Die Europäische Union als Buridans Esel

Ich habe ja bereits meine Gedanken zum Thema Griechenland-Rettung zusammengeschrieben. Bislang weiß scheinbar immernoch niemand abschätzen zu können, ob hier der große Wurf geglückt war oder nicht. Ob richtig oder falsch, das steht in den Sternen, weshalb die EU wie Buridans Esel da stand.

Das Rettungspaket ist geschnürt, und alle Beteiligten sind erleichtert. Aber Grund zu ausgelassener Freude gibt es nicht. Das Paket wird international überwiegend positiv aufgenommen. Dabei geraten die historischen Auswirkungen fast in den Hintergrund. Die Euro-Zone macht einen entscheidenden Schritt in Richtung Transfer-Union. Das heißt: Deutsche Steuerzahler zahlen dauerhaft für griechische Schulden.

Die Börsen spielten natürlich mit. Das war die größte Sorge der Verantwortlichen, dass die Lösung von den Finanzmärkten abgelehnt wird. Schließlich wurde nichts anderes als „Euro 2.0“ beschlossen. Denn eine Grundfeste der europäischen Währungsunion wurde erschüttert: Jedes Mitgliedsland sollte bisher für seinen eigenen Haushalt selbst verantwortlich sein. Starke Euro-Länder wie Deutschland oder Frankreich sollten niemals in die Lage gebracht werden, mit eigenen Steuergeldern Schulden-Löcher der Partner zu stopfen. Der Vertrag von Maastricht sah vor, dass die EU als Wirtschafts- und Währungsunion auf einem gemeinsamen Binnenmarkt agieren soll. Das bedeutete dann ja, dass sich jedes Land seine Kredite selbst am Kapitalmarkt holte und zu viele Schulden mit höheren Zinsen für ein Land bestraft wurden. Und dieses Prinzip wurde am Donnerstag hergeschenkt.

Nun gibt es einen europäischen Währungsfonds, den europäischen Rettungsschirm EFSF. Griechenland wurde vom Kapitalmarkt entfernt und die bekannten Instrumente (siehe meinen genannten Beitrag) eingesetzt. Damit wird eine vorübergehende Pleite Griechenlands in Kauf genommen. Rating-Agenturen drohten bereits im Vorfeld damit, diese Art der Hilfen für Griechenland als Zahlungsausfall zu werten. Selbst Kritiker der umstrittenen Agenturen werten diesen Schritt letztlich als folgerichtig, weil Gläubiger auf Geld verzichten müssen.

Und hier ist die Krux: Wäre nicht so oder ähnlich die Lösung konstruiert worden, wäre die Europäische Währungsunion am Ende. Eine Pleite Griechenlands kann sich das Bündnis nicht leisten. Ob nun die Lösung die bessere Alternative ist, kann auch niemand mit Sicherheit sagen. Es ist sehr gut möglich, dass die jetzige Rettung Griechenlands das kleinere aller Übel ist. Wer weiß?

Und was hat das jetzt mit einem Esel zu tun? Aristoteles hat in seiner Schrift De caelo über die Unmöglichkeit zwischen zwei gleichwertigen Möglichkeiten logisch zu entscheiden. Später wurde dieses Dilemma Johannes Buridan zugeschrieben, der es wir folgt beschrieb: Ein Esel steht zwischen zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert schließlich, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll. Das Gleichnis vom Esel wurde von Buridans Gegnern geprägt. Buridan nutzt das Gleichnis, um seine Ansicht von der Unmöglichkeit der Willensfreiheit zu erläutern.

Nun ist also die Europäische Union Buridans Esel. Vieles spricht dafür, dass die getroffenen Entscheidungen erst der Anfang waren. Ich bin mir aber nicht sicher, wovon sie der Anfang waren, vielleicht sogar der Anfang vom Ende.

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