Der Inselberg als langatmiger Feuerspucker

Der Gletscher heißt zu deutsch übersetzt “Inselberggletscher” und verbreitet zunehmend immer mehr Sorgen. Am 25. März 2010 brach der Vulkan des Eyjafjallajökull aus und spuckt seitdem Feuer und Asche. Welche Auswirkungen sind zu vermelden?

Eyjafjallajökull - von Tommy Bee - Public Domain - durch Wikimedia Commons
Eyjafjallajökull – von Tommy Bee – Public Domain – durch Wikimedia Commons

Malerisch erhebt sich der Gletscher im Süden von Island. Doch der Schein trügt. Der Eyjafjalla und sein Gletscher (Jökull) haben das weltweite Transportwesen inzwischen völlig lahmgelegt und haben nicht den Anschein, als ob sich dies bald wieder ändern wird.

Der 1.666 Meter hohe Eyjafjallajökull ist eine der kleineren Gletscherkappen Islands nördlich von Skógar und westlich des Mýrdalsjökull in der Gemeinde Rangárþing eystra. Unter dem Gletscher befindet sich ein Stratovulkan mit eigener Magmakammer.

Der Name Eyjafjallajökull rührt von der Nähe der Westmännerinseln her. Diese liegen circa zehn Kilometer südöstlich des Bergmassivs im Atlantik. Die kleineren Berge zu Fuße des Eyjafjallajökulls heißen bezeichnenderweise Eyjafjöll, dt. die Inselberge.

Die Gletscherkappe des Eyjafjallajökull misst etwa 78 Quadratkilometer. Unter dieser schlummerte etwa 190 Jahre lang ein Vulkan, der der so genannten “südlichen isländischen Vulkanzone” angehört. Um welche Art Vulkan es sich allerdings handelt, ist nicht gänzlich geklärt. Einige sprechen von einem Stratovulkan, andere von einem Schildvulkan. Der Forscher Ari Trausti Guðmundsson bezeichnet den Vulkan gar als flache, längliche Vulkangebäude.

Der Vulkan am 26.03.2009 - von Olikristinn - CC-BY-3.0 - durch Wikimedia Commons
Der Vulkan am 26.03.2009 – von Olikristinn – CC-BY-3.0 – durch Wikimedia Commons

Eyjafjallajökull hat eine ungefähr 800.000 Jahre lange Eruptionsgeschichte vorzuweisen. Auch seit der Besiedelung um circa 900 n. Chr. war er bisweilen aktiv; er gehört aber nicht zu den aktivsten Vulkanen Islands.

Nur vier bekannte Ausbrüche ereigneten sich seit der Besiedelung Islands. Der erste geschah 920, der zweite Ausbruch fand 1612/13 statt. Von diesem Ausbruch ist wenig bekannt. In den Skarðsannalen wird die Eruption so beschrieben: “Da sprang plötzlich der Eyjafjallajökull an der Ostseite bis ins Meer vor, da kam Feuer hoch, das sah man fast überall nördlich von Land.”

Der vorletzte Ausbruch begann am 19. und 20. Dezember 1821 mit einer explosiven Phase, die einige Tage andauerte und starken Aschenfall vor allem in den besiedelten Gebieten im Süden und Westen des Vulkans zur Folge hatte. Dieser Ausbruch dauerte bis in den Juni 1822 an, wurde allerdings abgesehen von gestiegenen Wasserständen kaum wahrgenommen.

Ab Ende Juni 1822 folgte wieder eine explosive Phase, wobei die explosiven Ausbrüche wohl jeweils in Serien kamen. Der Ausbruch sandte u.a. eine Wolke in beträchtliche Höhen.

1823 wagten sich einige Männer auf den Eyjafjallajökull, um die Krater genauer zu begutachten. Sie fanden eine Ausbruchsspalte etwas nordwestlich des Gipfels Guðnasteinn. Die Männer hatten Bedenken, dass der Berg auseinanderbrechen könnte, weil die Spalte sehr nahe am Gipfelrand lag und zwischen ihr und dem Abgrund nur eine dünne Felswand war.

Nach den Ausbrüchen stellte man fest, dass der Berg sich verändert hatte und eine beachtliche Senke im Gipfelbereich entstanden war, wo er vorher eher eben gewirkt hatte.

Im Frühjahr 1823 brach Katla im Mýrdalsjökull (der Nachbargletscher) aus und gleichzeitig entströmte dem Gipfelbereich wieder mehr Dampf des Eyjafjallajökull, vor allem an der Hauptausbruchsspalte.

Ende März 2010 brach der Vulkan nun wieder aus. Die Ausbruchsstelle liegt auf dem Pass Fimmvörðuháls zwischen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull.

Zur Weihnachtszeit 2009 kam es zu einer Phase seismischer Aktivität mit etlichen kleinen Erdbeben. Ab Februar 2010 wurden allerdings größere Veränderungen der Vulkanoberfläche gemessen. Es zeigte sich eine Verformung der Erdkruste unmittelbar am Vulkan um bis zu 15 Zentimeter, wobei sich die Kruste innerhalb der letzten vier Tage vor dem Ausbruch stellenweise um mehrere Zentimeter deformiert hatte. Die ungewöhnlich hohe Anzahl an Erdbeben zusammen mit der schnellen Krustenausdehnung zeugten von einströmendem Magma unterhalb der Erdoberfläche.

In den folgenden Wochen erhöhte sich dann noch die Anzahl der Erdbeben bis zu einem vorläufigen Höhepunkt von 3000 in der Zeit vom 3. bis 5. März.

Kurz vor dem Ausbruch verlagerten sich die Erdbeben nach Osten und waren am 21. März dicht unter der Oberfläche zu messen.

NASA-Aufnahme des Ausbruchs am 24. März 2010 - NASA image by Robert Simmon - Public Domain - durch Wikimedia Commons
NASA-Aufnahme des Ausbruchs am 24. März 2010 – NASA image by Robert Simmon – Public Domain – durch Wikimedia Commons

Am 21. März am späteren Abend kam die Nachricht, dass ein Vulkanausbruch oben am Gletscher begonnen habe. Bald darauf stellte sich heraus, dass die Ausbruchsstelle am Pass Fimmvörðuháls zwischen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull lag. Die Bevölkerung wurde vorsichtsshalber evakuiert. Die Flughäfen von Reykjavík und Keflavík wurden kurzfristig geschlossen. Der internationale Flughafen wurde jedoch am Abend des 21. März wieder für den Verkehr freigegeben.

Einige Tage lang handelte es sich um einen Ausbruch, bei dem bis zu 150 Meter hohe Lavafontänen aus 10–12 Kratern entlang einer circa 500 Meter langen Spalte produziert wurde.

Völlig unerwartet öffnete sich dann am 31. März eine neue, etwa 300 Meter lange Ausbruchsspalte auf dem Fimmvörðuháls, ohne dass Erschütterungen gemessen wurden.

Aus beiden Ausbruchsspalten ergoss sich ein Lavastrom in die Schlucht Hvannárgil, während auch weiterhin Lava in die östlich davon gelegene Schlucht Hrúnagil floss, so dass man jetzt zwei Lavafälle sehen konnte. Ab und zu kam es zu Dampfexplosionen, wenn die Laven mit Schnee in Berührung kamen.

Am 6. April 2010 wurde ein Erdbeben der Stärke 3,7 unter dem östlichen Eyjafjallajökull gemessen. Das Epizentrum lag genau an dem Ort, an dem Wissenschaftler eine unterirdische Biegung im Ausbruchskanal vermuten. Am 7. April 2010 versiegte die Eruption in der älteren Ausbruchsspalte. Andererseits hält der Lavaausstoß in den anderen Kratern weiter an.

Am Morgen des 14. April 2010 brach direkt in der Caldera des Eyjafjallajökull eine etwa zwei Kilometer lange Spalte auf. Aus fünf Kratern traten große Mengen Lava aus. Über dem Gletscher stiegen mehrere tausend Meter hohe Dampf- und Aschewolken auf. Es kam zu massiven Behinderungen im internationalen Flugverkehr und zu Evakuierungen.

In Europa wurde am 15. und 16. April der Luftraum in mehreren Staaten gesperrt, darunter in Irland, dem Vereinigten Königreich, Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien und den Niederlanden vollständig und in Finnland, Polen, Deutschland und Frankreich teilweise. Tausende von Flügen wurden gestrichen oder zu noch nicht geschlossenen Flughäfen umgeleitet. Eurocontrol gab an, dass am 15. April ein Viertel der täglich rund 28.000 Flugverbindungen ausgefallen ist.

Wie lang der Ausbruch bzw. die Ausbruchsserie noch andauert, ist völlig ungewiss. Der 190 Jahre zurückliegende Ausbruch dauerte ca. 3 Jahre an.

Die Gefahren sind für Lebewesen beträchtlich, da die Vulkanasche mit gemahlenem Glas vergleichbar ist und große Schäden in Lunge, Augen etc. anrichten kann. Für Flugzeuge ist das Ganze auch verheerend, da die Vulkanasche die Fenster zerkratzt und die Triebwerke verstopft.

Man darf gespannt sein, wie sich die Lage entwickelt.

n-tv hat mittlerweile eine ganze Videothek bereitgestellt mit Videos über den Ausbruch. Beispielsweise hier eins über Eisbrocken und verdunkelten Himmel.

Informationsquellen: Wikipedia für Hintergrundinformationen – Weitere Quellen behandelten das tagesaktuelle Geschehen.

3 Kommentare

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