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Gesichtspalme #43 – Das nicht stattgefundene Opferfest

This entry is part 43 of 45 in the series Gesichtspalme

Achtung! Im Artikel ist drastisches Bildmaterial enthalten… Der Islam feierte das Opferfest als höchstes islamisches Fest. Und es gibt Gerede darum. Wenn man schon über den Islam – die Bezeichnung stimmt ja schon nicht – irgendwas behauptet, sollte es wenigstens richtig sein. Aber da habe ich so meine Zweifel. Und soweit ich das gesehen habe, scheinen die alles andere als unbegründet zu sein. Das muss ich mal kurz einwerfen.

Jedes Jahr findet die Wallfahrt nach Mekka statt, der so genannte Haddsch. Und an dessen Höhepunkt feiern Muslime das Opferfest. Beim Fest wird des Propheten Ibrahim gedacht. Der soll die göttliche Probe bestanden haben und bereit gewesen sein, seinen Sohn Allah zu opfern. Dieser gebot ihm Einhalt, woraufhin ein Widder geopfert wurde. Tieropfer sind durch diese Überlieferung wohl üblich, aber umstritten. Diverse Gelehrte sehen das Opfer als obligatorisch an, andere halten dies nur für einen etablierten Brauch.

Das geopferte Tier wird mit gezieltem Stich in die Kehle verletzt. Es blutet daraufhin aus. Es handelt sich im Allgemeinen um Paarhufer, wie Ziegen, Rinder oder Wasserbüffel. Das Ganze ist selbstverständlich höchst umstritten. Aber hier fangen die Märchen darum an. Erst einmal reden viele immer von „der Islam“. Das ist ebenso falsch wie „die Christen“. Es gibt unterschiedliche islamische Konfessionen. Und geopfert wird nicht in allen. Und dort, wo geopfert wird, ist das blutige Ritual ebenfalls umstritten, soweit ich las.

Dennoch gibt es Geschichten, dass „die Musels“ mit dem Opferfest „überall die deutschen Straßen verseuchen“. Da werden Geschichten erzählt, dass an exponierten Stellen einfach mal Unmengen von Schafen und Rindern getötet werden, deren Blut dann in Strömen über die Straßen läuft. Und hier möchte ich Ihnen gern einen Tweet zeigen, der mir dabei untergekommen ist:

Ja, das soll Halle-Neustadt sein. Wer Halle-Neustadt kennt, weiß, dass dieser Stadtteil von Halle (Saale) so ist wie Marzahn in Berlin oder Grünau in Leipzig: Ein Plattenbau-Gebiet. Wenn Sie sich überwinden können, noch einmal auf das Bild zu schauen, suchen Sie bitte einmal die Plattenbauten. Sie werden keine finden. Das Foto stammt auch nicht aus Sachsen-Anhalt. Vermutlich stammt es aus Südfrankreich oder sonstwo. Ich fand jedenfalls jede Menge französisch-sprachige Einträge darüber. Und es stammt aus dem Jahr 2010.

Es mag sein, dass es diese Rituale gibt. Aber was der Tweet da behauptet, ist schlicht und ergreifend gelogen. Damit kann man aber wunderbar Stimmung machen. Denn diesen Unfug glauben genügend Leute. Nicht umsonst wurde dieser Tweet unzählige Male weiter verbreitet. Falsch bleibt die Aussage dennoch. Ich kann mir vorstellen, dass dies damit einher geht, dass Muslime sich einen eigenen gesetzlichen Feiertag wünschen und dafür das Opferfest als höchstes Fest ausgewählt werden soll.

Wir dürfen nicht vergessen, dass das Tieropfer lediglich in den muslimischen Konfessionen dargebracht werden, in denen es anerkannt ist. Und wir vergessen auch nicht, dass es Brauch ist, das Fleisch des Tieropfers an Bedürftige abzugeben. Und wir vergessen auch nicht, dass es Opfertiere auch in anderen Religionen gibt. Natürlich kann man über die rituelle Schlachtung diskutieren. Aber ich denke, im Kern geht es um das Fest, nicht um die Schlachtung. Und diese ganzen Märchen des illegalen Schächtens sind einfach mal gelogen. Also hören wir auf, die Muslime allesamt zu verteufeln und Schauplätze nach Sachsen-Anhalt zu verlegen, wo sie eigentlich gar nicht zu finden sind.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Gesichtspalme #43 – Das nicht stattgefundene Opferfest

  1. Ich beobachte schon seit einiger Zeit, wie in sozialen Netzwerken mit Hilfe von Fotos Wahrheiten verdreht und getäuscht werden.
    http://www.mimikama.at/allgemein/der-mll-der-flchtlinge/

    In dem obigen beschriebenen Fall gibt es der Tweederöffner sogar noch offen zu, nachdem er der Täuschung überführt wurde, nur um dann direkt weiterzuhetzen. Auch weitere Hinweise auf diese Bildlüge interessieren ihn und weitere Islam- und Flüchtlingshasser nicht im geringsten. Unglaublich und erschreckend so einen Tweet und seine manipulierende Wirkung zu lesen!

    Um Klarzustellen: Diskussionen in einer freiheitlichen Demokratie müssen möglich sein. Gesetzesverstöße von welcher Seite auch immer sollen geahndet werden. Aber dann sollten auch Verdrehungen und Lüge mit falschen Fotos ebenso geächtet werden.

    1. Das ist richtig. Es muss doch möglich sein, sich über ein Thema auch gern kontrovers auszutauschen, aber trotzdem muss man bei der Wahrheit bleiben.
      Mimikama zeigt gern so etwas. Und ich halte es für wichtig, solche Sachen auf breiter Ebene aufzuzeigen. Es wird sich zwar nicht viel tun, aber es muss gemacht werden.

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