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Arbeitsmarkt: Durch Schönrechnerei nicht arbeitslos

Es ist eine Krux mit den Statistiken. Man kann sie drehen und wenden, wie man will. Man kann einfach mal andere Berechnungsmodelle einführen und sich an den dann positiven Zahlen erfreuen. So auch die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

Bundesagentur für Arbeit - von Nicohofmann (Eigenes Werk) - CC-BY-SA-3.0 oder GFDL, durch Wikimedia Commons
Bundesagentur für Arbeit - von Nicohofmann (Eigenes Werk) - CC-BY-SA-3.0 oder GFDL, durch Wikimedia Commons

Die Überschrift ist nicht als Witz gedacht. Es gibt tatsächlich tausende Bürger, die zwar keiner Arbeit nachgehen (können), aber trotzdem nicht als arbeitslos geführt werden. Das ist auf eine Rechenspielerei zurückzuführen, die die damalige Große Koalition 2008 getätigt hatte. Und die geht so:

Ist jemand mindestens 58 Jahre alt und bezieht er bedauerlicherweise mindestens 12 Monate Arbeitslosengeld II (Hartz IV), ohne dass er ein Jobangebot angeboten bekommen hat, gilt er nicht mehr als arbeitslos (derzeit etwa 100000 Leute). Dieser Jemand taucht dann nur noch in einer so genannten Unterbeschäftigtenstatistik auf, die meist gar nicht in den Schlagzeilen auftaucht.

In dieser Statistik werden auch die vielen Ein-Euro-Jobber und die Erwerbslosen in Weiterbildung aufgeführt. Das sind alles Menschen, die zwar keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, aber trotzdem unverständlicherweise nicht als arbeitslos geführt werden. Die Unterbeschäftigtenstatistik führte im November über 3,8 Millionen Menschen auf.

Brigitte Pohmer, Arbeitsmarktexpertin der Grünen, redet nun davon, dass eine ehrliche Arbeitsmarktstatistik kommen müsse. Man solle ältere Arbeitslose nicht aus dem Blick verlieren, nur weil sie nicht in der Statistik auftauchen. Löblich, diese Meinung. Jedoch denke ich, wenn die Statistik ehrlich sein soll, dann dürfte kein Erwerbsloser in dieser nicht auftauchen.

Was macht denn eigentlich die Bundesagentur für Arbeit mit all denen, die aufgrund von Dumpinglöhnen und befristeten Arbeitsverhältnissen sofort bei Jobverlust in Hartz IV rutschen? Durch beide Gesichtspunkte wird es nämlich immer schwieriger, Arbeitslosengeld I zu erhalten, weil die Bedingungen schlichtweg nicht erfüllt werden können. Verschiebt man diese Leute auch einfach mal – wie in einem Arcade-Spiel – in eine andere Statistik, weil man die eigentliche Arbeitsmarktstatistik fein sauber haben möchte? Ich denke, hier muss ein Umdenken erfolgen, und zwar zugunsten von mehr Ehrlichkeit.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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