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Ein TV-Übertragungswagen des englischsprachigen, staatlich finanzierten Fernsehsenders "Russia Today" in Moskau - By Jürg Vollmer / Maiakinfo (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons Ein TV-Übertragungswagen des englischsprachigen, staatlich finanzierten Fernsehsenders "Russia Today" in Moskau - By Jürg Vollmer / Maiakinfo (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Staatsmedien oder Russia Today?

Ich bekomme es immer wieder mit, wie irgendwer auf die „gleichgeschaltete Systempresse“ oder „Staatsmedien“ schimpft und sich dann auf „Russia Today“ beruft. Denn dort kommen „die echten Nachrichten“ her. Aber es ist nicht nur „Russia Today“ mit einem solchen Ruf, auch „Sputnik News“ genießt so einen Ruf, die Welt zu zeigen, wie sie wirklich ist. Aber das kann doch irgendwie nicht stimmen, oder?

Gestolpert bin ich darüber, als ich ein Video sah, das ein Interview zeigte, das Ivan Rodionov führte. Gezeigt wurde das Video im Kanal „Ruptly“ auf Youtube. Und also bin ich mal auf die Suche gegangen. Und ich habe ohne Schwierigkeiten festgestellt, wo das Alles eigentlich herkommt. Das Schlagwort über allem lautet „Rossija Sewodnja“ oder richtigerweise eben „Rossija Segodnja“. Und hier wird alles darunter gezwängt. Es handelt sich dabei um ein russisches Medienunternehmen mit dem Hauptsitz in Moskau.

Zum Unternehmen gehört die Marke „Sputnik“. Das ist ein Mediendienst, der dem Auslandsrundfunk „Stimme Russlands“ entsprungen ist. Angeblich würde Sputnik darüber berichten, „worüber andere schweigen“. Dabei wird bei näherem Hinsehen klar, dass es sich um Propaganda handelt. Beobachter schätzen das, was über Sputnik kommt, als Informationskrieg ein. Sputnik selbst redet davon, dass es sich um „alternative Nachrichteninhalte zum Weltgeschehen“ handeln würde. Also „die echten Nachrichten“ oder wie man das auch immer einordnen möchte.

Zum Konzern gehört dann aber auch Russia Today, das inzwischen nur noch „RT“ und im deutschsprachigen Raum „RT deutsch“ heißt. Und daran angeschlossen ist die TV-Agentur Ruptly. Immer wieder bekomme ich Inhalte von „Russia Today“ um die Ohren gehauen. Und dort sehe ich immer wieder die Infrage-Stellung des deutschen Journalismus. Das Problem an der Sache ist aber, dass dieses Konglomerat rund eine viertel Milliarde Euro jedes Jahr aus dem russischen Haushalt bekommt. Das finden Sie sicherlich normal. Aber die ganze Propaganda wird im wichtigsten Krieg, also dem Informationskrieg, gegen „den Westen“ eingesetzt.

Der Gesamtkonzern entstand 2013 durch einen Erlass von Präsident Putin, als „Stimme Russlands“ und die russische Nachrichtenagentur „RIA Novosti“ zu „Rossija Sewodnja“ zusammengeführt wurden. Und allein für den Ausbau des internationalen Geschäfts stehen dem Unternehmen jährlich 263 Millionen Euro aus dem russischen Staatshaushalt zur Verfügung. Das zeigt doch aber, dass der Kreml erkannt hat, dass ein starkes Sprachrohr wichtiger ist als eine Panzerfaust. Mir kommen Dinge bei „Russia Today“ und „Sputnik“ häufig wie pure Westen-kritische Propaganda und Desinformation vor.

So wurde im Herbst letzten Jahres ein schwerer DDOS-Angriff auf das Netzwerk des Konzerns vermeldet. Vorübergehend standen die Webseiten der einzelnen Angebote nicht zur Verfügung. Das Problem an der Sache war aber, dass außer „Russia Today“ und „Sputnik“ niemand über ein solches Manöver berichtete. Ich habe das selbst nachgeprüft. Und da stellt sich eigentlich nur die Frage: Ist das Alles wirklich passiert?

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass hier die Sprachrohre zu einem gigantischen Propaganda-Apparat zusammengezogen wurden. Das Alles wird durch den Kreml finanziert und gelenkt und gesteuert. Kreml-kritische Berichterstattung findet nicht statt, stattdessen Berichterstattung, in welcher „der Westen“ nicht sonderlich gut wegkommt. Und so etwas nehmen deutsche Medienkritiker als Quelle her, um die angeblichen „Systemmedien“ zu beschimpfen? So etwas wie „Russia Today“ sind „echte Nachrichten“ oder so? Kommt, lasst es gut sein.

Zur eigenen Recherche beginnt man vielleicht hier und klickt sich durch die einzelnen Links durch. Mir geht es einfach auf den Geist, hiesige Medien als „Systemmedien“ zu beschimpfen und diesen russischen Medien-Propaganda-Sumpf als „unabhängige Berichterstattung“ einzustufen. Aber das ist ja völlig irrelevant, oder?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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