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Angela Merkel auf dem Gipfel der Europäischen Volkspartei in Brüssel, März 2016 - von European People's Party (EPP Summit, Brussels, March 2016) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons Angela Merkel auf dem Gipfel der Europäischen Volkspartei in Brüssel, März 2016 - von European People's Party (EPP Summit, Brussels, March 2016) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Die Kandidatin Merkel und der Ritt auf der Rasierklinge

Für den Titel an sich müsste ich schon mal ein paar Münzen ins Phrasenschwein werfen. Aber ich will erklären, warum ich das mit Angela Merkel so sehe. Denn eigentlich ist es gar nicht so schwierig, mir dabei zu folgen. Ich halte das für keine gute, aber für die einzig mögliche Idee für die CDU, mit Kandidatin Angela Merkel in den Bundestagswahlkampf 2017 zu gehen. Die Chefin ihrer Partei ist sie schon mal. Ja, und nun?

Angela Merkel ist es gewohnt, bei der Wahl zum Parteivorsitz Stimmen oberhalb von 90% einzufahren. Dieses Mal sind es „nur“ 89,5% geworden. Ich glaube schon, dass am Ende nicht mehr jeder mit ihrer Politik einverstanden ist. Also in den eigenen Reihen. Viel zu viel ging schief in den vergangenen 12 Monaten. Man traut ihr offenbar nicht mehr in dem Maße zu, die Probleme, die es durchaus gibt, noch so souverän lösen zu können, wie sie es bislang gemacht hat. Ja, dabei blieb sie ungefähr, das weiß ich. Ich will ja hier anknüpfen.

Jetzt laviert sie sich durch die Reden, die man ihr gar nicht so sehr zutraut. Hat sie lange Zeit nichts konkretes zur Vollverschleierung gesagt, betont sie nun, dass man in Deutschland Gesicht zeigt. Und derartige Äußerungen kommen nun zu Tage. Irgendwie kauft man es ihr nicht ab, dass sie nun konkret wird. Wie auch, wenn sie die ganze Zeit lang eher nebulös irgendwas schwadroniert hatte, wie ich oft genug in Kommentaren las? Aber das ist nicht das Hauptproblem.

Das Hauptproblem, das Angela Merkel und damit die gesamte CDU hat, ist schlicht und ergreifend, dass es niemanden gibt, der auf sie folgen könnte. Da schwafelt man gern einen daher, dass die Physikerin zum Weitermachen gezwungen wurde. Das mag sein, aber das hat sie zu einem gehörigen Teil selbst fabriziert, da sie jeden irgendwie weggelobt hatte, der ihr in der Parteispitze gefährlich werden konnte. Die einzige Person, der man das irgendwie jetzt noch zutraut, ist komischerweise Ursula von der Leyen. Weil die irgendwie alles machen kann.

Zumindest denkt das die „Flinten-Uschi“, wie sie genannt wird. Und das ist das Problem: Es gibt schlichtweg keine Führungspersönlichkeiten an der Spitze der CDU, die Angela Merkel irgendwann mal beerben könnten. Ursula von der Leyen erhielt gar Ohrfeigen und verlor kräftig an Zustimmung. Wer soll es also machen? Und genau das ist doch der Ritt auf der Rasierklinge. Überall ist der Begriff „Fall Back Szenario“ bekannt, nur bei der CDU nicht.

Bei einer Exchange Server Infrastruktur gibt es unter Umständen einen „Fall Back Exchange“, der nur dann Verwendung findet, wenn alle anderen nicht verfügbar sind. Vor allem in früheren Versionen der Email-Infrastruktur von Microsoft war dies eine gängige Praxis für „den Fall, dass“. So etwas ist aber innerhalb der CDU überhaupt nicht denkbar. Fast hat es den Anschein, als bestünde die Partei ausschließlich aus der Kanzlerin. Und das ist irgendwie fatal.

Nachdem ihre Flüchtlingspolitik nun über ein Jahr lang eher so ungeplant wirkte und so aussah, als gäbe es keine Frage, dass alle Flüchtlinge hier aufgenommen werden, rudert sie nun zurück. So, wie sie immer mal wieder herum rudert. Altkanzler Konrad Adenauer hätte dazu gefragt: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“, und man denkt sich, dass das auch bei Angela Merkel so durch schimmert.

Keine Frage, sie hat mit ihrer stoischen Ruhe die Problematiken bei der Flüchtlingskrise nicht eskalieren lassen. Aber sie kam einem dabei auch oft genug so vor, als würde sie Scheuklappen tragen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit ihr das die Wähler in einem dreiviertel Jahr verziehen haben. Wenn aber nicht, wer soll denn dann dieses Land führen? Deutschland befindet sich auf einer Rasierklinge. Wir wissen nur noch nicht, wie tief die Schnitte gehen können.

Ich weiß nicht, mir fehlen im politischen Angebot die Alternativen. Die Union wird tot geritten durch Angela Merkel. Die SPD befindet sich mit Sigmar Gabriel im Windschatten. Die Grünen wirken ziemlich orientierungslos. Und die Linken sind momentan nicht immer von der AfD zu unterscheiden. In diesem politischen Spektrum ist möglicherweise Angela Merkel immernoch die beste Option. Aber sicher bin ich mir da ganz und gar nicht.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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