Die Piraten – Papier im Wasserglas

Was passiert, wenn Sie Papier in Wasser einlegen? Es zerfällt. Je nachdem, wie viel Papier sich im Wasser befindet, entsteht entweder eine milchige Brühe oder milchiger Brei. Momentan kommen mir die Piraten so vor, als wären sie Papier im Wasser, ob ein A4-Bogen im Wasserglas oder ein Papierschnipsel im Ozean, das kann ich noch nicht sagen. Aber es bestätigt sich mal wieder: Die Konsistenz der Partei fehlt.

Ich ließ es bereits immer mal wieder anklingen: Es ist schade, wie sich die Piraten derzeit verhalten. Ich möchte das Ganze präzisieren: Wenn politische Inhalte wegen Personaldiskussionen auf der Strecke bleiben, dann ist eine Partei mal eben nicht wählbar. Meine Zweifel an der Partei habe ich ja bereits im September geäußert. Und so sehr hat sich meine Meinung nicht verändert.

Leider zerreißen sich die Orangen mal wieder selbst in der Luft. Bei der Oberbürgermeisterwahl in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart wurden sie trotz vieler gehegter Hoffnung unter „Ferner liefen“ einsortiert. Der Landesvorstand hat sich aber zu dieser wichtigen Wahl im deutschen Südwesten nicht geäußert. Stattdessen zerpflücken sie eine Rede vom Berliner Fraktionschef Christopher Lauer.

In einem „lustigen Dreizeiler“ lassen sie die Welt, die es möglicherweise interessiert, wissen, dass sie „das Parteimitglied Lauer hiermit ausdrücklich“ auffordern, sich quasi nicht mehr zu Ausschlüssen unliebsamer Personen von öffentlichen Veranstaltungen zu äußern. Das können Sie gern bei den Piraten nachlesen.

Hinterlegt ist auch ein Podcast, auf den sich der Landesvorstand Baden-Württemberg bezieht. Und auf diese Kontroverse bezieht sich „der technoprogressive Pirat“. Man liest in seinem Beitrag viel Enttäuschung. Und zwar darüber, dass man sich lieber mit Personen statt mit Inhalten befasst. Und auf diese Art und Weise werden die Piraten noch einige Leute verlieren, wie eben diesen Autor.

Nicht falsch verstehen, ich finde an sich immernoch gut und richtig, dass es eine Vereinigung wie die Piraten gibt. Das ist auch der Trugschluss, dem ein ehemaliger Kollege von mir aufgesessen ist. Ich finde gut, welche Themen die Orangen abdecken oder abdecken möchten. Es macht ja sonst keiner. Ich finde es aber mies, dass man sich ständig nur mit sich beschäftigt, statt ernsthaft an Themen zu arbeiten. Wie war denn das mit der „Woche der politischen Arbeit“, die Marina Weisband eingefordert hatte?

Man dachte, nun machen sie wirklich politische Arbeit. Aber irgendwie hat es den Anschein, als ob es bei der Woche blieb. Und das merken auch Außenstehende wie ich, die eigentlich mit den Piraten sympathisieren, aber nicht ernst genug, weil immer wieder solche Aussetzer passieren wie oben beschrieben.

Und da stellt sich mir ernsthaft die Frage: Ist die Piratenpartei Deutschland nun ein A4-Bogen in einem Glas Wasser oder ein Papierschnipsel im Ozean? Wird aus ihnen ein Brei mit einer gewissen Konsistenz und einem inneren Gefüge, oder driften sie auseinander wie Fetzen eines Schnipsels?

Sollten sich die Piraten aber tatsächlich in der Auflösung befinden, weil es zu viele Animositäten gibt, die man zu überwinden einfach nicht bereit ist, dann stellt sich doch die Frage: Wer soll denn dann die Themen abdecken?

Vielleicht sollte der Gedanke von Marina Weisband erneuert und erweitert werden. Vielleicht sollten sich die Piraten über ein „Jahr der politischen Arbeit“ verständigen. So man Interesse hat. So man nicht mit gegenseitigem Shitstorm droht. Können das die Piraten schaffen?

Ich habe so meine Zweifel.

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