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Blasphemie oder Satire?

Ich wollte mich eigentlich nie dem Treiben der Kirche widmen, da ich mich nicht tiefgründig genug mit dem Thema Glauben und Kirche auseinandergesetzt habe. Allerdings wurde ich auf eine Diskussion auf kath.net aufmerksam, die nicht unkommentiert bleiben darf.

Es handelt sich um das Titelbild der letzten Ausgabe des Satiremagazins “Titanic”, das deutschlandweit für Aufschrei, Beschwerde und Protest sorgt. Und ich möchte hier der Frage nachgehen, ob hier wirklich von Blasphemie geredet werden kann, wenn hier ein Satiremagazin angeprangert wird.

Titanic - Kirche heuteNebenan sehen Sie das corpus delicti, wenn es denn überhaupt eins ist. Das Protal kath.net schreibt von “unüberbietbarer Besudelung”, n-tv.de schreibt von 120 Beschwerden, die Nürnberger Nachrichten zeigen gar ein völlig verfremdetes Bild des Titels.

Der Chefredakteur von Titanic, Leo Fischer, versteht den Protest nach eigener Aussage nicht. Gezeigt werde ein Priester, der sich demütig dem Gekreuzigten nähert – “zum Zweck der Anbetung oder der Reinigung”, sagte Fischer auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Angeblich soll vor der aktuellen Missbrauchsdiskussion dieses Bild die Notwendigkeit zur Reinigung der Kirche symbolisieren.

Die Titanic selbst hat zahlreiche Anrufe erhalten, teils nachdenklich, teils mit dem Hinweis, dass eine sexuelle Handlung zu erkennen sei. Hier gibt sich die Redaktion schockiert. Leider fehlte aber von der Kirche jegliche Reaktion dem Magazin gegenüber.

Das Satiremagazin hat in der Vergangenheit häufiger Proteste und Diskussionen ausgelöst und wurde mehrfach verklagt. Zuletzt sprach der Presserat Anfang März eine öffentliche Rüge aus: Die “Titanic” hatte online einige Cartoons zum Selbstmord des Fußballtorwarts Robert Enke veröffentlicht; diese verstießen nach Meinung des Selbstkontrollgremiums der Presse gegen die Menschenwürde.

Aus diesem Grund sollte die Diskussion durchaus hinterfragt werden.

Was ich hierbei allerdings übertrieben finde, sind Diskussionsbeiträge wie: Solche Menschen sind die gleichen Menschen, die in den gottlosen Diktaturen der Nazis und Kommunisten bedingungslos mitgemacht hätten, da sie keine Moral kennen wenn es um den persönlichen Erfolg geht. Die Redakteure der TITANIC zum Beispiel begehen die Sünde der Blasphemie, nur damit sich ihr tolles Schundblatt noch mehr verkauft. Oder: Ich hoffe, diese Atheisten-Titanic versinkt bald auf den Boden der Bedeutungslosigkeit! Oder etwa: Unter dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus sind unzählige Christen, (und Juden), verfolgt, gedemütigt und in den KZts umgebracht worden. Das waren aber gottlose Diktaturen. Doch nicht einmal die haben es gewagt den christlichen Glauben auf so perverse Art zu besudeln, wie die Macher von “Titanic”.

Ich kann ja die Meinungen durchaus verstehen. Aber es ist eben “nur” ein Satiremagazin. Und so finden sich eben auch Kommentare wie: Wären Sie mal bei Missbrauchsvorwürfen auch so schnell beim Staatsanwalt gewesen und hätten die entsprechenden Paragraphen rausgesucht, dann hätte es das Titelbild nicht gegeben. Oder: Dementsprechend zeigt Titanic lediglich eine überspitzte Version einer Nachricht (das nennt sich Satire).

Ich finde, man soll Satire das sein lassen, was sie ist: eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt. Und dass die Kirchen weltweit nicht frei von Missständen sind, ist wohl unbestritten.

Zur Verdeutlichung habe ich das fragliche Bild noch als Wallpaper heruntergeladen und stelle es zum Betrachten hier zur Verfügung. Die Titanic-Redakteure mögen es mir nachsehen.

Titanic Wallpaper - Kirche heute

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Blasphemie oder Satire?”

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