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Die Erklärbären und der Unsinn von E10

Nun fand er also statt, der vielsagende “Benzin-Gipfel”, bei dem Wirtschaft und Politik Auswege aus dem Desaster rund um die Einführung von Super E10 suchen wollten. So wurde es zumindest publiziert. Was ist herausgekommen? Das was erwartet wurde.

Ein Kommentar auf n-tv.de umschreibt das Ganze treffend mit “Wir informieren Euch, bis Ihr es kauft”. Und irgendwie ist der Autofahrer so schlau wie vorher.

Habe ich erst noch darüber geschrieben, dass E10 zum Ladenhüter wird, so kann man nun getrost schreiben, dass E10 ein groß aufgezogener Unsinn ist. Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schmid vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik gab der Zeitung “Die Welt” ein Interview, in welchem er darüber sprach, dass E10 in Sachen Klimaschutz (eins der Ziele von E10) eher kontraproduktiv als nützlich ist:

Mit Blick auf den Klimaschutz bringt es überhaupt nichts, dem herkömmlichen Benzin Biosprit beizumischen. Im Gegenteil. Die Klimabilanz ist in vielen Fällen sogar negativ. Mit Biosprit wird dann unterm Strich mehr Kohlendioxid freigesetzt als mit Benzin allein.

Trotzdem rüttelt die Politik nicht an dem Vorhaben, E10 auf Biegen und Brechen im Markt flächendeckend weiter einzuführen. Und das obwohl gerade der Mineralölwirtschaftsverband beim Benzin-Gipfel eine ominöse Umfrage präsentierte, wonach die Mehrheit der Befragten E10 ablehnen würde.

Bei der anschließenden Pressekonferenz lässt CDU-Vize Röttgen keinen Zweifel: Der Biosprit bleibt. Das klingt ein wenig nach der Basta-Politik von Altkanzler Schröder. Er ist gar so frech, Gaddafi als Lieferant in die Waagschale zu werfen, der sein eigenes Volk bombardiere. “Das Bioethanol braucht den Vergleich mit Gaddafis Öl nicht zu scheuen.”

Doch, braucht es sehr wohl. Denn Prof. Schmid merkte im Welt-Interview an:

Die Autofahrer machen aus ökologischer Sicht genau das Richtige, wenn sie um die Zapfsäulen mit E10 einen großen Bogen machen. Aber ihre Motivation ist dabei die Sorge um den Motor ihres Autos, nicht die Sorge um die Umwelt.

Am Ende geht es beim Umweltschutz doch darum, sich bewusster zu verhalten. Hier hat Prof. Schmid auch ein Rezept, wahrscheinlich als Wink mit dem Zaunspfahl in Richtung Röttgen gedacht:

Die Schlüsselworte sind Transparenz und Information. Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten wie Twitter oder Facebook können dabei helfen. Die Revolutionen in Tunesien und Ägypten zeigen, was durch das Internet alles in Bewegung gebracht werden kann.

Mittlerweile kursieren aber ganz neue Gerüchte im Internet. Mit viel schwarzem Humor wird nun mittlerweile vermutet, dass Super Plus vom Markt verschwinden wird, um die Konsumenten zu E10 zu zwingen.

Wie das allerdings mit der DAT-Liste, die nicht zu stimmen scheint, und den Fahrzeug-Herstellern, die Garantieansprüche ablehnen, vereinbar ist, ist mir weithin schleierhaft.

Man könnte jetzt vermuten, dass es sich um eine zweite Abwrack-Welle handelt. Nur eben nicht mit Prämie.

Entschuldigung, derzeit sind keine Umfragen vorhanden.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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