Skip to main content
Frauen mit Burka - Institute for Money, Technology and Financial Inclusion - (Buying the dry goods market) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons Frauen mit Burka - Institute for Money, Technology and Financial Inclusion - (Buying the dry goods market) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Die Burka: Eine Diskussion über ein fast nicht existentes Thema

Momentan könnte man denken, dass in Deutschland alle muslimischen Frauen Burkas tragen und als Bedrohung gelten. Das Alles ist schon ziemlich absurd. Jetzt hört und liest man allerorten davon, dass in Deutschland viele Leute der Meinung sind, dass man sich vor der „Burkaschwemme“ fürchten muss und diese für Mitteleuropäer freilich befremdlich wirkende Kleidung verboten gehört. Und irgendwo stand auch mal etwas, dass die Burka dem Vermummungsverbot nach $ 17a Absatz 2 des Versammlungsgesetzes widersprechen würde. Und hier muss ich etwas loswerden.

Worüber reden wir eigentlich?

Eine Burka ist eine Burka ist eine Burka. Was viele Mitteleuropäer als Burka ansehen, ist eigentlich keine. Oder was heißt eigentlich? In so ziemlich allen Fällen, in denen eine Burka vermutet wird, ist gar keine da. Und wenn ich lese, dass die Burka durch syrische Flüchtlinge hierher „geschwappt“ ist, weiß ich wirklich nicht, was ich sagen soll. Die Burka – oder eigentlich Burqu – wird von vielen Frauen in Afghanistan und in Teilen Pakistans getragen.

Eine afghanische Burka ist ein großes Stofftuch, mit dem am oberen Ende eine flache Kappe vernäht ist. Im Bereich der Augen befindet sich so etwas wie ein Gitter aus Stoff oder Rosshaar. Ansonsten ist das Gesicht vollständig bedeckt. Sie sind meistens blau, aber auch andere Farben werden verwendet. Sie sind oft kunstvoll bestickt. Sie reicht meistens bis zum Boden herunter.

Die pakistanische Burka ist im Prinzip ein schulterlanges Dreiecktuch, dass die Haare auf dem Kopf bedeckt, und ein weiteres Tuch wird daran befestigt, das sie untere Gesichtshälfte bedeckt. Die Augen bleiben frei. Ansonsten ist die pakistanische Burka ein „Kleid“. Diese Burka ist praktischer als die afghanische, weil die Frau den Gesichtsschleier bei Bedarf abnehmen kann, ohne dass sie die ganze Burka ausziehen muss.

Haben wir Burkas schon gesehen?

Burkas gibt es in der muslimischen Welt schon ewig. Es gibt Aufzeichnungen von Achtzehnhundertundeinpaarzerdrückte. Aber ich nehme an, dass die Geschichte noch viel, viel weiter zurück reicht. Dabei war die Verschleierung auf dem Land unüblich. Dann kamen in den Neunzigern die Taliban in Afghanistan auf den Plan, und plötzlich war die Burka für Frauen verpflichtend. Diese Pflicht ist aber seit 15 Jahren abgeschafft.

Nun sehen wir, dass sich das Straßenbild in Deutschland verändert hat. Augenscheinlich Muslime mischen sich unters Volk. Das ist aber nicht ausschließlich die Folge des schlimmen Krieges in Syrien, sondern gab es schon lang. Ich erinnere gern an die türkischen Gastarbeiter mit Familie und daran, dass die Türkei ebenfalls ein muslimisches Land ist. Jedenfalls gibt es in der Tat Frauen mit irgendeiner Art Schleier oder Tuch. Aber sind das Alles Burkas? Schauen Sie oben auf das Bild und dann in den Abschnitt „Worüber reden wir eigentlich?“.

Vielleicht sahen wir einen Tschador? Vielleicht einen Çarşaf? Vielleicht war es ein Niqab? Wir wissen es offenbar nicht, weshalb alles mögliche als Burka bezeichnet wird. Aber mal ernsthaft: Wie viele dieser Ganzkörperschleier aus der Arabischen oder Muslimischen Welt haben wir wirklich gesehen? Wenn man so in einer Großstadt wie Leipzig durch die Gegend geht, sieht man natürlich immer wieder mutmaßlich Menschen aus der Arabischen Welt. Natürlich sind da auch Frauen dabei. Aber ich bin ehrlich: Bei den vielen tausend Menschen, die man so sieht, ist mir nur einmal ein Ganzkörperschleier aufgefallen.

Aber noch einmal: War es überhaupt eine Burka? Wir reden hier von einem Burkaverbot und wissen nicht im Geringsten, was das eigentlich ist. Wir schwafeln alle von Zeug, von dem wir keine Ahnung haben. So auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziére, der die Burka verbieten will. Und auch die überwiegende Mehrheit von Befragten, die die Burka verbieten lassen will. Dabei werfen wir alles mögliche in einen Topf. Am Ende vielleicht auch noch den Habit?

Die Burka hat Tradition

Wenn wir die Burka verbieten lassen wollen, dann wollen wir auch Tradition verbieten lassen. Nehmen wir mal an, wir haben wirklich Frauen in Burkas gesehen. Nehmen wir an, das sind Flüchtlinge. Eine Burka drückt einen gewissen Status in der Gesellschaft aus. Je reicher bestickt sie ist, desto wohlhabender die Frau. Zudem wird sie auch aus Gründen der Frömmigkeit und der Zugehörigkeit getragen. Und nicht zuletzt kann die Frau darunter mögliche ärmliche Kleidung verstecken. Ja, auch in der Arabischen Welt machen Kleider die Leute.

Wollen wir ihnen das wirklich wegnehmen? Und wollen wir es wirklich so machen wie einige Blitzbirnen, die von einer „islamistischen Burka“ reden? Die reden dann auch ernsthaft von einem „islamistischen Lebensstil“, der sich durch das Erlauben der Burka breitmachen könnte. Leute, was soll das denn sein? Islamismus ist ein sozialwissenschaftliches Konzept, kein Lebensstil, kein sonstwas, keine Religion. Die Burka ist ein arabisches Kleidungsstück und nichts anderes. Also hören wir einfach auf, diesen Unfug zu behaupten. Er wird durch ständiges Wiederholen nicht richtiger.

Genauso blödsinnig ist übrigens, dass es nun auch wieder andere Blitzbirnen gibt, die meinen, dass sie selbst eine Burka tragen müssen. Das ist so wie der US-amerikanische Weltstar, der auf dem Münchener Oktoberfest eine bayrische Tracht trägt. Oder der deutsche, katholische Spitzenpolitiker, die in Yad Vashem eine jüdische Kippa trägt. Das Tragen einer Burka hat doch nichts mit einem Kasperletheater oder Fasching zu tun. Die Burka hat Tradition. Warum sie von Frauen getragen wird, habe ich beschrieben, also hört auf damit.

Was ich damit sagen will

Das angebliche Problem mit den Burkas ist meiner Meinung nach nicht existent. Wir hauen alles mögliche in einen Topf, aber dass hier wirklich viele Burkas vorhanden sind, glaube ich nicht. Und wie viele Trägerinnen würden dann gefährlich sein? Ich finde, man halst sich hier Probleme auf, die es nicht gibt. Es wäre so viel einfacher, wenn wir uns nicht immer gleich wie die Geier auf solche Themen stürzen. Die einen sind die weißen Geier, die die Burka dann verteidigen und sich selbst eine anziehen. Die anderen sind die schwarzen Geier, die die Burka verbieten und „Vermummte“ aus Deutschland rausschmeißen wollen.

Ich glaube, das so genannte Burkaverbot wird zu nichts führen. Wir haben uns unsinnig aufgeregt, denke ich. Aber das muss dieses Sommerloch sein, von dem so viele immer wieder reden. Und jetzt beende ich das Thema. Ich habe viel zu viel dazu geschrieben.

Verteilen Sie diese Erkenntnis doch einfach wie 15 andere auch

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

3 Gedanken zu „Die Burka: Eine Diskussion über ein fast nicht existentes Thema

  1. Richtig. Wie viele Burkas habe ich in meinem Leben bis jetzt gesehen? Mehr als 5 waren es nicht. Oder ich habe sie nicht wahrgenommen. Das ist gut möglich. Mich stört nämlich nicht, wenn Frauen ein Kopftuch tragen, sogar nicht die Burka oder die anderen Verhüllungsdinger. Aber es ist halt ein Thema, das einem höheren Ziel dient. Darüber habe ich eben erst was gebloggt. Wilders will in den Niederlanden alle Moscheen schließen und den Koran verbieten. Was er damit beabsichtigt, dürfte klar sein. Und wir befinden uns auf einem Weg, es ihm nachzumachen. Jedenfalls erhalten die Islamhasser in Deutschland immer weiter Auftrieb.

  2. Wollen wir hier wirklich eine Debatte über Begriffe führen oder geht es in Wirklichkeit darum dass im Namen einer Religion Verhüllungen getragen werden sollen, die Symbol für die Erniedrigung der Frau ist?
    Symbole die in Wirklichkeit nichts mit dieser Religionen zu tun haben.
    Ich persönlich spreche mich für ein generelles Verhüllungsverbot aus.
    Okay mit einer kleinen Ausnahme die da heißt Halloween.

    1. Naja, die Erniedrigung kam doch erst durch die Taliban. Die Burka hingegen gibt es schon wesentlich länger. Wie im Artikel zu lesen ist, war sie auch immer ein Stück weit ein Statussymbol. Und das hat auch nichts mit Religion zu tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.