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Quinoa-Pflanzen - By Maurice Chédel (Maurice Chédel) [Public domain], via Wikimedia Commons Quinoa-Pflanzen - By Maurice Chédel (Maurice Chédel) [Public domain], via Wikimedia Commons

Quinoa, oder: Reiche Europäer essen den Indios das Essen weg

Seit 5000 Jahren ist Quinoa in den Anden Südamerikas ein Hauptnahrungsmittel. Nun essen es die Europäer den Peruanern weg und schmieren es in die Haare. Die arme Bevölkerung der Hochebenen von Peru, Ecuador und Bolivien müssen sich nun etwas neues zu essen suchen. Denn es ist in den klimatisierten Bio-Läden Mitteleuropas hip geworden, Quinoa zu verkaufen und aufgrund von Unsinn fette Gewinne einzustreichen. Und dann, wenn in den Anden der Hunger endgültig ausgebrochen ist, gucken wir halt betroffen, dann wird alles wieder gut.

Was man nicht alles als Super-Food bezeichnet! Quinoa ist auch so etwas. Das Pseudo-Getreide (denn es ist ja gar kein richtiges) verfügt über hohe Eiweißwerte, hohe Anteile an Phosphor, Kalium und Magnesium und reichlich Vitamin B1. Da die Pflanze diese nahrhaften Senfkorn-ähnlichen Körner hervorbringt und dies die Bergvölker Südamerikas vor ewig langer Zeit mitbekommen haben und damit ihren dauernden Hunger besiegen konnten, gilt sie in den kargen Höhen als Grundnahrungsmittel. Mais und dergleichen kann in diesen Höhen nicht angebaut werden.

Als die spanischen Kolonialherren bei ihren Eroberungen die Inkas und Azteken geschwächt haben, indem sie einfach mal den Anbau von Quinoa und Amarant verboten hatten, brach die erste große Hungersnot in den Anden aus. Ansonsten waren diese Pflanzen in Europa eigentlich vollständig unbekannt. Bis vor reichlich 20 Jahren die NASA auf einmal davon anfing, Quinoa als „neues Getreide“ in den Himmel zu jazzen, mit dem der weltweite Hunger angeblich bekämpft werden sollte. Also nahm man den Bergvölkern Südamerikas Quinoa weg und tat so, als gäbe man es den afrikanischen Steppenbewohnern.

Und allmählich wurde Quinoa zum Super-Super-Food. Europäer kommen auf die Idee, Quinoa zu essen, weil das ja so gesund und gut ist. Ja, das schon, aber nur, wenn es nichts anderes gibt. Für Kleinkinder soll der Verzehr sogar gefährlich sein. Dennoch greifen die Europäer den Bergvölkern auf die Teller und nehmen ihnen ihr Essen weg. In Mitteleuropa gibt es ja kein Getreide. Und was nicht gegessen wird, reibt man sich in die Haare, denn dafür soll ja Quinoa auch gut sein. Hauptsache, der reiche Europäer kann es konsumieren. Es interessiert nicht, was die Leute in den Anden auf dem Tisch haben.

Denen importiert man nun eben die Kartoffel auf den Teller. Tolle Sache, nicht wahr? Aber ich schrieb gerade, dass sich Europäer Quinoa in die Haare schmieren. Das machen die Bergvölker auch. Nur eben nicht Quinoa selbst, sondern das Wasser, womit die Körner gewaschen wurden. Das nämlich enthält die ausgewaschenen Giftstoffe der Schalen. Und die wiederum schützen vor Insekten. Und sie dienen als Seife. In Europa sind ja keine anderen Reinigungsmethoden bekannt, weshalb man in den Badschrank der Bergvölker greifen muss.

Und dann kommen Quinoa-Infoseiten um die Ecke und palavern irgendwas, was sie mit Amazon-Partnerlinks dekorieren. Das heißt, dass Leute auch noch dazu aufrufen, den Bergvölkern das Essen wegzunehmen, und dann auch noch Geld verdienen, ohne den Bergvölkern etwas davon abzugeben. Und es gibt die besten Quinoa-Rezepte und es wird von „gesundem Eiweiß in Hülle und Fülle“ erzählt. Diese Seiten verdienen alle Geld damit, dass die Teller der Völker in den Anden leer sind.

Ach ja, die Kartoffel. Das ist ja die großartige Idee, die man dann hat, um die Teller wieder zu füllen. Das wäre nicht nötig gewesen. Man hätte hier in Europa einfach nicht anfangen sollen, Quinoa derart anzubeten. Denn es ist schlichtweg Unfug, die Körner zu importieren. Es gibt keine Notwendigkeit dafür in Europa. Und wenn man es nicht so anbetet, muss man es den Peruanern auch nicht wegnehmen. Und wenn man es ihnen nicht wegnimmt, muss man ihnen auch keine Kartoffeln liefern. Quinoa gut und schön, aber lasst es doch besser den Bergvölkern.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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