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VW Passat B8 Limousine 2.0 TDI Highline - By TD (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons VW Passat B8 Limousine 2.0 TDI Highline - By TD (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Volkswagen: Anstand bescheißt nicht

Ohne Frage, es war eine Meisterleistung der Ingenieure, dass Autos von VW merken, wenn sie untersucht werden. Und damit hat VW beschissen. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber es war nun einmal ein gigantischer Beschiss. Denn die Autos haben ihre Leistung gedrosselt, wenn sie gemerkt haben, dass sie untersucht werden. Und wenn die Leistung gedrosselt wird, werden auch weniger Schadstoffe ausgestoßen. Damit sollen die Abgas-Untersuchungen in den USA bei 11 Millionen Autos des Konzerns bessere Ergebnisse erzielt haben. Und damit wurden die Tester übers Ohr gehauen. Das ist unanständig, das macht man nicht. Obwohl es eine großartige Leistung war, aber das ist Beschiss.

Ausgerechnet Volkswagen!

Das hört und liest man quasi seit Sonntag-Abend oder Montag-Morgen. Der Konzern, der immer als Saubermann galt, hat bei 11 Millionen Diesel-Autos mithilfe der eingebauten Software die oben beschriebene Drosselung herbeigeführt. Die Manipulation lief in etwa so ab, dass ein Fahrzeug gemerkt hat, wenn es eine Abgasuntersuchung erlebte. Dann nämlich wurden nur die Antriebsräder bewegt. Warum sollte da die Elektronik mehr Leistung anfordern? Deshalb hat die Software mal eben gedrosselt. Das fiel jetzt Prüfern in den USA auf.

Man führt ja solche Untersuchungen seit der ganzen Elektronik im Auto Abgasuntersuchungen so durch, dass das Datenkabel zum Computer auch gleich mal Abgaswerte transportiert. Da ist nichts mehr mit einem Prüfer, der da ins Auto hinein krabbelt. Tja, und Prüfer in den USA haben dann eben mal mit Sonden hantiert und erhebliche Unterschiede zu den ausgelesenen Daten aus dem Bordcomputer festgestellt. So flog das Ganze auf. Und das ist bei einem Konzern wie Volkswagen, der das Image des rechtschaffenen Familienbetriebs mit sich herumträgt,der größte Unfall.

An den Börsen wird derzeit die VW-Aktie geschreddert. Gestern um die 20%, heute um die 20%. Das macht doch so etwas von um die 40% aus, was die Aktie verloren hat. Es war irgendwie die Rede davon, dass gestern der Konzern um die 20 Milliarden Euro an Wert verloren hat. Heute vielleicht nochmal 16. Und es drohen Strafzahlungen von um die 20 Milliarden Euro. Und man weiß nicht, welche Langzeitfolgen dieser Beschiss hat. Wer weiß, vielleicht werden weniger Autos dem Konzern abgekauft?

Wer einen Neuwagen kauft, der legt vielleicht um die 30000 Euro auf den Tisch. Wer so viel Geld hinlegt, der bringt einem Hersteller Vertrauen gegenüber, dass der gute Arbeit geleistet hat. Was wird nun passieren, nachdem Volkswagen in so großem Stil betrogen hat und Werte manipuliert hat? Wird sich Volkswagen von diesem gigantischen Schaden erholen? Und wie soll das denn passieren? Vertrauen ist eine Sache, die man nicht kaufen kann.

Und vor allem: Welche Auswirkungen hat das auf andere deutsche Unternehmen? Wirft das einen Schatten auf andere Unternehmen, so dass man eventuell denken könnte, dass die deutsche Wirtschaft an sich nur am Bescheißen ist? Ist das alles, womit man Vorsprung erreicht als deutsches Unternehmen? Jedenfalls kann diese Sache durchaus große Auswirkungen auf das eh schon angekratzte „Made in Germany“ haben. Und das wäre schon sehr fatal.

Ausführlich ist die Abgasmanipulation hier beschrieben. Und das wird alles noch erweitert. Je nach dem, was noch passiert. Man darf sich jetzt aber getrost die Frage stellen, ob denn andere Hersteller nicht auch bescheißen. Und ich glaube, diese Frage kann man getrost mit einem zünftigen „Ja“ beantworten. Hier sind es „nur“ Abgaswerte. Aber wer weiß, vielleicht ist es woanders die Bremswirkung oder so etwas. Und wie ist das mit der geplanten Obsoleszenz? Das Vertrauen ist kaputt, und das ist eigentlich das Traurige an dem Skandal.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 Gedanken zu „Volkswagen: Anstand bescheißt nicht

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