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Journalismus - (C) PublicDomainPictures CC0 via Pixabay.de Journalismus - (C) PublicDomainPictures CC0 via Pixabay.de

Die böse, gleichgeschaltete Systempresse

Meinungen werden vom System unterdrückt. Die Presse besteht nur aus Lügnern. So ähnlich heißt es, wenn mal über Journalismus erzählt wird. Woher diese Ideen kommen, ist nicht wirklich klar. Aber klar ist, woher dieser selten dämliche Begriff kommt. Jedenfalls ist die Presse wie immer gleichgeschaltet – und deshalb werden Lügen verbreitet. Solche Sprüche hatten wir doch alle schon mal, oder?

Der Begriff Lügenpresse – wahlweise auch Systempresse – stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals hatten konservative Katholiken gegen die neu entstandene liberale Presse interveniert. Im 1. Weltkrieg war in Deutschland davon die Rede, als Berichte aus dem Ausland verfasst wurden. Praktisch die gesamte Presse von Feindstaaten war Lügenpresse. Vor und während des Nationalsozialismus wurde der Begriff benutzt, um Kritiker am Regime als Juden und Kommunisten hinzustellen. Und nach dem 2. Weltkrieg griff die DDR den Begriff in Bezug auf BRD-Medien auf, und seit einigen Jahren treibt sich der Begriff bei der rechtsdrehenden Gilde herum.

Nein, ich sauge mir das nicht aus den Fingern, das kann man alles nachlesen. Und das nicht mal bei der so genannten Springer-Koalition, sondern in einer frei verfügbaren Enzyklopädie. Da staunt der Skeptiker Bauklötzer, oder? Aber trotzdem gibt es genügend Schreiberlinge, die den Begriff weiterhin mit sich herumtragen, um ihn bei nächstbester Gelegenheit in die Welt hinauszubrüllen.

Wie da jemand auf die Idee kommt, von der „analen Odyssee durch die dunkelsten Kanäle des deutschen Gutmenschentums“ zu erzählen, ist mir nicht so recht klar. Jedenfalls kommt der Dr. Eran Yardeni daher und erzählt einen von der „Gleichschaltung der deutschen Presse“ daher. Solche Sachen gibt es ja immer wieder. Aber der Herr schreibt von der „freiwilligen Gleichschaltung der deutschen Presse in Bezug auf die Flüchtlingssintflut“ und so etwas.

Klar ist es richtig, sich auch mal darüber zu unterhalten, wie denn die Zukunft aussieht. Das muss man einfach mal machen, da die Situation mit den vielen Flüchtlingen selbstverständlich seine Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Dass man aber einfach so mit erhobenem Finger vor nicht behebbaren Konsequenzen warnt und gleichzeitig die Medien der Lüge bezichtigt, ist einfach mal schäbig.

Mir ist nicht so richtig klar, wie solche Veröffentlichungen zu bewerten sind. Natürlich ist es sonnenklar, dass man nicht alles ohne zu hinterfragen gut finden muss, was in Sachen Flüchtlinge so passiert. Da Deutschland eher selten solche Situationen zu bewältigen hatte, stellt sich das Land auch eher doof an. Man weiß es eben auch nicht besser. Und dass die Medien dann von dem bewundernswerten Engagement der Bevölkerung berichten, dürfte auch nicht so schlecht sein. Und klar, man muss sich irgendwann fragen, wohin Deutschland denn will.

Aber es ist inakzeptabel, dass Medien, weil sie nun über die Flüchtlinge und die Hilfsmaßnahmen berichten, als Lügenpresse hingestellt werden. Es ist hoch anzurechnen, was die vielen Helfer machen. Und es ist auch hoch anzurechnen, was da Reporter auf sich nehmen, um da irgendwie ein bisschen Klarheit zu schaffen. Es gehört sich nicht, dies dann mit einem nationalsozialistischen Schimpfwort zu belegen.

Im übrigen bin ich auf diese Ausführungen gestoßen, als ich über einen bestens vernetzten rechten Blog gestolpert bin, der die Worte von Dr. Yardeni vollständig bei sich veröffentlicht hat. Sicher hat er nicht unrecht, dass der eine oder andere Aspekt hinterfragt werden muss. Irgendwann wird man sich eben mal fragen müssen: „Und jetzt?“ – Aber nicht unter der Überschrift Gleichschaltung der deutschen Presse.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Die böse, gleichgeschaltete Systempresse

  1. Der Vorwurf der Systempresse liegt in der heutigen Zeit allerdings nahe, da sich die wenigsten in der Presselandschaft noch abseits des „Mainstreams“ bewegen. Somit stehen zumindest in allen großen Medien meist Artikel die fast 1:1 kopierbar sind, weil Sie nicht nur einseitige Themen bringen, sondern darin dann auch noch versuchen sämtliche eigene Meinungsauslegung zu vermeiden, die irgendwie falsch interpretiert werden könnte

  2. Man hat wirklich den Eindruck, dass eine wertfreie und unabhängige Berichterstattung nicht mehr stattfindet!
    Ängste, Bedenken und Kritik werden mal schnell ins rechte Lager abgeschoben und nicht registriert.
    Natürlich müssen wirklich bedürftige Flüchtlinge aufgenommen werden, aber die Mehrzahl gehört nicht dazu und ist auch nicht bereit sich an hier geltende Gesetze und Regeln zu halten. Berichte über Ausschreitungen und Übergriffe dieser Zuwanderer werden totgeschwiegen, hier passt schon der Vorwurf der Gleichschaltung.

    1. Natürlich, der Presse kann man viel vorwerfen. Und es liegt mir fern, hier irgendwas schön zu reden. Dazu ist gerade bei diesem Thema zu viel kaputt gegangen. Trotzdem halte ich den Begriff „Systempresse“ oder „Lügenpresse“ für unglücklich. Es stimmt schon, was die Flüchtlinge betrifft. Und ich finde es gut und richtig, dass da auf die Probleme hingewiesen werden. Dass es da Medien gibt, die da mit dem Knüppel draufschlagen, finde ich dagegen falsch.

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