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Der ESM als Big Bang der europäischen Wirtschaft – Der Aufruf von Wirtschaftsforschern

Es gibt ja die Urknalltheorie. Die wurde nun auf die europäische Krisenpolitik umgemünzt. So wie es OMD im Lied “History of Modern (Part I)” kund tun, so schrieben es nun auch führende und renommierte Experten:

All will be erased and replaced.

(Alles wird ausgelöscht und ersetzt werden.)

Professor Hans-Werner Sinn - (C) Romy Bonitz, ifo Institut / CC-BY-SA-3.0 - via Wikimedia Commons
Professor Hans-Werner Sinn – (C) Romy Bonitz, ifo Institut / CC-BY-SA-3.0 – via Wikimedia Commons

Was wurde denn nun eigentlich erzählt? Die Süddeutsche Zeitung schreibt von einer “Breitseite gegen Merkel” und von einem “Aufstand der Ökonomen”. Der Aufruf der Wirtschaftsforscher um Professor Hans-Werner Sinn: Man solle sich mit seinen Sorgen wegen der Krise und des ESM an die Abgeordneten des eigenen Wahlkreises wenden. Die Süddeutsche meint dazu:

[…] der jüngste Aufruf hat das Potenzial zum Big Bang.

Vielen Beobachtern wurde in der letzten Woche nach dem Krisengipfel schlagartig klar, dass das, was da entschieden wurde, falsch ist. Nun hat man die Bestätigung von Leuten, die es wissen müssen. Sinn war eigentlich immer dafür bekannt, sehr besonnen zu handeln. Dass ihm nun der Kragen geplatzt ist, ist mehr als bemerkenswert. Und da kann man eigentlich nur hoffen, dass doch noch soweit alles gut wird.

Über 160 der angesehensten Wirtschaftswissenschaftler, Ökonomen und anderen Experten riefen nun direkt dazu auf, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen. Sie wollen sich nicht auf die Hoffnung der Politik verlassen, dass die Haftungssummen begrenzt und der Missbrauch durch eine gemeinsame Bankenaufsicht verhindert werden können. Und damit scheinen sie vielen Deutschen aus der Seele zu sprechen.

Schon im Juni hatte Hans-Werner Sinn gewarnt, dass Deutschland durch sein übergroßes Engagement beim ESM erpressbar geworden ist. Zu der Zeit ist die Warnung offenbar verhallt. Nun geht das nicht mehr so einfach, denn 160 Wissenschaftler kann man nicht überhören.

Im Protestaufruf schreiben die Leute, dass nichts wirklich gerettet wird, wenn man die Haftung mittels ESM auch auf Banken ausweitet. Es hilft nur maroden Banken und den Börsen. Das klingt ja fast so, als wären die Politiker vor Börsenspekulanten eingeknickt.

Werden also Schulden – auch die der Banken – vergemeinschaftet, werden “Gläubigergruppen bezuschusst” und “Investitionsentscheidungen verzerrt”. Aber es werden keine Probleme gelöst. Und das ist – wenn man ehrlich ist – vielen klar. Nur ist es so, dass ein Blogbeitrag, eine Facebook-Notiz, ein Google+-Beitrag von Privatleuten wenig Gehör finden. Oft ist es auch so, dass dann Privatleute sich nicht in letzter Konsequenz derart ausdrücken, wie es diese Ökonomen getan haben. Deshalb hat der Aufruf auch so eingeschlagen.

Wer möchte, sollte sich den Protestaufruf von Hans-Werner Sinn und seinen 160 Kollegen aus dem deutschsprachigen Raum zu Gemüte führen. Die Kanzlerin schwört zwar Stein und Bein, sie sei in Brüssel keinerlei zusätzliche Verpflichtungen eingegangen. Aber irgendwie will man ihr nicht mehr glauben. Der Kredit ist verspielt. Der Aufruf ist eine deutlich andere Hausnummer als die Occupy-Bewegung, so wichtig diese auch ist. Wie es die Süddeutsche Zeitung bereits schrieb, er könnte ein Big Bang werden, also ein Urknall.

Den Aufruf hat der Blog Deutschlandwoche verlinkt. Ich verweise nicht direkt auf den Aufruf, da er bei der Frankfurter Allgemeinen erschien. Warum ist so vorgehe, habe ich bereits erklärt.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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