100 Jahre Attentat von Sarajevo

Erzherzog Franz Ferdinand wurde heute vor 100 Jahren ermordet. Er besuchte Sarajevo, die berühmte Stadt auf dem Balkan. Und dieses Attentat gilt als Auslöser für eine große Krise, die man „Julikrise“ nennt. Und das war dann schließlich der Auslöser für den ersten Weltkrieg, 1914.

Ich bin eigentlich nicht sonderlich versessen auf Geschichte. Aber dieses Thema muss ich kurz beleuchten. Denn im Zuge der Krise in der Ukraine erinnert man sich derzeit an das, was in Sarajevo passiert ist. Damit da nicht doch noch eine größere Eskalation passiert, sollte man vor solchen Ereignissen, wie sie im großen Reich Österreich-Ungarn geschehen sind, warnen.

Franz-Ferdinand war mit seiner Frau von einem Besuch Kaiser Wilhelms unterwegs nach Sarajevo, um ein Manöver seiner Truppen zu beobachten. Er wurde dazu für den 28. Juni von Statthalter Oskar Potiorek eingeladen. Am 28. Juni ist der Veitstag, der für Serben ein großes Symbol ist.

Im Vorfeld des Attentats gab es eine Verschwörung gegen die österreichische Monarchie. Geplant war das Attentat seit dem Frühling 1914. Der Thronfolger wohnte in einem Badeort südlich von Sarajevo. Am 28. Juni fuhr man mit dem Zug bis zur Stadtgrenze Sarajevos, von wo aus Leute aus dem Kreis der Monarchie die Stadt immer besuchten. Der Weg zum Rathaus für Franz-Ferdinand und Gemahlin konnte allerdings nicht ausreichend abgesichert werden, weil – wie oben erwähnt – zeitgleich ein Manöver stattfand.

Auf dem Weg wurden dann Geschosse geworfen, die allerdings vorerst dem Thronfolger nichts anhaben konnten. Das Attentat war dann in vollem Gang. Es war gut vorbereitet, und diverse Teilnehmer waren bestens untereinander vernetzt. Es handelte sich um Militärgrößen. So gelangte man an Bomben, Zyankali und dergleichen.

Auf der Lateinerbrücke, mitten in Sarajevo, wurde Franz-Ferdinand schließlich beschossen. Während des Beschusses wurde seine Frau Sophie getroffen und verblutete unmittelbar danach. Ein zweiter Schuss traf den Erzherzog in den Hals. Trotz Rettungsversuchen seines Gefolges starb er wenig später. Die Attentäter hatten ihr Ziel erreicht.

Nach unzähligen Konsultationen in Wien, unter anderem mit dem deutschen Kaiserreich, wurde dieses Ereignis schließlich als Vorwand für einen regional geplanten Militärschlag gegen Serbien hergenommen. Man provozierte förmlich einen Krieg gegen das Balkan-Land. Die Julikrise war im vollen Gang.

Es gab Erklärungen Serbiens und von der K & K Monarchie Österreich-Ungarn, die jedoch von beiden Seiten nicht akzeptiert wurden. Österreich-Ungarn erklärte dem Balkanland den Krieg, und somit begann am 28. Juli – einen Monat nach dem Attentat auf Franz-Ferdinand – der erste Weltkrieg.

Was vor hundert Jahren stattfand, ist sehr ausführlich in der Wikipedia beschrieben. Im Zuge der Berichterstattung zur Krise in der Ukraine kam es häufig zu Befürchtungen von Beobachtern, dass diese aktuelle Krise viele Parallelen zu Österreich-Ungarn vor hundert Jahren bietet. Und es wurde immer wieder die Sorge geäußert, dass die Krise zu einem neuen Weltkrieg eskalieren kann.

Die Gefahr besteht immernoch. Sie kennen die Berichterstattung. Ich bin mir auch nicht im Klaren darüber, inwieweit da nicht doch noch der wirkliche Höhepunkt bevorsteht. Denn bei den gegenwärtigen Aktionen könnte jederzeit die Lage umkippen und zum ernsthaften Krieg führen.

Ob es nun die von Russland annektierte Krim ist, ob es die abtrünnigen ukrainischen Ostgebiete sind, ob es die Ultimaten sind, die aus dem russischen Kreml immer wieder ausgesprochen werden – Es gibt viele Parallelen. Die Lage ist sehr instabil. Und nachdem sich immer mehr Staaten einmischen, ist die Gefahr eines Krieges, der weitreichender als gedacht werden kann, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Da kann Poroschenko Waffenruhen ausrufen, so viel er will. Russland hat der Ukraine ein Ultimatum gestellt, dass diese die Lage im ukrainischen Osten weiter entspannen soll. Die EU spricht Russland ein Ultimatum aus, dass Russland an einer ernsthaften Lösung interessiert sein soll. Und derweil halten die Schusswechsel immer weiter an.

Die Gefahr, dass es im europäischen Südosten zu einer weiteren Verschlimmerung der Lage kommt und schließlich die Lage umschwappt, die ist durchaus gegeben. Und die Parallelen zur Julikrise 1914 sind eben zu sehen. Hoffen wir mal, dass es nicht zum Krieg kommt. Aber ausgeschlossen werden kann er eben nicht.

Bildquelle: Princip-Brücke in Sarajevo. Schauplatz des Attentats auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand, das den Ersten Weltkrieg auslöste – By Baumi [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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2 Kommentare

  1. Den Hauptunterschied zu damals, den ich sehe und der mir Hoffnung macht: Damals galt Krieg als probates Mittel, um politische Probleme zu lösen, und in vielen Königshäusern herrschte der Wunsch, es den Erbfeinden endlich einmal heimzuzahlen. In der heutigen Politik gilt das nicht mehr. Krieg ist unpopulär, man versucht gemeinhin, ihn zu verhindern. Und die Herrschenden von heute haben hoffentlich aus der Julikrise 1914, aus dem Kalten Krieg und der Kubakrise gelernt und haben deswegen auf dem Schirm, welchen Flächenbrand jeder falscher Schritt auslösen könnte.

    Allerdings hat wohl auch niemand der Herrschenden 1914 geahnt und gewollt, dass ein solcher Flächenbrand daraus wird. Man kann nur hoffen, dass man heute besonnener taktiert und nicht jemand aus Versehen einen Schritt zu weit geht. Ich bleibe optimistisch, aber die Gefahr besteht natürlich nach wie vor. Und sollte es zu einem großen Konflikt kommen, wird es letztlich egal sein, wer den entscheidenden Schritt zu weit gegangen ist. Dann haben wir die „Bescherung“, so oder so.

    1. Hallo und danke für diesen umfangreichen Kommentar.

      Ja, die Zeichen stehen etwas anders. Man holt nicht den bis an die Zähne bewaffneten Löwen aus dem Käfig, sondern droht erst einmal nur. Im Moment, so sieht es zumindest für mich aus, kommt jeder, der gefragt wird oder eine wichtige Stimme darstellt, und verhängt Sanktionen oder droht damit. Ich höre und lese immer, dass die Politik konsequent sein muss. Allerdings stelle ich mir die Frage, wer die letzte Sanktion verhängen will. Denn irgendwann ist kein Land mehr empfänglich für Sanktionen.

      Der 1. Weltkrieg war verheerend. Die Opferzahlen des 2. Weltkriegs wurden zwar nicht erreicht. Aber die Verwüstungen waren in meinen Augen fast noch größer, weil die Welt nicht darauf eingerichtet war, was ein maschineller Krieg bedeutet. Sollte es wirklich zu einer Wiederholung kommen, was niemand hoffen mag, wäre die Kriegsart wohl eine atomare.

      Ja, momentan scheut man sich vor der Endkonsequenz. Davor hat man sich auch lange Zeit vor dem 1. Weltkrieg gescheut. Schlussendlich brauchte es nur eine entsprechende Lunte, und das war damals das besagte Attentat. Ich vermute, dass die Lunte im aktuellen Konflikt noch nicht gelegt, also erst recht nicht gezündet wurde. Hoffen wir mal, dass es dabei bleibt.

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