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Die AFP weiß was von Mario Monti

Dass das Konstrukt Euro-Gruppe am Ende ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Ein wichtiges Ziel, warum es das gibt, war Preisstabilität. Ein anderes waren stabile Staatshaushalte. Beides ist ja nun nachweislich nicht eingetroffen. Und dann kommt die AFP um die Ecke.

Die Agence France Press, die seit mindestens 2009 reihenweise abmahnt wegen angeblicher Urheberrechtsvergehen oder -verbrechen (?), die hat nun vollmundig berichtet, dass Mario Monti, der Chef der italienischen Regierung, Frankreich und Deutschland für die Euro-Krise verantwortlich macht. Und diese Feststellung – und damit die AFP-Meldung – wird von Welt Online breit getragen.

Welt Online? Da war doch was. Da ist doch das Springer-Qualitätsmedium, das von Qualitätsagenturen Meldungen bezieht, die hin und wieder nicht des Lesens wert sind. Und Welt Online ist doch das Medium, das aufgrund eines prominenten Namens aus glorreichen Journalismus-Tagen einfach mal drauflos hetzen darf.

Sollen wir da der Welt und erst recht der AFP glauben? Schließlich erzählt uns ja die Nachrichtenagentur, dass Mario Monti erklärt haben will, dass die europäische Schuldenkrise deshalb gekommen ist, weil Deutschland und Frankreich überhöhte Haushaltsdefizite damals durchbekommen haben, andere aber für ähnliche Verletzungen hart bestraft werden.

Also, entweder wird hier eine Neiddebatte geboren oder die Meldung der AFP ist schlicht Unsinn. Bei letzterem muss man sagen, dass ein Staatschef vom Format Montis lächerlich werden würde, wenn er neidisch auf „die Großen“ schauen würde. Monti wäre angreifbar. Ist die Meldung allerdings echt, dann wäre die Euro-Gruppe endgültig zu Ende, da man sich in „arm“ und „reich“ aufspalten würde.

Was in der Meldung angesprochen wird, sind die europäischen Stabilitätskriterien, die berühmten 3% Haushaltsdefizit, weshalb der damalige Bundesfinanzminister Eichel die ebenso berühmten „blauen Briefe aus Brüssel“ erhalten hatte. Also die Causa, die angesprochen wird, gab es tatsächlich. Aber ob Monti tatsächlich eine derartige Kausalkette erzählt hat, würde ich nur mit großen Bauchschmerzen hinnehmen. So recht glaube ich das nicht.

Nur mal eben zum Hintergrund: Mario Monti ist nicht einfach mal so ein Haudrauf wie Gerhard Schröder. Der Parteilose hat lange Zeit auf europäischer Bühne gearbeitet und mehrere hochdotierte Posten inne gehabt. Er ist Wirtschafts- und Finanzexperte. Und er weiß, wie es um Italien bestellt ist, und hat deshalb die richtigen Maßnahmen einleiten lassen. Dass so einer nun ausgerechnet Neid verbreitet, will mir nicht so richtig in den Kopf.

Aber die AFP versorgt uns schon mit den richtigen Qualitätsinformationen.

Informationsquellen:

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Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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