Die Zukunft im Matthäikirchhof, Leipzig

Weiß irgendjemand in Leipzig, wo der Matthäikirchhof sich befindet? Der ist auf der Seite des Dittrichrings in der Innenstadt an der Großen Fleischergasse. Offensichtlich weiß niemand so richtig, was damit passieren soll. Irgendwie hat man sich aber irgendeine Idee von einem Freiheitsforum oder so etwas ausgeschwitzt. Ob das dem Heiligen Geist gefällt, nach dem die vor 70 Jahren abgerissene Kirche mal benannt war, weiß man nicht. Aber wie ist das eigentlich mit der Vision für die Ecke?

Die Matthäikirche

Es gab mal die Burg Libzi. Im Jahr 1015 wurde die zuerst genannt, und zwar in Aufzeichnungen von Bischof Thietmar von Merseburg. Auf dem Gebiet der Burg bauten die „Barfüßer“ 1230 ein Franziskanerkloster namens „Zum Heiligen Geist“ gegründet. Immer wieder baute das Kloster seine Kirche um und erweiterte sie. 1539 wurde im Zuge der Reformation das Kloster aufgehoben und die Kirche an die Stadt verkauft. 1699 wurde sie dann neu als „Neue Kirche“ geweiht und im Barockstil umgebaut. Auch Thomaskantor Johann Sebastian Bach war dort zugegen.

1876 gründete sich die Matthäigemeinde, und die „Neue Kirche“ wurde wieder Pfarrkirche. Entsprechend der Gemeinde hieß sie fortan Matthäikirche. Vor 120 Jahren hatte man sich gedacht, die Kirche im Zuge der Modernisierung der Innenstadt abzureißen, was die Stadtverwaltung ablehnte. Und im Bombenhagel des II. Weltkriegs schließlich wurde sie kurz vor Weihnachten 1943 zerstört. Nach einem letzten Gottesdienst wurde sie 1948 abgerissen und durch die „Runde Ecke“, dem Haus der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit ersetzt.

Die Vision Freiheitsforum

Man hat ja immer wieder tolle Sachen in der Vorstellung. So sollte dort schon vor einiger Zeit eine städtebauliche Entwicklung mit Kindergarten und einer Schule stattfinden. In der „runden Ecke“ ist die Stasi-Unterlagenbehörde untergebracht. Wie fummelt man sich daraus denn jetzt eine Vision zusammen? Man hat erstmal die Vision namens „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“. Die Stasi-Akten sollen dann mit Angeboten zur Information und zur Bildung in Einklang gebracht werden. Alles unter dem Gesichtspunkt der Demokratie.

Jetzt ist aber guter Rat teuer. Einerseits das ambitionierte Projekt mit dem Freiheitsforum, andererseits der Matthäikirchhof. Der gesamte Komplex mit Schulmuseum, Diskothek, Stasi-Unterlagen usw. muss man da im Ganzen betrachten. Und darüber sind sich die Stadtentwickler noch nicht so richtig einig. Will man dabei die Bürger mit im Boot haben? Nicht mal darüber ist man sich einig. Aber es geht nicht ohne Bürgerbeteiligung. Denn der Matthäikirchhof hat eine große Geschichte. Und mit der muss sorgsam umgegangen werden, will man dort eine Zukunft für Visionen haben.

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