Deutschland-Pleite – Der Retter begibt sich in Gefahr

Müssen Menschen in Gefahrensituationen gerettet werden, dann sehen die Rettungskräfte immer zu, dass sie selbst nicht zu Schaden kommen. Denn würden sie sich dann selbst auch in Gefahr begeben, würde das den zu rettenden nichts nützen.

Eine Studie zeigt aber gerade auf, dass das wohl bei Staaten und ökonomischen Krisen nicht zu gelten scheint. Am gestrigen Freitag, 27.07.2012, machte eine Einschätzung die Runde.

Egan-Jones, eine eher kleine Ratingsagentur aus den USA hat das offen ausgesprochen, was viele Bürger Deutschlands schon längere Zeit befürchten: Eine Staatspleite der größten Wirtschaftskraft Europas ist sehr gut möglich. Das Problem ist die finanzielle Überforderung des deutschen Staatshaushalts infolge der Euro-Schuldenkrise. Sean Egan, Chef und Mitgründer der Agentur ließ sich jetzt von der “Welt am Sonntag” mit folgenden Worten zitieren:

[…]Das ist absolut möglich. Irgendwann trifft es auch den Retter[…]

Die Idee, dass Deutschland die gesamte Euro-Zone heraushauen kann, ohne dabei an seine Kreditgrenzen zu stoßen, hat mir noch nie eingeleuchtet. Bei Egan-Jones hat Deutschland längst kein ,Triple-A‘ mehr.[…]

Die Zitate sind unter anderem bei MM-News zu finden.

Hätte Deutschland keinen Euro und wäre es nicht solche immensen Finanzverpflichtungen eingegangen, hätte es natürlich noch die Rating-Bestnote. Zudem ist es trügerisch, dass man deutsche Staatsanleihen als vermeintlich sicheren Hafen betrachtet. Deutschland müsse wohl Begehrlichkeiten anderer Länder konsequent abwehren, sonst drohe eben genau die Gefahr der Staatspleite.

Damit ist Egan-Jones der nächste Verein, der deutlichst vor einer uferlosen Eskalation der Krise warnt. Hans-Werner Sinn und seine Horde Experten, Peter Bofinger und eine Expertengang, diverse Institute und nun eine der treffsichersten Rating-Agenturen. Man sollte vielleicht auch mal auf die Warnungen hören. Sie zumindest wahrnehmen.

Egan-Jones ist nicht in aller Munde wie die großen drei, Standard & Poors, Moody’s und Fitch. Aber die kleine Agentur hat die Lehman-Pleite vorausgesehen und die Bank vor allen anderen herabgestuft. Und sie hat vor allen anderen die Gefahr von faulen Hypothekenpapieren erkannt. Die drei Großen stattdessen haben hier lange Zeit noch – nun ja – andere Einschätzungen abgegeben.

Im Allgemeinen liest man zu der Egan-Jones Warnung im Internet, dass man für die Wahrnehmung dieser Entwicklung kein Wirtschaftsexperte sein muss. Der Braten “Staatspleite” wäre wohl mit der bevorstehenden Ratifizierung des ESM in der Röhre, da es offenbar ausgeschlossen ist, dass Deutschland a) aus dem ESM austreten kann und b) für einen Selbstbehalt sorgen kann.

Die Sorge ist sehr groß. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die deutsche Politik alle Warnungen in den Wind schlagen wird und grundgesetzwidrig immer weiter anderen Ländern, die nicht zur eigenen Haushaltsplanung in der Lage oder willens sind, Geld zuschustern wird. Ich lese viele Kommentare, die Bundeskanzlerin Merkel persönlich für diese Entwicklung verantwortlich machen.

Es gibt konkrete Warnungen in Kommentaren, dass durch eine Staatspleite Deutschlands etwas ähnliches passieren könnte wie in den Dreißigerjahren des jetzten Jahrhunderts: Volksverarmung, Hunger etc. Und daraus entstand ja bekanntlich der massive Zulauf zur NSDAP. Und was daraus entstand, ist hinlänglich bekannt.

Was ich damit sagen will: Handelt die Politikelite Deutschlands nicht endlich, droht eine Radikalisierung der politischen Szene. Und das kann nicht gut sein. Und es genügt nicht, wenn sich Merkel und Hollande hinstellen und verkünden, sie würden um den Euro kämpfen wollen. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, und das vor Jahren schon. Jetzt mit kämpfen zu beginnen, ist vergebene Liebesmüh.

Ich weiß, ich male recht schwarz. Aber es gibt nun einmal immer mehr Expertenmeinungen, die echte Gefahren für Deutschland sehen. Und daraus bildet man sich nun mal seine Meinung. Da klingen dann derzeitige Verlautbarungen der Politikelite leider nur noch wie Durchhkalteparolen. Und das kann man leider nicht akzeptieren.

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