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Zum Glück hatte RB Leipzig bei Union Berlin verloren

Stellen Sie sich vor: Da kommt ein finanziell stark aufgestellter Emporkömmling aus der sächsischen Provinz in die Hauptstadt und schickt sich an, gegen eine Mannschaft anzutreten, die einem „eisernen“ Verein angehört. Und der sächsische Emporkömmling ist wirklich finanziell stark, was den Ekel der Anhänger des preußischen Vereins anregte, hat der Verein doch seit langer Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Aber der Köpenicker Club ist eben eisern, und so beißt man sich durch. Etwas anderes als ein Sieg gegen das „Marketingprojekt“ mit seinen „Klatschpappenfans“ wäre ein Wunder gewesen.

RB Leipzig gilt ja bei vielen Fußballfans als der Sensenmann des „Fußballs, wie wir ihn lieben“. Es wird immer wieder vom „Tod der Fußballkultur“ schwadroniert. Und alles Übel des Profifußballs wird immer wieder auf den rotweißen Club aus der Gründungsstadt des Deutschen Fußballbundes projiziert. Völlig egal, wie viel da dran ist oder wie nah das an der Realität sein mochte. Das angebliche reine „Marketinginstrument des Brauseherstellers aus Fuschl am See“ kam dann also am vergangenen Wochenende in das „Stadion an der Alten Försterei“.

Die Stimmung war angespannt, heißt es. Die „Eisernen“ Fans waren in schwarze Parkas gehüllt und wollten wohl die ersten Minuten Stillschweigen zelebrieren. Die angereisten Fans aus der Todeszone der Fußballkultur waren – soweit ich weiß – mit rund 2000 recht viele. Und irgendwie habe ich hier und da gelesen, dass es eine drückende Stimmung gewesen sein soll.

Die Zorniger-Elf spielte wieder eine Taktik wie zuletzt, weil das Konzept ja erfolgreich war. Allerdings war der 1. FC Union Berlin weitaus engagierter als Eintracht Braunschweig. Was eine Woche zuvor gut ging, ging diesmal schief. Letztendlich verlor man 2:1 durch Tore vom RB-Leipzig-Schreck Sebastian Polter für Union und Yussuf Poulsen für RB Leipzig. Alles in allem verdient. Das sagt so der Tenor der Berichterstatter. Gleichwohl heißt es auf vielen Seiten, dass die Mannschaft um Kapitän Daniel Frahn keineswegs schlechter war als die Düwel-Elf.

Ausführlicher behandeln das Spiel der Rotebrauseblogger und Liga-Zwei, letzterer als Vorbericht. Und es gibt jede Menge Wortmeldungen, die besagen, dass nun „Onkel Didi“ (also Red Bull Chef Dietrich Mateschitz) „seinen Dosenclub wieder einpacken wird, damit Platz für richtigen Fußball wird“. Endlich haben die Kritiker von RB Leipzig Grund zur Häme. Das Abendland ist gerettet. Zum Glück hat die „Brausetruppe“ verloren.

Halt mal. RB Leipzig ist ein Aufsteiger. Wie auch in der Dritten Liga, als die Spieler Aufsteiger waren und mal verloren hatten, gilt auch hier: Gegen einen gestandenen Zweitliga-Club wie Union Berlin muss man als Aufsteiger mit Spielern, die zu einem großen Teil bereits seit der Regionalliga dabei sind, erst einmal bestehen. Und da RB Leipzig ein gutes Spiel abgeliefert hat, haben sie genau diese Aufgabe erfüllt. Und zum harten Brot eines Aufsteigers gehört es nun einmal, Lehrgeld zu bezahlen und Spiele zu verlieren. Na und? Davon geht die Welt nicht unter.

Sicher hat auch die Atmosphäre in Köpenick eine gewaltige Rolle gespielt. Die „Alte Försterei“, die mit viel Fan-Engagement zu dem wurde, was sie jetzt ist (nämlich das größte reine Fußball-Stadion Berlins) ist nun einmal eine Festung. Union hatte einen schlechten Start in die Saison, RB einen guten. Dass beides nun ausgerechnet gegeneinander zum Ende kam, ist nun einmal so. Aber das Leben geht weiter.

Allerdings erwiesen sich die Berliner als schlechte Gastgeber. In der Halbzeitpause breitete sich im Gästeblock, in dem die RB-Fans standen, übler Gestank aus. Sofort wurde wohl auf Buttersäure geschlossen. Wenn dem so war, muss man wirklich darüber diskutieren, wo denn Kultur stirbt: In Leipzig, wo Fußball-Infrastruktur geschaffen wird, oder in Berlin.

Ich möchte mich nach wie vor nicht zu nah an RB Leipzig heran robben. Wenn der Verein ein Verein bleibt und auch zukünftig keine Fußball-Kapitalgesellschaft aus der ersten Mannschaft macht und – wie es geplant ist – irgendwann ohne die Unterstützung von Red Bull, sondern mit anderen Sponsoren und Partnern lebensfähig ist, dann haben die Vereinsverantwortlichen alles richtig gemacht. Dann war Red Bull wirklich nur Ziehvater und nichts weiter. So lang daran aber immer Zweifel bestehen, werde ich mich nicht als Fan bezeichnen können. Was auf jeden Fall in meinen Augen gilt: RB Leipzig hat mit Alexander Zorniger einen der besten Trainer Deutschlands, eine schlagkräftige Mannschaft (die nicht nur wild zusammen gekauft wurde), spielt attraktiven Fußball und macht ganz sicher den Profi-Fußball nicht kaputt.

Union hatte jedenfalls das Spiel unterm Strich verdient gewonnen, weil sie eben cleverer waren. Und damit das kleine Stückchen besser. Nun relativiert sich ein wenig die Tabelle, da Union zu gut für einen vorletzten Tabellenplatz ist. Andererseits durfte niemand erwarten, dass RB Leipzig niederlagenlos durch die Liga hetzt. Das wäre illusorisch gewesen. Und wer da irgendwelche Schauermärchen darüber erzählt, dass das die Maßgabe von Mateschitz sei, der irrt. Es wurde proklamiert, dass diese Saison zum Konsolidieren genutzt werden sollte. Wenn mehr dabei herauskommt, ist das gut. Wenn man zumindest in der Liga bleibt, ist das aber genauso gut.

Der Verein wird seinen Weg gehen. Auf sinnvolle Art und Weise. Dass bei der ersten Mannschaft dann immer das Team im Zentrum steht, sollte sich in Berlin gezeigt haben. Da sind keine gewissenlosen Söldner. Und deshalb bin ich heilfroh, dass die Siegesserie von RB Leipzig in Berlin gerissen ist und die „Dosentruppe“ verloren hat.

Bildquelle: Vereinslogo von RB Leipzig – (C) RB Leipzig e.V.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Zum Glück hatte RB Leipzig bei Union Berlin verloren

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