Die anders bemessene Steuerhinterziehung

Ich könnte platzen vor Wut. Da kommt ein edler Herr Hoeneß daher und sagt, dass er vergessen hatte, um die 3 Millionen Euro zu versteuern – oder so. Dafür soll ihm der Prozess gemacht werden. Zum Auftakt dieses Theaterstücks ließ der edle Herr Hoeneß verlauten, dass ihm nochmal so um die 15 Millionen eingefallen sind. Und gestern hieß es, dass dem edlen Herrn Hoeneß noch mehr Steuerschuld nachzuweisen ist. Und heute morgen höre ich doch tatsächlich im Radio, dass es nicht mal raus ist, dass der edle Herr Hoeneß verurteilt wird?

Bei der Ahndung von Steuerhinterziehung wird gefährlich mit zweierlei Maß gemessen. Vor Justitia sollen alle gleich behandelt werden. Nur manche sind eben – wie immer – etwas gleicher. Und das ist es, was mich an dem Staat so richtig anstinkt.

Jeder wird bestraft, wenn er / sie versucht, den Staat zu betrügen. Irgendwann kommt ja doch alle raus. Wenn die Steuerschuld gering ist und der Übeltäter sonst nichts verbrochen hat, dann ist es wohl eine Geldstrafe und das Nachzahlen der Steuerschuld, die man als Strafe bekommt. Peter Graf, Vater von Steffi Graf, oder Baulöwe Schneider mussten ins Gefängnis für ihre Steuerhinterziehung.

Und über Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, wird gerätselt, ob er nicht eventuell sogar freigesprochen wird. Selbst der ehemalige Oberpostbote Klaus Zumwinkel wurde dafür, dass er den Staat um 1 Million Euro gebracht hatte, zu einer Strafe verurteilt. Bei Hoeneß geht es um irgendwas um die paar-und-zwanzig Million Euro. So genau weiß das ja wohl keiner.

Er wurde ja sogar von seinem Verein und von der bayrischen Klüngel-Politik noch in den Himmel gehoben, er sei ein so integerer Mann. Einen feuchten Kehricht ist er. Jemand, der dem Staat Geld schuldet, weil er es außer Landes gebracht hatte, gehört bestraft. In der Höhe, um die es geht, gehört ihm nicht nur ein leichter Klaps auf den Hintern. Leute, die so handeln wie Uli Honeß, gehören verurteilt und weggesperrt. Sorry, das ist meine Meinung.

Peter Graf wurde wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 12,3 Millionen D-Mark (6,44 Millionen Euro) zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Rechnen wir einmal mit den 27 Millionen Euro, die im Fall Hoeneß die Runde machen, dann müsste dieser zu 15 Jahren und 8 Monaten (27 Millionen / 6,44 Millionen * 3 Jahre 9 Monate) verurteilt werden. Freispruch? Ich spreche euch auch gleich frei. Frei von jeder Gesetzestreue.

Ich will Uli Hoeneß nichts schlechtes. Nicht dass hier irgendein Anwalt irgendwas auf Persönlichkeitsrecht macht. Aber er hat Steuern hinterzogen. In erheblichem Umfang. Und dafür muss er zur Rechenschaft gezogen werden. Wegen der Steuerhinterziehung hat er jeglichen Anspruch, als integer bezeichnet zu werden, in meinen Augen verwirkt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Bildquelle: Portemonnaie mit Geld – free picture by FidlerJan via morguefile.com

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