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Daten-Spionage in der Matrix - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de Daten-Spionage in der Matrix - (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

Die Krux mit der Sicherheit oder Snowdens aufgewühlter Schlamm

Eigentlich sollte der folgende Artikel in einem anderen Blog als Gastartikel erscheinen. Ich wollte eben auch an anderer Stelle mal meine Sicht auf die Snowden-Geschichte schildern. Ein Blogbetreiber hatte mich gebeten, einen solchen Artikel zu verfassen. Als der Artikel jedoch fertig war, hat der Betreiber toter Mann gespielt, obwohl er den Artikel gar nicht gelesen hatte.

Nun ja, dann veröffentliche ich den Text eben – wie sonst auch – hier im Blog. Denn ich möchte die Informationen durchaus veröffentlichen. Sie sind zusammengesammelt aus Blogs und der Wikipedia.

Wer ist denn dieser Whistleblower?

Ich habe es in der Vergangenheit schon geschrieben: Ich halte Edward Snowden nicht für einen Helden. Ich halte ihn für einen ganz normalen Informatiker, der einfach mit den Zuständen, unter denen er seine Arbeit machen muss, nicht mehr einverstanden ist.

Ein „Whistleblower“ bringt sich selbst in Gefahr, um Informationen aufzudecken. Edward Snowden, Julian Assange und Bradley Manning sind aktuelle Beispiele. Aber Whistleblower gibt es an sich so lang, wie es Schmierengeschäfte und zu verdeckende Informationen gibt.

Edward Snowden ist 30 und war Systemadministrator für die Beratungsfirma Booz Allen Hamilton und von dieser bei der NSA eingesetzt. Er hat umfangreiche Kenntnis über die Abhörverfahren PRISM und Tempora und wer weiß, worüber noch. Und er kam – dem Reden nach – nicht mehr damit klar, wofür diese Maßnahmen schlussendlich eingesetzt wurden, nämlich zur allumfassenden Überwachung jeglicher Kommunikation im Internet und im Telefonnetz.

Es ist denkbar, dass er für das Preisgeben der Informationen an den Guardian-Journalisten Gleen Greenwald eine ganze Menge Geld erhalten hat. Aber er schwebt seitdem in großer Gefahr und ist der Staatsfeind Nr. 1 für die USA und Großbritannien.

PRISM – das Planungswerkzeug für Ressourcenintegration, -synchronisation und -verwaltung

Snowden hat veröffentlichen lassen, was es mit PRISM auf sich hat. Es handelt sich dabei um ein „Top Secret“-Programm zur Überwachung und Auswertung von elektronischen Medien und elektronisch gespeicherten Daten.

Seit Bekanntwerden kursieren diverse Persiflagen von Obama-Bildern im Internet. So ist u.a. der Obama-Wahlspruch zur ersten Wahlperiode zu „Yes we scan“ abgewandelt worden. Tagtäglich werden neue Details rund um PRISM bekannt.

Mit dem Programm wird es dem amerikanischen Geheimdienst NSA möglich gemacht, außerhalb der USA praktisch jedes Land umfangreich abzuhören und den kompletten Internetverkehr zu analysieren. Als Hilfsmittel wird ein Computersystem namens „Boundless Informant“ benutzt, das komplette Kommunikationsstränge ermitteln und analysieren kann und Emails und Telefonmetadaten sammelt.

PRISM mit „Boundless Informant“ wurde wohl angeblich nur zu dem Zweck verwendet, terrorverdächtige Personen zu überwachen. Aber das ist gründlich danebengegangen, denn man überwacht ganz fleißig alle Kommunikation, ob gut oder böse.

Tempora – das britische PRISM-Pendant

Hat man immer geglaubt, dass PRISM schon schlimm ist, wurde man bei den Enthüllungen von Edward Snowden schnell eines Besseren belehrt. Denn Tempora, der Codename für das Programm zur Überwachung des weltweiten Telekommunikations- und Internetdaten-Verkehrs des britischen Geheimdienstes GCHQ, geht noch um einiges weiter.

Seit Ende 2011 (vgl. PRISM seit 2005) ist das Programm aktiv. Es besteht aus den unglaublichen Komponenten „Mastering The Internet“ (das Internet beherrschen) und „Global Telecom Exploitation“ (Ausnutzung der globalen Telekommunikation).

Tempora nimmt soziale Netzwerke, Emails, persönliche Informationen, Geodaten, Daten in Apps, Telefongespräche etc. her und wertet diese aus. Dabei werden Internetknoten (wie in Deutschland der DE-CIX in Frankfurt/Main) infiltriert und transatlantische Kabel hergenommen.

Die politische Reaktion in Deutschland

Wenn wir ehrlich sind, war uns doch irgendwie völlig klar, dass nichts im Internet irgendwie geheim ist. Dass sich dann die deutsche Staatsführung – also Angela Merkel, Joachim Gauck, Hans-Peter Friedrich etc. – hinstellen und mit angeblichem Unwissen glänzen wollen, ist schon etwas sportlich anzusehen.

Lediglich Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußert sich empört und verknüpft ihr politisches Schicksal mit dem Ziel des sofortigen Einstellens der Spionage bis in intimste Ecken des Internetnutzers. Die Aufklärung solle sofort in die europäischen Institutionen. Und sie verglich in Sendungen und Interviews die beiden Programme PRISM und Tempora mit feuchten Träumen von Hollywood-Regisseuren.

Und in der Tat: Was da aufgedeckt wurde, könnte aus einem Agenten-Thriller oder einer in die aktuelle Zeit projizierten Vision des George Orwell Romans „1984“ stammen. Man sieht aber, dass staatliche Organe wesentlich weiter gehen, als man es sich mit Fantasie vorstellen kann.

Der Bundesnachrichtendienst in Deutschland hatte Zugriff auf die gesammelten Daten von NSA und GCHQ. Ob man sich dabei irgendwelcher Winkelzüge und rechtlicher Grauzonen bedient hat, wird wohl nie gänzlich aufgeklärt werden. Kanzleramtsminister Pofalla, der auch für den Geheimdienst zuständig ist, gerät darüber jedenfalls gewaltig in Erklärungsnot.

Die Bundeskanzlerin stellt sich immer wieder hin und versucht, Unwissen zu behaupten. Aber es ist eigentlich völlig klar, wenn so viele Teile der Regierung in die Überwachungen verstrickt sind, dass das ausgerechnet am höchsten Exekutiv-Amt nicht vorbeigehen kann.

Und was ist mit Luxemburg?

Luxemburg ist ja eines der zentralen Länder der Europäischen Union. So klein das Land auch ist, so bedeutend ist es aber. Und dessen Staatslenker, Jean-Claude Juncker, ist zurückgetreten. Ihm wird vorgeworfen, dass er den eigenen Geheimdienst nicht im Griff hat.

Inwieweit das nun Einfluss auf die EU hat, kann derzeit noch niemand abschätzen. Klar ist, dass Juncker abgehört wurde und sich hinter seinem Rücken ein gewaltiger Abhörapparat entwickelt hat. Trotzdem wird er wohl im Oktober bei den anstehenden Neuwahlen wiedergewählt werden.

Die Aufarbeitung des eigenen Skandals, der durchaus auch mit PRISM und Tempora in Verbindung stehen kann, wird aber kommen. Das will Juncker selbst einleiten.

Stirbt jetzt die Internetnutzung?

Kurze und knappe Antwort: Nein.

Sie wird sich aber verändern. Mit dem grenzenlosen und ansatzlosen Überwachen wurden integrale Bürgerrechte verletzt. Es geht um Meinungsfreiheit, Redefreiheit etc. Und diesen Rechtsverletzungen geschuldet, wird sich einiges ändern.

Schon kommen Wissende um die Ecke und erklären jedem, der es hören will, etwas von Email-Verschlüsselung. Dabei ist doch völlig klar, dass das auch nicht der sicherste Weg ist. Blieben solche Dinge wie DE-Mail. Aber auch hier ist Gerüchten zufolge die Sicherheit nicht vollumfänglich gegeben.

Ich denke, der Mensch wird sich anpassen. Der Mensch hat viele Dinge in seiner Evolution gehabt, an die er sich anpassen musste. Und so wird er sich auch an die vollständige Überwachung anpassen. Unwichtige Dinge werden per Email übertragen, wichtige in persönlichen Gesprächen.

Die großen Nutznießer werden wohl Besitzer von Bars und Cafés werden. Denn die intimen Gespräche, die man über die sozialen Netzwerke und über Emails zu führen geglaubt hat, werden wohl mit der Zeit wieder ins reale Leben verlegt.

Bildquelle: Daten-Spionage in der Matrix – (C) Geralt Altmann CC0 via Pixabay.de

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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