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Ioannis Varoufakis, ein Stinkefinger und Günther Jauch

Günther Jauch zeigte in seiner Talkshow am Sonntag den Tatort-Verdauern ein Video mit dem Varoufakis-Stinkefinger und erzürnte damit viele. Der darauf angesprochene griechische Finanzminister beteuerte vor laufender Kamera, dass das Video nicht echt war, dass es getürkt, bearbeitet war. Aber wer glaubt schon einem Finanzminister eines Pleitestaates?

Das Problem an der ganzen Angelegenheit ist nur leider, dass das Video in der Tat getürkt war. Dahinter steckt Neo-Magazin-Macher Jan Böhmermann. Er hat damit das Internet, die Medien, das Volk – und eben Günther Jauch im speziellen – getrollt. Er hat damit der Welt aufgezeigt, dass die Medien oft genug ohne Gegenprüfung aus der Hüfte schießen. Eine Stunde lang zerrte Günther Jauch die aktuelle griechische Regierung „am Stinkefinger“ durch den Schlamm der deutschen Medien, wie man eben einen Tanzbär am Nasenring durch die Manege zieht. Und nichts, aber auch gar nichts war dran an seinem Zorn. Schauen Sie mal:

Was erklärt uns das Ganze? Günther Jauch ist einem Fake aufgesessen. Nicht umsonst ist das beliebteste Hashtag bei Twitter #Varoufake. Was da Jan Böhmermann zusammen getrollt hat, ist sensationell. Er hält den deutschen Medien einfach mal den Spiegel vor: Recherche ist alles. Im Video erklärt er, dass der Fake schnell hätte aufgeklärt sein können, wenn denn nur irgendwer sich mal bei ihm gemeldet hätte. Hat man aber nicht, und so nahm das Alles seinen Lauf.

Böhmermann zeigt somit ein Mediendesaster allererster Güte. Vielleicht nehmen sich nun die Medien wenigstens einmal vor, etwas besser zu recherchieren. Da müssen nicht einfach von irgendwo her irgendwelche Panzer gezaubert werden, um Truppenbewegungen in der Ostukraine zu dokumentieren. Da muss man sich nicht über irgendwelche Tatsachen auskotzen, die vielleicht gar keine sind. Recherche sollte nie unterbewertet werden.

Ich bin da ja als Blogger in einer exponierten Lage. Denn ich kommentiere ja. Ich stürze mich auf das, was ich irgendwo lese und gebe meinen Senf dazu. Und die Inhalte finde ich auch bei unseren lieben Medien. Aber genau deshalb müssen ja Medien tiefgründiger recherchieren. Die brauchen doch eine Rechtfertigung, warum Rundfunkbeiträge eingefordert werden (Öffentlich-rechtlich) oder Unmassen von Werbung gezeigt wird (Privat). Die sagen immer, dass gute Berichterstattung Recherche erfordert, und diese würde ja Geld kosten. Dann recherchiert bitteschön auch. Sonst kommt noch mehr von dieser Art auf euch zu.

Einem Blogger wird gern mal vorgeworfen, nicht genügend recherchiert zu haben. Aber genau das kann man den Medien auch vorwerfen. Nur verweisen Medien immer auf eben diese Recherche, um irgendwelche Kosten zu erklären. Dass die ungenügend im Falle Varoufakis, bei dem sich Jan Böhmermann natürlich entschuldigte, ausfiel, zeigt dieses Video und die Aufregung darum allerbestens auf.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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