Die Welle abwärts

Das Jahr 2011 ist erst ein paar Stunden alt, schon zetert die Medienlandschaft wieder über König Guido und die Freien Demokraten. Seit Monaten tobt ein Machtkampft innerhalb der Partei, aus dem diese wohl nicht ohne dauerhaften Schaden herauskommt. In der Hauptrolle dieses Possenspiels finden wir Guido Westerwelle, dem viele Teile der Partei die Hauptschuld am prozentualen Niedergang zuschieben.

Vor allem bei den im Wahlkampf befindlichen Landespolitikern ist der Rechtsanwalt in Ungnade gefallen. Ihm kreiden sie den Niedergang in Umfragen an. Bisher konnte sich Guido Westerwelle immer auf seine Bundesminister verlassen. Wirtschaftsminister Brüderle, Gesundheitsminister Rösler, Entwicklungshilfeminister Niebel und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger dementierten bisher eventuelle Personalquerelen. Öffentlich stärkten sie ihrem Chef auch den Rücken. aber nun soll damit Schluß sein.

Auf dem Drei-Königs-Treffen der FDP wird von Westerwelle eine „inhaltlich pointierte Rede“ (Leutheusser-Schnarrenberger) erwartet. Schwerpunkte sollen erarbeitet werden und der Standpunkt in der Regierung klargestellt werden. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger empfahl gleichzeitig Christian Lindner für höhere Parteiaufgaben. Lindner sei „jetzt schon einer der Beliebtesten in der Partei, der konsequent an der programmatischen Neuausrichtung mitarbeitet.“

Leutheusser-Schnarrenberger fügte hinzu: „Er hat aufgrund seiner Persönlichkeit ganz sicher die Fähigkeit, herausragende Ämter wahrzunehmen.“ Und zwar ihrer Ansicht nach nicht erst langfristig. Schließlich werde  auf dem FDP-Bundesparteitag im Mai ein ganzes Führungsgremium neu gewählt. Ihre Hoffnung ist, dass sich spätestens ab dann einiges ändern wird. Allerdings vermied sie, öffentlich den Rücktritt Westerwelles zu fordern: „Wir sollten ihn ganz persönlich entscheiden lassen, ob er noch einmal als Vorsitzender antritt.“.

Sie hat aber auch Lob für ihren Chef übrig, allerdings nur auf sein Ministeramt bezogen: Westerwelle habe als Außenminister ganz klar Erfolge zu verzeichnen.

Aus der Union hört man Durchhalteparolen. Auch von der Kanzlerin. Und Horst Seehofer? Er gilt ja nicht unbedingt als Westerwelle-Freund. Aber auch er hat Unterstützung zugesichert. „Die laufenden Personaldebatten rund um Westerwelles Person sind pures Gift“, wetterte er gegen die Westerwelle-Kritiker. „So, wie das in den vergangenen Wochen in der FDP gelaufen ist, darf man sich nicht über schlechte Umfragewerte wundern.“

Aber Rösler und Niebel bieten Rückendeckung. Schließlich hatte die FDP noch keinen so guten Wahlkämpfer, so der O-Ton. Die FDP versammelt sich am Donnerstag in Stuttgart zu ihrem traditionellen Drei-Königs-Treffen. Mit Spannung wird die Rede Westerwelles erwartet.

Ich glaube, Guido Westerwelle bekommt jetzt seine Rechnung für seinen sportlichen Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 und seine Aussagen zu Beziehern von Arbeitslosengeld II. Zum ersten Bild in diesem Beitrag fällt mir da eben ein: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

Möglicherweise trifft man Guido Westerwelle bald als Dauergast in Ferienparadisen oder als Freizeit-Anwalt. Ich glaube, die Zeiten von Guidomobil und Projekt 18 sind vorbei.

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Ein Kommentar

  1. ……von mir aus kann dieser Schreihals Mist gabeln gehen, das kann der wahrscheinlich besser als das was er bis jetzt gemacht hat………

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