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Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, (C) Christian Lindner, mit freundlicher Genehmigung Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, (C) Christian Lindner, mit freundlicher Genehmigung

Christian Lindner: Gewalt beginnt bei der Verrohung der Sprache

Extremismus und Gewalt sind auch in der deutschen Mitte angekommen. Der FDP-Chef Christian Lindner (Fotoquelle) hatte nun richtigerweise vor der Verrohung gewarnt. Denn mit deftigen und markigen Sprüchen aus bestimmten Teilen der Gesellschaft kann man Stimmungen produzieren, die der Gesellschaft nicht gut tun können. Mit jeder weiteren Verrohung werden mehr Leute an die politischen Ränder getrieben. Und das kann nicht die Zukunft sein. Reden wir einmal darüber.

Wenn es um linksgrün-versifft oder braun geht, wenn man jemanden irgendwie abstempeln will, schafft man es rasend schnell, dass man mehr oder weniger große Teile der Gesellschaft enthemmt. Ich vermute, dass man immer stärker die Auffassung unterstützt, dass es dann das gute Recht sei, irgendwelche extremistischen Dinge zu tun oder radikale Haltungen zu vertreten. Und all das fängt doch bei dem an, was Christian Lindner als „Verrohung der Sprache“ ansieht.

Wer denkt, dass der Gebrauch der Vokale „Lügenpresse“ oder „völkisch“ oder „Umvolkung“ in Ordnung ist, der wirkt zwar auf den ersten Blick nicht opportun und mit einer klaren Meinung ausgestattet. Aber wer solche Worte verwendet, stachelt mehr oder weniger bewusst die Masse an. Wie schnell ist es dann passiert, dass ein Mob rasend wird und dann Gefahren für unser friedliches Zusammenleben entstehen? Und jetzt kommen Sie mir nicht damit, dass der gesellschaftliche Frieden durch „die Flüchtlingsflut“ eh schon gefährdet ist.

Aber es geht auch anders herum. Jeder, der davor warnt, dass ein unkontrollierter Zustrom von Flüchtlingen nicht zu bewältigen und sogar gefährlich ist, wird schnell mal als Nazi abgestempelt. So wie das auch mit Leuten passiert, die aus einem natürlichen Reflex heraus einen gewissen Argwohn gegenüber Fremden haben. Man darf doch nicht einfach hergehen und Türen und Tore offen halten und nicht den geringsten Gedanken an etwaige Problemen haben. Nicht jeder, der davor warnt, dass das Alles unkontrolliert passiert, ist gleich rechtsradikal und fühlt sich richtig wahrgenommen, wenn er „Nazi“ genannt wird.

Freilich ist eine Partei wie die AfD glänzend aufgestellt, wenn es um Rhetorik geht. Wir dürfen doch aber nicht vergessen, dass da viel Propaganda dabei ist. Mir scheint, als ob viele Dinge, die die AfD so von sich gab, einzig und allein der Profilierung dienen. Befeuert wird die Profilierung, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel immer bewusst im Ungefähren bleibt und weil sich Leute aus den hinteren Reihen mit markigen Sprüchen Gehör verschaffen wollen. Und wenn Christian Lindner Flüchtlingsabkommen mit Afrika fordert und diese an Entwicklungshilfe binden will, wird es nicht lang bis zum Nazi-Vorwurf dauern.

Ich finde, ohne klare Regeln geht es nun einmal nicht. Wir haben live erlebt, wohin das Ungefähre führt. Wir haben erlebt, wie es ist, wenn auf Basis von halbgaren Abkommen versucht wird, eine humanitäre Katastrophe zu bewältigen. Es ist nun einmal Blödsinn, sich mit einem „Wir schaffen das“ hinzustellen und kein „Wie“ in der Tasche zu haben. Mit klaren Regeln kann jeder etwas anfangen, und vielleicht beruhigt man so die Gemüter. Wer weiß das schon?

Wir kommen auf jeden Fall nicht einen Schritt weiter, wenn wir laut brüllen, dass Merkel verhaftet werden soll. Ja, das schrieb ich auch schon mal. Man kann nur darauf hinweisen, dass klare Regeln vorliegen müssen. Klarer als jetzt. Auch in der Sprache. Andernfalls schafft man es nur, dass sich noch mehr Leute radikalisieren. Ob man das will? Ich weiß es nicht.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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