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Wie Borussia Dortmund gestern RB Leipzig empfing

Wenn die nicht auf Kommerz abzielende, börsennotierte Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA empfängt, bewahren Gewaltbereite die Tradition. RB Leipzig weiß das. Zumindest seit gestern. Also die Fans wissen das. Etwa 8500 Leipziger waren gestern im überaus Kommerz-freien Signal Iduna Park. Der Weg dorthin und wieder zurück war traditionell mit Gewalt verziert. Das nennt man in Dortmund dann also „Echte Liebe“.

Bedingt durch Erkrankungen und einer Rot-Sperre, ließ Trainer Hasenhüttl gestern ein anderes Team auflaufen. Gulacsi im Tor, Bernardo, Orban, Compper und Halstenberg in der Abwehr, Khedira und Ilsanker im defensiven Mittelfeld, Kaiser und Keita um offensiven Mittelfeld, sowie Poulsen und Selke im Sturm. Es fehlten Forsberg, Werner, Demme, Sabitzer, Klostermann und Müller.

Ich mache es kurz mit Worten zu dem Spiel: Man merkte es RB Leipzig an, dass man den Ausfall mehrerer Schlüsselspieler nicht einfach so wegstecken kann. Da ist man im Vergleich zur Kommerz-freien schwarzgelben Borussia schlechter aufgestellt, da man nicht einfach so die halbe Mannschaft rotieren lassen kann. Was man ohne Geld und nur mit Tradition alles erreichen kann, ist schon famos.

Jedenfalls hielten die Leipziger fast die gesamte erste Hälfte gut dagegen, bis ein Zucker-Zuspiel von Dembelé auf Aubameyang zum 1:0 für die „Echte Liebe“ führte. Keeper Gulacsi sah dabei auch nicht wirklich gut aus. Ab diesem Zeitpunkt war die Aktiengesellschaft deutlich besser unterwegs, ohne dass man den Leipzigern wirklich einen großen Vorwurf machen konnte. Es waren aber Abstimmungsprobleme feststellbar, die es sonst nicht gab.

Einer der besten Spieler auf dem Platz war Rani Khedira, der viel vor der Abwehr weg putzte. Und vorn machten eben Selke und Poulsen ihr Ding, kamen aber gegen die Abwehr der „Echten Liebe“ nicht zu wirklich zählbaren Erfolgen. Und der Traditionsclub unter Führung von Aki Watzke trieb immer wieder Gegenstöße voran. Sie waren schon besser, das muss man anerkennen.

So zog sich das auch in der zweiten Halbzeit weiter durch. Das änderte sich auch nicht, als für Khedira dann nach 66 Minuten Upamecano kam oder nach 73 Minuten für Selke dann Burke kam oder in 80. Minute durch den unterschätzten Federico Palacios Martinez anstelle von Kaiser die Offensive weiter ausgebaut wurde. RB Leipzig war die ganze Zeit auf Augenhöhe, ohne wirklich zwingend zu sein.

Bis in die Nachspielzeit zog sich das so hin. Und dann war der Ball auf einmal im Bürki-Tor. Der kam von eben jenem Palacios. Aber das Spiel ging dennoch 1:0 für Lüdenscheid-Nord aus, da der Schiedsrichter auf Abseits entschied. Allerdings musste man zugeben, dass er damit Palacios um sein erstes Bundesliga-Tor brachte, denn es war ein regulärer Treffer. So gewann die „Echte Liebe“ gegen „Champagner statt Bier“ mit 1:0.

Aber ehrlich, was haben die da in Dortmund an Fans? Wobei: Der Begriff „Fans“ trifft es ja nicht. Die Betitelung derer, die ich meine, mit „Fan“ wäre eine Beleidigung aller, die den Fußball als Sport und als gesellschaftliches Ereignis lieben. Dass so etwas wie der Biene-Maja-Club aus dem Regierungsbezirk Arnsberg überhaupt Investoren hat und auf internationale Startplätze schielt, ist ein Wunder bei solchen Ausschreitungen. Ich fange mal damit an:

Ein Ei mit 40 Tweets, kaum Leuten, denen er folgt oder die ihm folgen, erzählt mir irgendwas von Meinungsfreiheit. Und zwar zu solchen Sachen, wie ich sie im Folgenden aufliste.

Da ist ernsthaft von „Volkssport“ die Rede. Auf den Bannern in der berühmten Südkurve des Kommerz-freien Signal Iduna Parks las man dann davon, dass man „Bullen schlachten“ wollte und Steine werfen wollte. Man las auch, dass sich Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig, aufhängen sollte. Und all dieser unwürdige Quatsch. Aber es gab noch mehr zu sehen.

Die Fans von RB Leipzig wurden auf dem Weg ins Stadion als Juden bezeichnet. Das bezeichnet man in Dortmund als freie Meinungsäußerung. Und es ist ja die eigene Schuld der „Kunden der Brausebude“. Sie hätten ja nicht nach Dortmund kommen müssen.

Die Spieler selbst wurden mit Laserpointern geblendet, sodass sie hier teilweise an klaren Aktionen gehindert wurden. Am Foto der „Bild Sport“ sieht man auch die Aufforderung, „Pflastersteine auf die Bullen“ zu werfen. Und genau das ist auch passiert. Wie die Polizei Dortmund berichtete, gab es massive Ausschreitungen Dortmunder „Fans“ gegenüber Fans von RB Leipzig:

Insgesamt konnte eine extreme Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder Anhängerschaft gegenüber den Gästen festgestellt werden. Diese richtete sich gegen jede als Leipzigfan erkennbare Person, egal, ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte. Nur durch das sehr konsequente Einschreiten der Polizeibeamtinnen und -beamten unter Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray konnten weitere Straftaten verhindert werden.

Wir stellen uns das einfach mal vor, wie es sich mir darstellt: Da kommen Frauen, Kinder, Männer, Familien mit Schals und / oder Trikots und / oder Mützen oder was auch immer mit Logo von RB Leipzig anmarschiert, werden als Juden beschimpft und dann mit Pflastersteinen beworfen. Und das bezeichnet der Laden, der ohne Fremdfinanzierung nicht mehr existieren würde, als „freie Meinungsäußerung“?

Was performt eigentlich der FC Lüdenscheid-Nord, wenn laut Aki Watzke RB Leipzig „eine Dose performt“? Durch Brinkhoff’s Bier geförderte, rechtsradikale Gewalt? Und das Alles unter dem Fähnchen „Volkssport“ mit den Feigenblättchen „Echte Liebe“ und „Tradition“? Borussia Dortmund hat gar keine Berechtigung, hier einen auf dicken Maxen zu machen. Wer seine so genannten Fans so wenig im Griff hat und ohne Fremdunterstützung nicht mehr existieren würde, darf anderen nicht die Daseinsberechtigung absprechen.

Wir vergessen auch nicht, dass dieses unwürdige Verhalten der Fans aus Westfalen nicht vom Himmel gefallen ist und nicht zum ersten Mal passiert. Borussia Dortmund spielt auf Bewährung, weil es bereits zu vier schwerwiegenden Vorfällen kam. Und jetzt stelle ich mal die Frage, wer den Fußball kaputt macht. Ein paar Beispiele:

  • Fans von Hansa Rostock, die Gegnerfans durch die halbe Stadt Rostock jagen
  • Fans vom 1. FC Lokomotive Leipzig, die Säure auf Fußballplätze schütten, sodass diese unbespielbar sind
  • Fans von Borussia Dortmund, die mit Gewaltexzessen aufwarten
  • Fans von RB Leipzig, die zu Tausenden ihrem Club durch ganz Deutschland hinterher reisen
  • Hansa Rostock, die immer wieder in Geldnot kommen und nicht mit Geld umgehen können
  • etliche Clubs in ganz Deutschland, die immer wieder Insolvenz anmelden müssen
  • Borussia Dortmund, die mit Aktionärsgeldern Millionen für Spieler ausgeben
  • RB Leipzig, die mit Sponsoren- und Investorengeldern Millionen für Spieler ausgeben

Ich lasse das hier unkommentiert stehen. Möge sich jeder selbst beantworten, was mehr den Fußball kaputt macht. Aber zählen wir noch einmal auf, was den Fans von „Echte Liebe“ ohne großes Überlegen vorgeworfen werden kann:

Die „Fans“ sind aber auch bedauernswert. Was denen alles vorgeworfen wird. Becherwürfe fanden also nicht statt? Schauen wir mal:

Den Fans von RB Leipzig wurde auch nichts entgegen geworfen. Das ist alles Einbildung gewesen. Schauen wir mal:

Ich sag es ganz klar und deutlich: Sowas sind keine Fans. Ich habe den BVB über Jahre bewundert. Dieses Bild ist komplett in die Binsen gegangen. Das ist unterstes Gossen-Niveau. Und so etwas will als Aushängeschild deutscher Fußball-Kultur international – also Champions League – spielen? Bekommt euren Laden in den Griff, bekommt eure Fans in den Griff. Aber ich denke, das ist auch darin begründet, weil Aki Watzke schon monatelang schießt.

RB Leipzig mag noch keine hunderte Jahre andauernde Tradition haben. Der BVB wurde kurz vor Weihnachten 1909 gegründet und war lange Zeit ein integrativer Verein der Bevölkerung. Aber sie konnten dann nicht mit Geld umgehen, waren mehrfach fast pleite, weshalb man sich auch für den Börsengang der Fußballer entschied. Bayern München griff auch mal unter die Arme. Alles zur Rettung des Clubs.

Wäre das nicht gewesen, würde es den BVB nicht mehr geben. Als 2009 RB Leipzig gegründet wurde, gab es hier in Leipzig nichts greifbares, was als professioneller Fußball durchgeht. Dass das Alles nicht ohne Geld geht, dürfte Aki Watzke klar sein. Wieso er dennoch stichelt und somit seine so genannten „Fans“ mutwillig anstachelt, bleibt sein Geheimnis.

Ich bin nicht für eine Sonderbehandlung für RB Leipzig. Und ich kritisiere sehr gern und häufig den riesengroßen Einfluss von Red Bull auf den Club. Ich verlange aber Fairness. Die Fans und Spieler können nichts dafür, wie der Verein gegründet wurde. Man muss sie nicht bewerfen, verletzen, blenden, bedrängen und all das. Man darf sie fair behandeln, da sie das einfach verdient haben.

So wird aber auch der Verein hier weitermachen. Und Borussia Dortmund ist verdient hinter RB Leipzig in der Tabelle einsortiert. Und das Alles noch mit Respekt-Abstand. Die „Fans“ von Lüdenscheid-Nord wollten im Hinspiel boykottieren, was schief gegangen ist. Also haben sie im Rückspiel die Pflastersteine sprechen lassen. Die sind es, die den Fußball kaputt machen. Nicht RB Leipzig.

Es gibt genügend an RB Leipzig zu kritisieren. Das stelle ich überhaupt nicht in Frage. Aber wie sagt man so schön: „Was zählt, ist auf’m Platz“. Das werden die gewaltbereiten „Fans“ dieses Clubs aus Westfalen aber auch noch lernen. Vielleicht schon am letzten Spieltag, wenn der BVB immernoch hinter RB Leipzig steht. Man weiß nicht, was die Zeit bringt. Wir dürfen aber nie vergessen: RB Leipzig hat nichts, aber auch gar nicht zu verlieren. Der BVB schon. Oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „Wie Borussia Dortmund gestern RB Leipzig empfing

  1. Ich kann die Dummheit der radikalen Fußball-Fans (egal von welchem Verein) nicht nachvollziehen. Wer Frauen und Kinder angreift, sollte für eine gewisse Zeit (z.B. 4 Wochen), quasi als nachträgliche Erziehungsmaßnahme, in den Knast gesteckt werden. Die Kosten, von rund 90 Euro pro Tag (Knast), bekommen die natürlich nachträglich auferlegt! Bin mal gespannt, ob sowas einen Effekt hätte!

    Liebe Grüße

    1. Hallo Michael, sicher ist das ein wenig zu viel Fantasie. Aber du hast im Prinzip Recht. Irgendwie müssen Strafen hart und konsequent durchgesetzt werden. Notfalls muss auch mal ein Exempel statuiert werden. Und damit meine ich nicht nur die Ausschreitungen vom Wochenende, sondern generell. Ich halte das auch nicht auf eine bestimmte Liga oder Region beschränkt.

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