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Wie geht es weiter mit der VG Wort?

Es ist desaströs, was man so über die Verwertungsgesellschaft Wort hört. Das beschäftigt mich dahingehend, weil ich ein dort registrierter Autor bin. Ich hatte ja gedacht, dass ich mich damit finanzieren kann und irgendwie künftig auf Werbeeinblendungen und Co. verzichten kann. Aber was so der mediale Blätterwald über die Verwertungsgesellschaft der schreibenden Zunft erzählt, wirkt so, als ob ich mich perspektivisch wieder davon verabschieden werde. Darum die Frage: Wie geht es weiter mit der VG Wort?

Was ist die Verwertungsgesellschaft Wort?

Ich höre ja vieles, was so über die VG Wort erzählt wird. Als ich mich dort als Autor registriert hatte, stellte man mir gar die Frage, wieso ich jetzt dieser Halsabschneider-Sekte anschließen würde. Man nimmt eigentlich nur wahr, dass die VG Wort von allem und jedem irgendwie Geld einsammelt und dieses dann über Autoren auskippt. Aber was macht diese Verwertungsgesellschaft?

Es werden Zweitverwertungsrechte verwaltet. Vielmehr die Tantiemen daraus. Zweitverwertungsrechte sind Rechte, die jemand hat, um ein Werk auch verbreiten und vervielfältigen zu können. Die Kopie ist so ein Beispiel. Die Hersteller von Kopierern müssen das Recht haben, die technische Möglichkeit zur Vervielfältigung zur Verfügung zu stellen. Bei Musik ist es auch so: Wird eine CD hergestellt, ist das die Erstverwertung. Die Zweitverwertung wäre dann eine Zusammenstellung wie etwa die Bravo Hits.

Jedenfalls müssen dafür Rechte vorliegen. Diese müssen gekauft werden. Es werden dafür ergebnisabhängige Vergütungen fällig. Die nennt man Tantiemen. Wenn zum Beispiel die hiesige Regionalzeitung einen Blogartikel von mir veröffentlichen möchte, muss sie mit mir über die Zweitverwertung einen Vertrag schließen. So müsste ich das mit allen möglichen Organisationen machen. Das kann ich aber auch auslagern. Der Kopierer-Hersteller, die Tageszeitung, die Scanner, was auch immer: Die haben alle Verwertungsverträge mit einer Verwertungsgesellschaft, und die Tantiemen werden über diese eingesammelt.

Urheber ist nicht gleich Verleger

Bisher war es so, dass Journalisten zwar die Autoren und damit die Urheber der Zeitungsartikel waren, die Verleger aber seltsamerweise auch. Die VG Wort darf die Verleger allerdings nicht mehr als solche ansehen, weil die verlegerische Leistung eben keine Autoren-Leistung ist. Ausbezahlte Tantiemen müssen zurück gefordert werden und den Autoren ausgeschüttet werden. Ich finde das gut und richtig, spreche aber den Verlagen nicht die Leistung ab. Aber sie sind eben keine Autoren, wie es auch gerichtlich entschieden wurde.

Die Verwertungsgesellschaft hatte aber nicht etwa die Autoren gestärkt, indem gesagt wurde, dass nun endlich Klarheit geschaffen wurde. Nein, es begann eine wilde Fingerzeig-Aktion. Alle waren sie nach den Worten der VG Wort böse. So konnte man zumindest das Veröffentlichte verstehen. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Die Berechtigten auf Ausschüttungen sind Autoren. Und Verleger sind in den seltensten Fällen Autoren, sondern Verleger. Autoren sind Urheber, also Personen. Verleger sind Leiter von Verlagen, die ja Unternehmen sind. Daher haben Verlage keinen Anspruch.

Quo vadis, VG Wort?

Es fand eine medial begleitete Mitgliederversammlung der VG Wort statt. Nach stundenlanger Tagung war man allerdings dieser Tage in München nicht weiter als vorher. Es wurden jahrelang unzulässig Tantiemen an Verlage ausgezahlt, die zurückgefordert werden müssen. Aber man fand keinen Konsens darüber, wie das geschehen soll. Kunststück, sind ja Verlage momentan auch noch Mitglieder in der VG Wort. Es ist ein Drama, was sich um die fast sechzig Jahre alte Organisation entsponnen hat. Und niemand weiß, wie der gordische Knoten gelöst werden kann.

Ist es der Anfang vom Ende der VG Wort? Es war ja nicht alles schlecht. Denn die Verlegeranteile wurden dem Reden nach in die Weiterbildung gesteckt. Und deshalb gab es großen Streit darüber, ob denn die Verlage überhaupt zur Rückzahlung aufgefordert werden sollen. Es gab verschiedenste Anträge, über die abgestimmt werden sollte. Allerdings aufgrund der Kürze der Zeit mit nicht juristisch prüfbarem Inhalt. Das wirkt irgendwie, als ist bei der VG Wort das pure Chaos ausgebrochen.

Und ich?

Und wie das eben so ist, wenn eine gesamte Organisation eher nur chaotisch wirkt: Man fragt sich da, wie weit man dieser Verwertungsgesellschaft da noch über den Weg trauen kann. Und da ich ein sehr bedachter Mensch bin, stelle ich leider inzwischen infrage, ob meine Zukunft tatsächlich mit der Verwertungsgesellschaft gestaltet wird. Ich meine, ich hatte stolz verkündet, Autor zu sein. Und dann konnte ich für das vergangene Jahr lediglich einen Artikel einreichen, obwohl mir jede Statistik andere Werte lieferte. Und demnach bekomme ich auch nur für diesen einen Artikel Tantiemen. 20 Euro.

Mir ist so vieles mit der VG Wort nicht mehr klar. Und das trotz des Aspekts, dass ich Dokumentenberge durchgearbeitet habe. Ich bin an keinen Verlag gebunden. Warum sollte es mich daher interessieren, wo ein Verlag bei der Ausschüttung der Tantiemen bleibt? Mir geht es um die ganzen Autoren. Das Durcheinander, was da in München zusammen gerührt wurde, führt jedenfalls nicht dazu, dass man in der VG Wort etwas seriöseres sieht als eine undurchsichtige und nutzlose, sektenartige Organisation.

Ich habe nichts davon, wenn ich jetzt irgendwas vorschnell entscheide. Chaos wie bei der Rückforderung der Tantiemen führt aber nicht dazu, dass ich der VG Wort besser über den Weg traue. So, wie sie sich in letzter Zeit darstellt, fällt mir halt nur das eingangs erwähnte Adjektiv ein: Desaströs. Und das ist alles, was es in meinen Augen dazu zu sagen gibt.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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