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Alte Bücher - (C) jarmoluk CC0 via Pixabay.de Alte Bücher - (C) jarmoluk CC0 via Pixabay.de

Von treudoofen Objekten des Staatshandelns

Ich kann es noch nicht richtig einordnen. Aber was wäre denn, wenn die deutsche Bildung von Russland aus torpediert worden wäre? Also zumindest die des Ostens? So wird es zumindest behauptet. Und es wird ziemlich eindrucksvoll beschrieben. Aber ist das so? Befinden wir uns schon um die siebzig Jahre lang auf der „Farm der Tiere“? Oder wie ist das einzuordnen? Aber es geht nicht nur um die deutsche Bildung, auch um die osteuropäische. Schauen wir mal.

Ich halte viel von Publikationen, die auch mal etwas hinterfragen. Das sind dann auch solche Publikationen, die den Leser zum selbständigen Denken anregen sollen. Allerdings kann man bei solchen Sachen auch schnell mal in die Versuchung kommen, dass man denkt, dass das Alles ziemlich verschwurbeltes Zeug ist. Aber ist das so? Wie schnell urteilt man, dass ein Text eine Verschwörungstheorie ist? Nur weil von „treudoofen Objekten des Staatshandelns“ die Rede ist? Das wäre mir zu einfach.

Da ist die Rede von einem russischen Politiker, der zur Stalin-Zeit sehr einflussreich war. Lawrenti Beria war ab dem Jahr 1938 Chef der russischen Geheimdienste. Er war irgendwie eine der zentralen Personen der sogenannten Stalin-Säuberungen. Er war an Massakern und Deportationen beteiligt oder dafür verantwortlich. Und er führte die Gewaltexzesse seines Vorgängers Jeschow fort. Aber was bitte hat das Alles jetzt mit der Bildung zu tun?

Beria soll eine Direktive verfasst haben, in der es heißt, dass die Lehrer, die wertvoll sind, von den Grundschulen, Hochschulen und Universitäten verschwinden sollen und durch solche ersetzt werden sollen, die mehr schlecht als recht irgendwelche halbgares Zeug vermitteln. Das sollte 1947 im gesamten damaligen „Ostblock“ durchgesetzt werden. In englischer Sprache wird hier daraus zitiert. Die komplette angebliche Direktive ist – auch wieder in englischer Sprache – hier zu lesen.

Das Problem an der Sache ist: Offiziell ist nichts darüber bekannt. Wo kommt das also her? Betroffen von der Direktive war die Sowjetunion und deren neu angegliederte Staaten des Baltikums und derartiges, sowie alle Staaten des Warschauer Paktes. Alle Schüler des „Ostblocks“ sollten zu halbdummen Menschen erzogen werden und auch entsprechende Bildung erfahren. So wird es erzählt. Ist das eventuell der Grund, dass in Deutschland als „Land der Dichter und Denker“ keine solchen bahnbrechenden Innovationen wie selbstfahrende Autos entstehen?

Ich weiß, was uns in der „polytechnischen Oberschule“ in der DDR beigebracht wurde. Wir wurden zu nützlichen Teilen der sozialistischen Gesellschaft erzogen. „Unsere Heimat: Das sind nicht nur die Städte und Dörfer“ wurde gelehrt. Die Pionier-Geschichten und -Lieder waren voll von Traktoristen, Maschinisten und Genossen. Eine Welt westlich des Harzes gab es nicht. Und wenn, dann war das Alles die pure Hölle. Stellen Sie sich vor! In der DDR taumelten die Schüler nach der Schule in die Lehre und von dort in einen volkseigenen Betrieb. Im bösen Westen musste man sich das hart erarbeiten und half dem Unternehmer beim Vergrößern des Profits.

Aber war das Alles vom sowjetischen Geheimdienst „befohlen“ worden, so etwas zu unterrichten? Mag sein. Nachdem sich Deutschland wieder vereinigt hatte, wurde dem Neubundesländer vielerorts klar, wie viel Propaganda da gedroschen wurde. Aber war das Alles sowjetisch diktiert? Möglich. Ich habe Schwierigkeiten damit, das Alles einfach so hinzunehmen. Natürlich stand die DDR unter der Fuchtel der UdSSR. Aber wo immer ich schaue: Ich bringe Beria mit einer solchen Direktive zur Bildung nicht zusammen. Mit Massakern und dergleichen schon.

Am Ende waren wir schon in den Augen der DDR-Staatsführung treudoofe Objekte. Und das passte der Sowjetunion schon ziemlich gut in den Kram. Aber mir fehlt letztlich die Verbindung zu den Massakern, die Beria angelastet werden. Aber vielleicht sehe ich das auch einfach zu kritisch. Immerhin liest sich hier einiges etwas anders. Was meinen Sie?

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

2 Gedanken zu „Von treudoofen Objekten des Staatshandelns

  1. In der DDR Schule haben wir noch lesen rechnen schreiben gelernt.
    Die heutige Generation hat da so Ihre Schwierigkeiten mit.
    Sieht man tagtäglich in den Social Media.
    Zu mehr als Smileys und Gossenslang sind viele nicht fähig.

    1. Stimmt, das ist nicht ganz falsch. Das merke ich auch daran, wenn meine Tochter übers Wochenende bei mir ist. Die Schüler heutzutage rechnen so völlig anders. Irgendwie sieht das aus wie eine völlig andere Welt.

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