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dapd – Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen

Warum ein Bibelzitat als Artikelüberschrift? Die DAPD ist ja gestern in die Insolvenz marschiert, zumindest große Teile davon. Grund war, dass die bisherigen Chefs, Vorderwühlbecke und Löw, die Geldquelle dicht gemacht haben. Und beide sind strenge Katholiken, wie ich erfuhr. Das ist nichts schlimmes, aber der Grund für den Titel.

Ich möchte kurz zusammentragen, was sich soweit zugetragen hatte. Ich hatte ja bereits gestern Abend über den Paukenschlag berichtet. Nun kommen so langsam mehr Geschichten ans Licht. Schauen wir mal.

Sie waren angetreten, um die Welt zu erobern. Vorderwühlbecke und Löw hatten vor 3 Jahren den Deutschen Depeschendienst gekauft und wenig später mit dem zugekauften deutschen Ableger der Associated Press (AP) zur dapd fusioniert. Rasant war der Aufstieg. In Frankreich wollte man der dortigen AFP Paroli bieten, indem man SIPA Press ins Rennen schickte. In Deutschland wollte man die große DPA verzichtbar machen.

Das Magazin MEEDIA schreibt in einem Kommentar davon, dass genau diese atemberaubende Geschichte zu gut war, als dass sie hätte wahr sein konnte. Der Kommentator weist darauf hin, dass das aggressive Wachstum des Unternehmens im Endeffekt alles andere als zuträglich war. Und zwar für eine ganze Branche. Die dapd und die DPA lieferten sich in der Vergangenheit unrühmliche Prozesslawinen, was beiden nicht gut getan haben dürfte. In dem Kommentar rücken die florierende Redaktion, die vielen Journalisten und Redakteure in den Mittelpunkt und auch der monatliche Einsatz von rund 1 Million Euro von Löw und Vorderwühlbecke. Und der Kommentator fragt dann leicht ketzerisch:

…vielleicht dienten die großen Anstrengungen einzig und allein dem Ziel, einen Käufer zu finden, der sich von dem entstehenden Agenturimperium der Eigentümer und deren hochfliegenden Plänen überzeugen lassen würde? Beispielsweise die Telekom? Oder ein ausländisches Medienunternehmen?

Die Frage ist durchaus berechtigt, da ja stets verkündet wurde, die dapd aufzuziehen und niemals zu verkaufen. Nun haben die beiden ehemaligen Geschäftsführer nichts mehr zu sagen, wie es der SPIEGEL herausarbeitet. Und das Magazin schreibt davon, dass die beiden wegen der Entwicklungen halt lieber mit dem Finger auf andere zeigen. Ich glaube, der SPIEGEL findet das Verhalten auch nicht so richtig gut.

Die Süddeutsche Zeitung bezieht sich in ihrem Kommentar auch auf die Widersprüche Vorderwühlbeckes zwischen dem, was er irgendwann gesagt hat, und wie es sich zwischenzeitlich dann eben entwickelt hatte:

Der dapd-Vorstand war offenbar in die Entscheidung in keiner Weise einbezogen, das Management soll völlig überrascht worden sein. Woher kam der plötzliche Sinneswandel? Die Nachrichtenagentur sei „kein Gegenstand des Wirtschaftsverkehrs“, hatte Vorderwülbecke noch vor kurzem gern behauptet. Nun hat er viel Vertrauen zerstört.

Und wenn man dann zurück in den oben verlinkten MEEDIA-Artikel schaut, wird klar, dass es sich doch so verhält, dass die dapd zum Spielball geworden ist. Dort wird nämlich auch noch darüber geschrieben, dass die dapd erdrückende Verbindlichkeiten gegenüber Associated Press habe. Und denen könne man sich ja nun durch die Insolvenz entledigen. Also auch wieder nix ehrliches, sondern nur Finanzjongliererei.

Jetzt wird zwar darüber geschrieben, dass es „nur“ Teile der dapd betrifft, die da in die Insolvenz marschieren. Aber wie oft hat man schon davon gehört, dass das immer nur der Anfang ist? Wie oft erfährt man, dass ein solches Unternehmen, von dem Teile insolvent sind, sich nicht mehr erholt und dann über kurz oder lang eh vom Markt verschwindet?

Ich könnte mich jetzt darin ergießen, von welchen Geschäftspraktiken der dapd ich erfahren habe. Das werde ich allerdings fairerweise unterlassen. Es steht jedem frei, selbst danach zu suchen. Jedenfalls war die dapd, so wie man sie kennengelernt hatte, eben zu aggressiv für Deutschland. Ob es einen Nachfolger geben wird? Das steht in den Sternen.

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

4 thoughts to “dapd – Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen”

  1. Man könnte jetzt Böses denken was die angeblichen Urheberrechtsverletzungen und die daraus einhergehenden Geldforderungen betrifft.

    Ich habe Deine Artikel dazu verfolgt und war von Anfang an entsetzt über solche Vorgehensweisen. Ob sich das mit der Insolvenz auch erledigt bleibt wohl abzuwarten.

    1. Tja, Thomas, ob sich da irgendwas erledigt, nur weil die DAPD teilweise insolvent ist, bleibt wirklich abzuwarten. Ich habe da verschiedenste Ansätze gelesen: Einerseits heißt es, dass sich das nun erledigt haben könnte. Andererseits heißt es, dass es nun erst richtig losgeht.

  2. Was mich immer wieder an Deinen Artikeln verwunderte war, dass zwischen Deinen Schreiben und den Antwortschreiben der Kanzlei sehr lange Schreibpausen lagen – ungewöhnlich lange wie ich finde.

    Somit wird schwierig zu sagen sein, wann etwas überhaupt „erledigt“ ist und wann nicht.

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