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Die Woche der so genannten #ttipleaks

Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP ist in aller Munde. Jeder glaubt, dazu eine Meinung zu haben. Das ist ja auch okay. Aber was ist denn passiert? Greenpeace hat irgendwelche Dokumente abgeschrieben und diese Mitschriften veröffentlicht. Und wir zerreißen uns darüber die Mäuler. Ist das gerechtfertigt? Ich weiß es nicht. Sie etwa?

Im Geheimen wird da verhandelt, heißt es immer. Es bringt nur Verschlechterungen für Bürger der EU, heißt es. Ich habe gar von mafiösem Gebahren irgendwo gelesen. Und die, die meinen, sich auszukennen, kommen dann mit den berühmten Chlor-Hühnchen um die Ecke.

Da wird schnell mal einer erzählt, dass die USA Europa die Pistole auf die Brust setzen. Und ich sehe die Szene vor mir, wie ein amerikanischer Ganove im Trenchcoat einem Mann mit Baret und Nadelstreifen-Anzug in einem miefigen, verrauchten Hinterzimmer einer Kneipe in Wanne-Eickel eine Pistole an die Mütze hält.

Fantasien ranken sich um TTIP. Und viele denken, dass sie nun durch die Greenpeace-Veröffentlichung im Bilde sind. Ist das so? Kennen wir nun wirklich alle Fakten, sodass wir eine Meinung haben können? Und wenn ja: Wollen wir wirklich darüber entscheiden, ob das Abkommen so kommen soll oder nicht?

Das Problem an der Sache ist, dass es wilde Verhandlungspositionen sind, die da zusammen getragen wurden, aber keine Ergebnisse. Woher wollen wir also wissen, „was uns blüht“? Es gibt ein Angebot und ein Gegenangebot. Beide Seiten haben vermutlich herzhaft darüber gelacht. Und nun wird darüber ernsthaft verhandelt.

In dieser Verhandlung ist kein Platz für Chlor-Hühnchen, für Schwarzwälder Kirschtorte aus Minnesota oder für Tennessee Whiskey aus Wilthen. Da geht es um wesentlich mehr. Um die Autoindustrie, die Agrarwirtschaft, die IT, Banken, Arbeitsplätze und so etwas. Man muss sich da annähern, soll das was mit dem Abkommen werden. Wie beim Kauf eines Gebrauchtwagen. Der Verkäufer will 7000 Euro haben, der Käufer aber nur 3000 ausgeben. Am Ende einigt man sich vielleicht auf 5000 und einen Satz Winterräder.

Klar würde es der Transparenz dienen, wenn mehr und ehrlicher über die Verhandlungen geredet werden würde. Aber da die Verhandler nicht die sind, die den Kopf dafür hinhalten, erfährt man eben auch nicht viel.

Wobei: Die Positionen sind lange bekannt. Eigentlich sind sie nichts anderes als ein zweites ACTA, was gekippt wurde. Man kann das Alles nachlesen. Aber wollen wir wirklich gestelztes Wirtschaftsenglisch auf x-hundert Seiten lesen?

Letztlich müssen wir darauf vertrauen, dass die Leute, die aufgrund der letzten Wahlen agieren, nicht allzu viel kaputt machen. Die Mehrheit würde eh nicht verstehen, worum es geht. Und weil alle Positionen verhärtet sind, dauern die Verhandlungen schon ewig. Ginge es nach den USA, würde das Abkommen pünktlich zur US-Wahl stehen.

Und das bereitet mir Sorge. Nicht die Gerüchte oder das miefige Hinterzimmer. Sondern die Zeit. Denn Trenchcoat und Nadelstreifen-Anzug werden kultiviert miteinander reden wollen. Oder sie lassen es einfach bleiben.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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