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Christian Wulff ist ein Bundespräsident für alle Deutschen

Entgegen fadenscheiniger Twitter-Meldungen von heute morgen tritt Christian Wulff nun nicht zurück und zeigt damit einerseits Größe und Rückgrat und beweist andererseits, dass er auch nur ein normaler Deutscher ist. Damit ist er wohl der Bundespräsident für alle Deutschen.

Heute morgen habe ich ja geschrieben, dass über Twitter Meldungen verbreitet wurden, dass Christian Wulff zurücktritt. Anhand der Fragerunde, die nach der Tagesschau von ARD und ZDF durchgeführt wurde, wissen wir ja nun, dass dies nicht passieren wird. Zumindest nicht jetzt. Ich finde das gut. Und ich werde auch aufzeigen, wieso ich diese Meinung habe.

Als Bundespräsident – so die landläufige Meinung und der größte Ansatzpunkt für die Schlammschlacht gegen Wulff – hat man Vorbildcharakter. Man soll vorleben. Aber hat nicht genau das Christian Wulff getan? Nur dass er eben nicht der deutsche Michel sondern das Staatsoberhaupt ist, aber er hat eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft geschützt: Die Familie.

Er hatte nach einer Möglichkeit gesucht, um nach der Scheidung von seiner ersten Frau und dem Ausbezahlen dieser für das gemeinsame Glück mit seiner neuen Familie ein neues Haus finanzieren zu können. Man muss sich vor Augen halten, dass der Mann zu der Zeit knapp bei Kasse war. Und als befristeter Arbeitnehmer (Ministerpräsident) wäre er wohl bei jeder Bank auf dieser Welt abgeblitzt, wenn es um einen Kredit zur Hausfinanzierung gegangen wäre. Also hat er dies auf privatem Wege gemacht. Und dieses private Darlehen hat er, sobald es ihm finanziell besser ging und er einen adäquaten “richtigen” Kredit hatte, abgelöst.

Der einzige Fehler, den man ihm hier unterstellen kann, ist, dass er nicht Klartext geredet hat. Aber unterm Strich hat er damit auch etwas sehr achtbares gemacht: Er hat Freunde aus der Schußlinie gehalten. Also finde ich an dem ganzen Tanz rund um den Kredit nur die Prügel schlimm, die er dafür bezogen hat.

Kommen wir mal zum nächsten Kritikpunkt: Die Urlaube bei Freunden. Mal ehrlich, liebe Medien, ist das wirklich irgendeine Diskussion wert? Der Mann hat entweder für die Aufenthalte bei Freunden bezahlt (er hat die Ferienhäuser angemietet) oder wurde eingeladen und hat dann was dazu gegeben. Was bitte ist so schlimm, Herr Diekmann? Muss man darüber megabyteweise Daten produzieren, liebe n-tv-Online-Redaktion? Ihr, liebe Medien, hättet noch nicht mal irgendwas dazu bezahlt, wenn ihr eingeladen worden wärt. Dass er daraus keinen Hehl gemacht hat, spricht für ihn, denn so etwas ist nun wirklich nicht diskussionswürdig.

Nun mal zu dem unsäglichen Anruf auf Diekmanns Anrufbeantworter. Er hat davon gesprochen, dass der Rubikon überschritten ist. Der Rubikon ist ein kleiner Fluß in Norditalien. Er hat auch davon gesprochen, dass er und seine Frau (!) sich das (!) nicht mehr bieten lassen würden. So, und da wird ein Schuh draus.

Wie haben die Medien Zeter und Mordio geschrieen, als eine First Lady ins Schloß Bellevue gezogen ist, die einerseits tätowiert und andererseits vor der Ehe mit dem ersten Mann im Staat bereits zweifache Mutter war! Wie wurde Frau Wulff durchs Internet gezogen, sie wäre Escort-Dame gewesen, wäre buchbar gewesen usw. Christian Wulff hat schlichtweg seine Frau geschützt. Das, was alles so zu lesen war, kam einem versuchten Rufmord sehr nahe. Das gemeinsam mit dem sagenumwobenen Kredit hat eine explosive Mischung und ein gefundenes Fressen für die schlagzeilengeilen Medien ergeben.

Ich habe halt immernoch den Verdacht, dass Christian Wulff gezielt abgeschossen werden soll. Wer dazu am meisten Ambitionen hat, bleibt wahrscheinlich bis auf weiteres ein Rätsel. Dazu habe ich ja auch schon meine Meinung abgegeben.

Und nun kommen die Schlauberger von der n-tv-Online-Redaktion um die Ecke und kommentieren drauflos. Zunächst zum Ende des Kommentars: “Kommt da noch was? …” Das, lieber Herr Poprawa, geht die Medien nichts an. Wulffs Tun war Privatsache. Und jetzt kommentiere ich einfach mal den Kommentar des Herrn Kommentators:

  • Was soll die Zynik zu Beginn des Kommentars? “… Auch wenn dem einen oder anderen Zuschauer die Tränen in die Augen stiegen beim Anblick des Gescholtenen …” Man kann auch sachlich kommentieren. Sie sind als n-tv Kommentator kein Facebook-Nutzer.
  • Schön, Herr Poprawa, dass Sie Herrn Wulff attestieren, dass es menschlich in Ordnung war, sich bei der BILD zu entschuldigen. Aber wie ich oben angeführt habe, hat Herr Wulff nur das getan, was jeder andere Deutsche zur Verteidigung seiner Familie getan hätte.
  • Ich bin auch nicht Ihrer Meinung, Herr Poprawa, dass es zu wenig für den Bundespräsidenten war, denn er hat mit seiner Verteidigung mit Zähnen und Klauen nur eine Vorbildfunktion ausgeübt und – nochmal – seine Familie verteidigt.
  • Sie finden es dumm, Herr Poprawa, die Medien gegen sich aufzubringen? Klar, denn es gibt so das Sprichwort, dass man nur mit den Medien regieren kann. Sie haben damit leider kundgetan, dass der RTL-Konzern weiter im Schlamm wühlen will, und das ist verachtungswürdig. Von der “moralischen Autorität” fange ich gar nicht erst an.
  • Sie scheinen es sehr merkwürdig und überraschend zu finden, dass Christian Wulff trotz der Schlammschlacht der Medien weitermachen will. Ich nicht. Er zeigt damit Rückgrat. Und er geht damit gestärkt aus dem Bombardement von Medien und Opposition hervor. Sie schrieben selbst, dass er sich auch künftig nicht dem öffentlichen Druck beugen wird. Meine Anerkennung für den bösen, bösen Bundespräsidenten.
  • Sie, lieber Herr Poprawa, fragen dann, warum denn ausgerechnet Wulff Bundespräsident werden sollte und nicht ein erfahrenerer. Ist Philipp Rösler als FDP-Chef etwa erfahren? War René Obermann bereits erfahren genug, einen Weltkonzern zu führen, als er Chef der Telekom wurde? Ich erinnere an einen Klassiker von Climie / Fisher: “I rise to the occasion” (Ich wachse mit der Erfahrung – amerikanischer Slang).
  • Sie scheinen es auch merkwürdig zu finden, dass Wulff ein zeitgemäßer Bundespräsident sein will, der auch zu alltäglichen Dingen wie Bankgeschäfte in der Lage ist. Ich finde, wenn Deutschland im Bundespräsidenten auch nur den Hauch eines echten Menschen sehen würde, würde der Wunsch von Herrn Wulff ohne Zutun von irgendwem Realität werden.
  • Und selbstverständlich ist Christian Wulff kein Präsident, der den Medien nach der Pfeife tanzt. Sie schreiben von einem “Bundespräsidenten auf Diekmanns Gnaden”. Nein, er wird auch nicht nach der RTL-Pfeife tanzen. Das ist ja wohl jetzt klar, oder?
  • Sie schreiben, dass Wulff nun nicht mehr unantastbar ist, weil er a) nicht zurückgetreten ist und b) weil Witze über ihn gerissen werden. Herr Poprawa, in der RTL-Gruppe gibt es eine beliebte Sketch-Reihe im Radio über die erfolgreichste Politikerin unter Gottes Sonne. Die Reihe heißt “Angie und die Westerwelle”. Über Angela Merkel, wissen Sie, macht Deutschland schon seit ungefähr 20 Jahren Witze. Hat es ihr geschadet? Nein. Sie wurde sogar noch beliebter. Wenn es jemand in die Behandlung durch Comedy und Kabarett schafft, hat er es im Allgemeinen geschafft. Also wäre doch diese Entwicklung das Beste für Wulff.
  • Sie zitieren Herrn Edathy, der als Alternative zum Übel (?) Christian Wulff nur die Abschaffung des Bundespräsidenten oder die Bestimmung desselben durch die BILD sieht. Nun ja, wie gesagt, in Deutschland kann man nicht so leicht ohne die Medien regieren. Das habt Ihr Medien nun eindrucksvoll bewiesen. Aber die BILD regiert nicht allein, sondern in Koalition mit der WAZ-Gruppe und RTL. Nicht wahr, Herr Poprawa?

In diesem Sinne, was auch immer privates jetzt aus dem Hause Bettina und Christian Wulff kommen mag, es geht die Medien nichts mehr an. Das war das klare Statement und wahrscheinlich einer der Gründe für den Schritt nach vorn.

Und so, lieber Herr Poprawa, kann jeder halbwegs vernünftig denkende Deutsche Ihnen Ihre Abschlußfrage “Kommt da noch was, Herr Wulff, oder sind wir endlich durch?” beantworten mit: “Da kommt nichts, was Euch Medien etwas angeht.”

Den ganzen Kommentar und die dazugehörige Diskussion, die ich nun nicht durchgesehen habe, finden Sie in aller Vollständigkeit bei Ihrer Online-Redaktion, Herr Poprawa. Meinen Lesern sei der Link natürlich präsentiert.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

One thought to “Christian Wulff ist ein Bundespräsident für alle Deutschen”

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