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Russland

Gesichtspalme #43 – Flucht vor Flüchtlingen nach Russland

This entry is part 42 of 45 in the series Gesichtspalme

Reichsbürger setzen sich derzeit nach Russland ab. Wegen all der Thesen, die Reichsbürger nun mal von sich geben. Aber auch wegen der Flüchtlinge in Deutschland. Und was passiert, wenn es mal nicht läuft? Es sind die anderen schuld. Reichsbürger sind ja immer auf dem richtigen Weg. Sie können nicht irren. Seit ein paar Tagen macht eine Geschichte die Runde, bei der man sich eigentlich pausenlos an den Kopf klatschen könnte. Es geht um eine deutsche Familie, die nach Russland geflüchtet ist. Wegen der Flüchtlinge. Passen Sie mal auf.

Reichsbürger zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie die Bundesrepublik Deutschland als Staat nicht anerkennen und stattdessen das Deutsche Reich nach wie vor als existent ansehen. Häufig wird die Judenverfolgung geleugnet. Und sie lehnen die deutsche Rechtssprechung ab. Mitunter sind darunter Impfgegner und all das. Und so eine Familie wanderte mal aus Deutschland aus. Weil es hier so schlecht ist. Die gingen nach Russland. Ja, ausgerechnet. Denn dort – Achtung! – befindet sich die „alliierte Hauptverwaltung der russischen Besatzungszone“. Und da es Reichsbürger-like ja „keine Friedensverträge“ gibt, würde das Gebiet der ehemaligen DDR immernoch der Russischen Föderation unterliegen.

Steil, oder? Aber es geht noch weiter. Sie faseln davon, dass es (natürlich) einen abzulehnenden Impfzwang gäbe, dass „elektronische Fremdkörper“ als „Zwangs-Chipung“ eingesetzt werden würden, das Kinder geklaut werden würden, massiv in die Kindererziehung eingegriffen werden würde und überhaupt massiv enteignet werden würde. Der Bezug zu Vorfahren würde durch Löschung verschleiert werden und die deutsche Kultur vernichtet werden. Deutschland ist also ein ganz, ganz böser Hort des Todes. Oder so.

Die sind also vor Weihnachten 2015 nach Russland aufgebrochen. Denn Russland hat ja angeblich noch alte Kriegsschulden und müsse die Familie aus Mutter, Vater, zwei Kindern und vier Enkeln unterstützen. Erst haben sie sich in einem Hotel eingenistet. Als das zu teuer wurde, zogen sie in einen Kleinbus. Aber dummerweise kam keine Unterstützung von den russischen Behörden. Spendenaufrufe unter anderen Reichsbürgern oder so bei Facebook und Co. blieben auch ungehört. Die Bewegung ist eben eine starke Gemeinschaft, da kommt jeder allein klar. Jetzt machen sie sich also gescheitert auf den Weg.

Aber sie sind ja nicht gescheitert, werden die sich vermutlich denken. Die schlagen sicherlich zu und holen den Endsieg. Oder so etwas in der Art. Aber wo soll das passieren? In Russland jedenfalls nicht. Wo dann? Wieder das höllisch schlimme Deutschland? Ostpreußen? Niederschlesien? Pommern? Das Banat? Vielleicht verschlägt es sie auch zu Colonia Dignidad, wenn sie das Geld für die Überfahrt zusammen kratzen können. Und das ganze Theater, weil sich Deutschland um Flüchtlinge kümmert oder kümmern muss. Es ist unfassbar, was sich diese Menschen denken, finden Sie nicht auch?

Es ist ja das Eine, dass sich erwachsene Menschen mit kruden Thesen auf eine sehr ungewisse Reise einlassen. Es ist aber das Andere, Kinder und Säuglinge gleich mit in Gefahr zu bringen. Da kann man noch so sehr auf das deutsche Sozialsystem mit dem Jugendamt schimpfen, die verantwortungslosen Eltern auch schon mal ihre Kinder wegnehmen. Im Fall dieser Truppe ist das dringend angezeigt. Aber wer weiß, vielleicht haben sie auch nur zu viel von den „Chemtrails“ abbekommen. Oder der Aluhut hat nicht richtig gesessen. Unfassbar, das Alles.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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