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Die breite Stirn der handlungsunfähigen Griechen

Ja, sie müssen Schulden zurückzahlen. Aber wovon denn? Daher verdient die Stirn, die Tsipras der Euro-Gruppe bietet, eigentlich Respekt. Denn eigentlich können sie gar nichts mehr machen und nur noch ihrem Schicksal harren. Wenn ich das höre und lese, was die lieben Medien da von sich geben, werde ich irgendwie richtig sauer: „Griechenland hat nicht gezahlt!“ – Die pösen, pösen Griechen. Nochmal die Frage: Wovon denn?

Was die Griechen auch immer jetzt machen würden, sie würden aus dem Schuldensumpf nicht herauskommen. Was sie auch immer vorschlagen, um sich selbst ein Luftholen zu bescheren, es würde abgelehnt werden. Jeder will nur, dass Griechenland zahlt, und alle Welt haut auf Griechenland ein. Aber woher das gebeutelte Land das Geld nehmen soll, ist jedem völlig egal. Das Problem ist doch, dass die „Hilfskredite“ und dergleichen zwar auf den Bierdeckel geschrieben werden, aber fast ausschließlich den Banken gutgeschrieben werden. Auch deutsche Banken profitieren davon. Aber kaum Griechenland selbst.

Griechenland soll also etwas zurückzahlen, was das Land gar nicht in die Hand bekommen hat. Wie ist denn das mit Konjunkturprogrammen, wovon da immer mal wieder hinter vorgehaltener Hand gefaselt wird? Natürlich redet da niemand klar und deutlich davon. Warum auch? Griechenland an der kurzen Leine zu halten und herauspressen, was geht, ist doch viel einfacher. Darum halte ich es nun mittlerweile für sympathisch, dass Alexis Tsipras standhaft bleibt und nicht einfach so einknickt.

Ich halte es nach wie vor für falsch, dem Land allein den schwarzen Peter zuzuschieben. Verbockt hat es vielleicht auch eine Bankenaufsicht, die dafür hätte sorgen müssen, dass die Banken nicht uferlos Geld in das Land pumpen. Denn mittlerweile ist es vielen klar, dass Griechenland gar nicht hätte den Euro einführen dürfen, da die Voraussetzungen eigentlich nicht gegeben waren. So hat man Griechenland gestützt. Mit Krediten. Und damit begann die Schuldenspirale, sich zu drehen. Und mit der Zeit wurde das immer mehr.

Mittlerweile kann das Land nicht mehr atmen. Es geht nichts mehr vor oder zurück. Und die Medien dreschen fröhlich auf das Land ein. Wenn jemand am Boden liegt, ist es natürlich einfach, auf ihn noch einzutreten. Doch irgendwie sieht das Alles so aus, als stünde die gesamte Euro-Zone und damit die gesamte Währung auf dem Spiel. Deshalb wird man wohl auch künftig Griechenland unterstützen, da es teurer werden würde, wenn man dies nicht mehr täte. Wenn man unter einem Stelzenhaus eine Stelze wegkloppt, steht das Haus nun einmal nicht mehr so sicher wie zuvor. Und wer weiß, wann die anderen Stelzen nachgeben.

Wie war das eigentlich früher mit Deutschland? Das musste ja auch mal gestützt werden. Gewaltig. Und was hat man dann gemacht, als es für Deutschland eng wurde? Man strich von den Schulden weg und sorgte für Konjunktur. Warum kann das mit Griechenland nicht ähnlich passieren? Ach ja, Griechenland ist für die Euro-Zone nicht so wichtig wie Deutschland. Aber ich verweise noch einmal auf die Stelzen. Das kann ein ganz gefährliches Spiel werden, was man da treibt.

Ich hab das sicherlich auch vor einiger Zeit noch anders gesehen. Aber inzwischen muss ich das wirklich neu bewerten. Wer weiß, was passieren würde, wenn man Griechenland Luft zum Atmen und eine Möglichkeit zur Belebung der Konjunktur bieten würde. Klar, damit bleibt das Land nach wie vor ein schwaches Land. Aber es würde zumindest eine Möglichkeit geben, die Schulden besser bedienen zu können. So, wie man es mit Deutschland gemacht hat. Aber wollen muss man es. Und da habe ich meine Zweifel.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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