Blutgrätschen im Leipziger OBM-Wahlkampf

Der Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Leipzig – nicht auf dem Mond oder in Südossetien, sondern in Sachsen in Deutschland – geht ja in eine neue Runde. Und so allmählich sind die Bewerber wieder aufgewacht. Langsam aber sicher kommen wieder die Wortmeldungen.

Heute bin ich über einen Bericht über eine Mitteilung des Teams Wawrzynski gestoßen. Also dieses Team ist wohl eher ein Team CDU mit Gallionsfigur mit Polizeihut. Nachdem ich nun gelesen habe, was darüber berichtet wird, bin ich relativ froh, den Newsletter von ihm nicht erhalten zu haben. Aber ich berichte einmal darüber.

Vielen sind die beschmierten oder zerrissenen Horst-Plakate im Stadtgebiet von Leipzig aufgefallen. Man kommt nicht umhin zu denken, dass der gebürtige Bayer nicht sonderlich beliebt zu sein scheint. Und jetzt kommen er und ein CDU-Sprecher namens Detlef Schubert mit Aussagen um die Ecke, die schon ein wenig in Richtung der bösen Blutgrätschen im Fußball gehen.

Grüne, FDP und der Einzelbewerber Feiertag haben sich gegen eine gemeinsame Allianz für Leipzig zur Ablösung des Oberbürgermeisters entschieden. […] Es ist bedauerlich, dass die Parteifunktionäre der anderen OBM-Bewerber nicht über ihren Schatten springen können. Dabei hätte es besonders mit Grünen und beim Einzel-Bewerber durchaus inhaltliche Schnittmengen gegeben.

So steht es in einer Pressemitteilung, die unter anderem die Leipziger Internetzeitung erhalten hat. Würde das nicht bedeuten, dass sich CDU-Bewerber Horst die Schäflein der anderen Lager hätte schnappen wollen und dann gegen Burkhard Jung hätte kämpfen wollen? Zu einem „Auf ihn mit Gebrüll“ wird es allerdings unter der Regie von Wawrzynski nicht kommen.

Mir liegt eine Pressemitteilung von Dirk Feiertag vor, in der steht, dass er selbstverständlich für ein gutes Leipzig weitermachen wird. Über diese werde ich gesondert berichten. Barbara Höll von der LINKEN sollte ja auch nicht mehr antreten und ihren Wählern die Empfehlung geben, Horst zu wählen. So sollten es auch Felix Ekardt von den Grünen und René Hobusch (FDP) bei seinem Rückzug tun. Aber keiner der Wettbewerber tut dem Horst einen Gefallen.

Und natürlich bedeutet dies für die CDU Leipzig, dass damit Wawrzynski geschadet wird und es somit nicht zu einem Wechsel in Leipzig kommen kann. Das sehe ich schon als böse Blutgrätsche an. Wenn z.B. keiner der Kandidaten etwas von Wawrzynskis Kernthema „Mehr Polizeipräsenz“ hält, warum sollte man das denn unterstützen? Zumal er ja richtigerweise selbst erklärt, dass die Polizei Ländersache wäre und ein OBM da eh nicht viel ausrichten könnte.

Die CDU Leipzig wirft den Wettbewerbern gar Wahrnehmungsstörungen vor. Man würde wohl Horst mit Burkhard gleichsetzen. Dabei stimmt das doch gar nicht. Die CDU ist seit der Wende der politische Steigbügelhalter der SPD und ihrem jeweiligen Oberbürgermeister. Seit der Wende ist die CDU für die Finanzen der Stadt zuständig. Aber Gemeinsamkeiten gibt es auch noch weitere. So haben es SPD, deren Oberbürgermeister und die CDU regelmäßig geschafft, noch mehr Pech und Schwefel über Leipzig auszugießen. Und alles wurde von den Linken im Stadtrat abgenickt. So etwas nennt Dirk Feiertag nicht umsonst die „Ganz Große Koalition“. Beispiele gefällig?

  • Die Finanzmisere in Leipzig durch zahlreiche politische Fehlentscheidungen
  • Fehlende politische Moderation, die dazu führt, dass Arbeiter bei den rennomierten Firmen in Leipzig unterirdisch bezahlt werden
  • Verfallene Schulen und Kindergärten sowie ein marodes Straßennetz, weil man städtische Finanzen lieber in sinnlose Prestige-Objekte gesteckt hatte
  • Profitable kommunale Unternehmen wurden dem freien Markt hergeschenkt, um Finanzlöcher zu stopfen
  • Leipzig hat den höchsten Anteil Armer in ganz Sachsen
  • In Leipzig gibt es die meisten Süchtigen und die meisten Verbrechen

Finanzen und Sicherheit sind Themen der CDU. Und deren angeblich freier Kandidat Horst Wawrzynski ist der ehemalige Polizeipräsident von Leipzig. Ich denke, anhand dieser Liste wird deutlich, dass weder SPD noch CDU irgendwelche großen Reden schwingen sollten. Und wegen dieser Liste sollte es keinerlei Überraschung sein, dass sich die anderen Kandidaten nicht ausgerechnet Wawrzynski unterordnen.

Einen wirklichen Politikwechsel  kann niemand durch diesen Kandidaten erwarten. Durch Wawrzynski nicht und durch Barbara Höll auch nicht. Beide stehen dafür, die Ganz Große Koalition in Leipzig fortbestehen zu lassen. Und das kann nicht im Sinn der Leipziger liegen.

Was im Sinne der Leipziger liegt, weiß keiner so genau. Durch die SPD-LINKE-CDU-Koalition scheint man sich zu denken, dass sich egal mit welchem Oberbürgermeister nichts ändern wird. Daher sind am 27.01.2013 nur 40% überhaupt wählen gewesen. Dass sich Leipzig damit auch außerhalb lächerlich macht, hat unlängst die Frankfurter Rundschau skizziert.

Wenn man schon das Treiben satt hat, sollte man seine Stimme auch gezielt dafür einsetzen, dass sich etwas ändert. Wer nicht wählen geht, verschenkt seine Stimme. Und jemandem, der seinen Wettbewerbern die Beine weggrätscht, dem kann man auch die Stimme nicht geben. Und somit ist zu erklären, warum die Plakate von Horst Wawrzynski beschädigt wurden und größtenteils ersetzt werden mussten.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Henning Uhle | Dirk Feiertag macht weiter – Kein gemeinsamer Bürgerschaftskandidat möglich
  2. Auch wir machen weiter!!!!

    2013 haben mutige Leipziger, mit 2.157 ungültigen Stimmen das Ergebnis beeinflusst.
    Leider sind die >50+x% Wahlbeteiligung noch nicht erreicht!

    Liebe Leipziger erinnert euch an den Herbst 89 und informiert eure bekannten Erstwähler, ihr Wahlrecht zu nutzen!

    Der zweite Wahlgang kann eine Entscheidung bringen!

    Jede Stimme wird das Ergebnis beeinflusst!!!

    40 Jahre hat Leipzig benötigt um Deutschland zu verändern!!!

    Die letzten 20 Jahre dürften ausreichend sein, für eine demokratische Veränderung in Leipzig!!!!
    Kontakt: Das-Faehnlein-der-sieben-Aufrechten@gmx.de

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