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Recep Tayyip Erdoğan im Jahr 2012 - Gobierno de Chile [CC BY 3.0 cl (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/cl/deed.en) oder CC BY 3.0 cl (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/cl/deed.en)], via Wikimedia Commons Recep Tayyip Erdoğan im Jahr 2012 - Gobierno de Chile [CC BY 3.0 cl (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/cl/deed.en) oder CC BY 3.0 cl (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/cl/deed.en)], via Wikimedia Commons

Der Pate Erdogan

Ich bin über eine Diskussion in den sozialen Netzwerken gestolpert, in der es um den türkischen Präsidenten Erdogan und eine Kurdenmafia mit ihm als Paten ging. Ich kann nicht so richtig sagen, ob das nun komplett ins Reich der Verschwörungstheorien gehört oder nicht. Jedenfalls wird übel über den „Boss vom Bosporus“ (was ja geografisch falsch ist) hergezogen. Klar, Erdogan ist kein guter, das wissen wir. Aber ist das gerechtfertigt, dass man ihn als Drahtzieher von mafiösen Strukturen hinstellt? Woher haben diese Leute ihre Informationen?

Da reiben sich Debattenteilnehmer an Begriffen auf, die da lauten „Musels“ gegen „arische Musels“, wobei ich gar nicht so richtig weiß, was der letzte Begriff überhaupt soll. Und klar, „Musels“ sind „Muselmänner“, der früher gebräuchliche und heute meist abwertend benutzte Begriff für Muslime. Aber was bitte sind „arische Musels“? Das will mir nicht in den Schädel. Tja, und mittendrin immer wieder der Name Erdogan. Und die Leute, die da miteinander debattieren, berufen sich auf die Creme de la Creme deutschen Journalismus-Treibens.

Man beruft sich auf eine Publikation namens „Deutsch-Türkische Nachrichten“. Das ist eine Schwester-Seite der „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“. Und man beruft sich auf „Politaia“. Aber mal der Reihe nach. Warum denke ich, dass da viel geschrieben, aber nichts bewiesen ist? Wir müssen uns doch nur mal die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ ansehen. Über die wird geschrieben, dass die „kein Nachrichtenportal, sondern ein Blog für Verschwörungstheoretiker“ seien.

Und ich schrieb ja, dass die „Deutsch-Türkischen Nachrichten“ eine Schwester-Seite davon ist. Sie entspringt dem Unternehmen Blogform, das mal vom Journalisten Michael Maier gegründet wurde. Es ist nicht abschließend zu klären, woher die „Deutsch-Türkischen Nachrichten“ ihre Informationen beziehen. Ebenso verhält es sich mit „Politaia“, was sich selbst auch als Nachrichtenplattform darstellt. Aber aufgrund der rein subjektiven Betrachtung ist es das nicht. Das wird aber dem Leser nicht klar. Und das ist das Gefährliche.

Problematisch ist, dass sie sich auf eine Studie berufen, aus der hervorgeht, dass die kurdische Organisation PKK eine Art Mafia sei mit einem Budget von 86 Milliarden US-Dollar. Die Studie stammt von einem US-Informationsunternehmen namens StratFor. Die Plattform WikiLeaks wirft dem Unternehmen fragwürdige und illegale Methoden vor. Der Begriff „privat und unkontrolliert arbeitender Geheimdienst“ machte diesbezüglich die Runde. Und darauf berufen sich diese beiden Seiten, denen auch ein eher zweideutiger Ruf vorauseilt? Und darauf stützt sich die Debatte?

Über die PKK wird also erzählt, dass sie Verbindungen zum organisierten Verbrechen in Armenien, Aserbaidshan, Tschtschenien und Russland unterhält. Klar, die PKK wird als Terrororganisation eingestuft, und Terror muss finanziert werden. Und dann wird eigenartigerweise behauptet, dass die PKK und der Islamische Staat von Erdogan kontrolliert werden würde. Ich halte das für reichlich seltsam. Aber was weiß ich denn schon?

Die kriminellen Aktivitäten würden sich wohl auch rund um Drogen bewegen. Und dafür würden wohl Stoffe auch aus Deutschland importiert werden. Man könnte jetzt hergehen und sagen: Wenn Erdogan tatsächlich das Alles kontrolliert, wäre ihm an stabilen Beziehungen gelegen, damit auch künftig Anhydride aus Deutschland importiert werden können. Ich halte das für ziemlich weit hergeholt. Nochmal: Erdogan ist kein guter Engel, das wissen wir. Aber mir will es nicht in den Kopf, dass die Behauptungen von StratFor tatsächlich stimmen können.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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