Bewerber-Wertschätzung bei Aldi

Als Arbeitsloser möchte man meistens wieder in den Arbeitsmarkt zurück. Man möchte sich zu etwas nutze fühlen. Sicher gibt es unter den Arbeitslosen auch Kandidaten, die dies anders sehen und sich in ihrer Arbeitslosigkeit eingerichtet haben. Aber der größte Teil möchte an seiner Situation etwas ändern.

Wie gut, wenn man dann von dem Unternehmen, bei dem man sich beworben hat, auch eine gewisse Wertschätzung erfährt. Bei Aldi hat diese eine besondere Qualität.

Aldi ist ein recht großer Arbeitgeber in Deutschland. Der Großraum Leipzig wird von der “Aldi GmbH & Co. Beucha KG” verwaltet. Bewirbt sich also ein Leipziger bei Aldi, bewirbt er sich in Beucha, östlich von Leipzig auf dem Land gelegen. Und welche Wertschätzung dem Bewerber dort entgegen gebracht wird, habe ich jetzt bei meiner Lebensgefährtin gesehen.

Die Bewerbermappe wurde zurückgeschickt, was schon einmal positiv zu werten ist. Aber damit hat es sich auch.

Das Begleitschreiben ist in zartem Schwarzweiß gehalten. Es enthält zweimal die Absender-Adresse, aber keine Empfänger-Adresse. Betitelt ist das Schreiben mit “Ihre Bewerbung”. Angesprochen wird nicht meine Lebensgefährtin, sondern “Sehr geehrte/r Bewerber/in”.

Lapidar sind dann einige Worte zusammengefasst. Man liest weiter von der Bitte um Nachsicht, dass es sich um ein Standardschreiben handelt, um die “Vielzahl von Bewerbungen” zu handhaben.

Man findet noch zwei Unterschriften im gleichen zarten Schwarzweiß wie der Rest des Schreibens und ist am Ende des Blattes.

In Zeiten der elektronischen Datenverarbeitung ist Aldi also immernoch vorsintflutlich unterwegs. Ich kritisiere hier nicht die Verwendung von Standardschreiben. Aber kann dann nicht ein Serienbrief wie in jedem Office-Programm verwendet werden? So hätte man die Empfängeradresse eintragen können und die Empfängerin persönlich ansprechen können.

Dies bedeutet nur einen geringen Arbeitsaufwand von weniger als 2 Minuten und zeigt eine Wertschätzung für die stundenlange Arbeit, die sich Bewerber für die Bewerbung bei Aldi gemacht haben.

So hat man halt ein vorgefertigtes Papier auf den Kopierer gelegt und die Kopie der – wahrscheinlich ungeprüften – Bewerbermappe beigelegt. Dies hat für meine Begriffe nichts mit gutem Umgang mit Bewerbern zu tun. Es hat den Anschein, als ob Aldi nicht begriffen hat, dass ein Bewerber – auch ein arbeitsloser Bewerber – eine gewisse Menschenwürde hat. Diese Kopie ist kaum das Papier wert, das verwendet wurde.

Lieber Aldi-Konzern, Sie brauchen sich keine Mühe weiter zu geben. Meine Lebensgefährtin hat mittlerweile einen Arbeitsplatz und ist nicht mehr auf Sie angewiesen. Zukünftige Bewerbungen sollten Sie aber mit mehr Wertschätzung beachten als die Ihnen zugegangene. Die Gefahr, keine geeigneten Bewerber mehr zu finden, ist sehr hoch.

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