwartete: ein Club mit internationalen Ambitionen empfängt einen Aufsteiger, der noch grün hinter den Ohren ist. Was man bekam: ein lebloser Haufen war gegen lebendige Spieler und Fans machtlos. Nach 1,5 Jahren seit dem Spiel in Leipzig im Pokal dachten viele an eine erneute Machtdemonstration. Die fand aber nicht mit grünen Leibchen statt. Komische Sache.

Es war das „Topspiel“ am gestrigen Sonntag. Und also machte sich der Aufsteiger auf den Weg nach Niedersachsen, um die 2001 gegründete VfL Wolfsburg Fußball GmbH in der Volkswagen-Arena zu besuchen. Beides befindet sich zu 100% in der Hand des größten deutschen Autobauers. 30000 Plätze fasst der Laden nahe der Autostadt. Das Stadion ist nicht immer ausverkauft. Und in Leipzig diskutiert man, ob die 43000 Plätze im Stadion ausreichen. Wie dem auch sei, gestern fand ein komisches Spiel statt.

RB Leipzig trat mit Gulacsi im Tor, Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg in der Abwehr, Ilsanker und Demme im defensiven Mittelfeld, Sabitzer (nach 15 Minuten Kaiser) und Forsberg im offensiven Mittelfeld, sowie Werner und Poulsen im Sturm an. Marcel Sabitzer zog sich eine Bänderverletzung zu und fällt wohl ein paar Wochen aus. Ansonsten ließ Trainer Hasenhüttl die Mannschaft im bewährten 4-2-2-2 auflaufen. Und dagegen fand Trainer Hecking mit seiner (so teureren) Millionen-Truppe kein Mittel.

Ich weiß noch, wie das beim Pokalspiel 2015 war. Die Niedersachsen spielten damals gut, aber der Leipziger Zweitligist auch. Es war nicht wirklich auszumachen, wer besser war. Ich war damals im Stadion. Man konnte sagen, dass der „Dosentruppe“ nur etwas die Cleverness gefehlt hatte. Gestern – 1,5 Jahre später und nun Erstligist – war die zwar da, aber es fehlte lange Zeit der Ertrag für den immensen Aufwand, den RB Leipzig betrieb. Das Team brachte sich –  wie so oft – selbst um den Erfolg.

Dabei war es erst so, dass sich beide Mannschaften nichts schenkten. Es war von Anfang an Dampf in der Partie. Gomez, Arnold, Draxler und Vieirinha sorgten für gewaltig viel Aufregung im Leipziger Strafraum. Und dann kam die 15. Spielminute, als sich plötzlich Marcel Sabitzer auf dem Rasen krümmte. Es hieß, er habe einen Schlag auf den rechten Knöchel bekommen. Allerdings schwoll dieser schnell an, sodass durchaus auch schlimmeres passiert sein konnte. Für ihn kam Kapitän Dominik Kaiser.

Die Leipziger überrannten immer wieder die Wolfsburger. So auch kurz nach der Kaiser-Einwechslung, als Knoche eine Katastrophen-Rückgabe zu seinem Torwart Casteels versuchte und sich ein hoffnungsloses Laufduell mit Timo Werner liefern musste. Der Wolfsburger Torwart griff ein und holte den Schwaben von den Füßen. Den fälligen Strafstoß allerdings vergab Emil Forsberg. Ich hatte den Eindruck, dass er ganz besonders platziert schießen wollte und gerade deshalb verzog. Egal, weiter ging es.

RB Leipzig wurde zielstrebiger. Ob es Kaiser war oder der alles in allem beste Mann auf dem Platz, Emil Forsberg, immer wieder wurde der belgische Torwart in niedersächsischen Diensten geprüft. Und Mario Gomez lieferte sich ein packendes Duell mit Bernardo, das durchaus auch in einem Elfmeter hätte münden können. Und auch Vieirinha versuchte sich noch einmal. Und Wolfsburg wurde immer wieder anfällig, wenn der Niederländer Jeffrey Bruma irgendwie ins Spiel kam.

Als dann der souveräne Gulacsi weit abschlug und den immer anspielbaren Diego Demme ins Spiel brachte, passte dieser auf Yussuf Poulsen. Und der wirbelte in Richtung Emil Forsberg. Und der schwedische Nationalspieler netzte bärenstark und wunderschön in bester Arjen-Robben-Manier ein. Was er beim Elfmeter zu schön machen wollte, erledigte er in der 70. Spielminute sehr überzeugend. Wer beobachtet hat, stellte fest, dass die Wolfsburger dagegen nicht so richtig eine Idee hatten.

Das wirkte von den Niedersachsen alles mehr oder weniger nur halb gewollt. Hier muss sich Dieter Hecking hinterfragen lassen, denn dies ist Aufgabe des Trainers. Demzufolge klang Sportdirektor Klaus Allofs auch nicht unbedingt danach, als würde er noch zu 100% hinter dem Übungsleiter stehen. Die grünen Fans waren auch sehr seltsam. 30000 Mann waren im Stadion, 3000 auf Leipziger Seite. Und die Niedersachsen waren im Vergleich zu den Sachsen kaum zu hören. Also auch irgendwie alles so halb gewollt.

Wolfsburg gibt ein komisches Bild ab. Die Niedersachsen haben investiert und können die Erwartungen nicht erfüllen. Man will international spielen, was nach derzeitigem Stand unmöglich ist. Andererseits engagierte Leipziger, denen nun die Krone des „Bayern-Jägers“ aufgesetzt wird. Die wollen sie aber gar nicht haben, denn sie wollen demütig bleiben. Das Ziel lautet weiterhin, oberhalb der Abstiegsränge zu bleiben. Und das mit der Einheit aus Mannschaft und Fans. Das ist schon beeindruckend.

Investoren-Fußball muss man nicht mögen. Keine Frage. Wenn man aber den leblosen VfL Wolfsburg mit dem lebendigen RB Leipzig vergleicht und hernimmt, dass die grünen Niedersachsen im Vergleich zu den Sachsen weder Plan noch Konzept haben, dann darf man schon die Frage stellen, welcher Investoren-Fußball denn da schlechter ist. Der angeblich so verhasste „Dosenclub von Red Bull“ kann das nicht sein, wenn man sich das Alles so ansieht. Volkswagen-Fußball habe ich da eher in Verdacht. Aber was weiß ich denn schon?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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