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Dirk wer? – Die Oberbürgermeisterwahl in Leipzig ist gelaufen

Ich hab es vermutet: Dirk Feiertag, parteiloser Kandidat auf den Oberbürgermeistersessel, war chancenlos beim zweiten Wahlgang zur Oberbürgermeisterwahl in Leipzig. Ich glaube, ich weiß auch, warum das so ist.

Das waren wieder um die 40%, die gestern zum Wählen gingen. Das sind bei 435000 Wahlberechtigten stolze 174000 Leute, die gestern ihr Kreuz machten. Und von denen gingen 78300 Stimmen an Amtsinhaber Burkhard Jung.

Ein tolles Ergebnis, nicht wahr? Starke 18% aller Wahlberechtigten haben den fast 55-jährigen aus Siegen gewählt. Mir kommt es so vor, als hätten die paar Hanseln, die zur Wahl gegangen sind, zwischen Pest und Cholera gewählt. Auf der einen Seite Burkhard Jung, auf der anderen Seite Horst Wawrzynski. Die anderen Kandidaten spielten – wenn überhaupt – in Medien und dem Bewusstsein der Bürger bestenfalls nur eine untergeordnete Rolle.

Ich habe mal das Gespräch auf den parteilosen Kandidaten Dirk Feiertag lenken wollen. Und ich erhielt tatsächlich teilweise Reaktionen wie “Dirk wer?”. Mein Eindruck ist, dass er in der großen Regionalzeitung keine Rolle gespielt hat. Was man auch in der LVZ las, es war immer nur die Rede von Jung und Wawrzynski. Auch Wahlwerbespots im Radio wurden nur von den beiden gesendet. Zumindest soweit ich es mitbekommen habe.

Nun geht es also in noch einmal 7 Jahre mit Burkhard Jung. Mir hat mal jemand gesagt, er sei so ein “schöner und netter Mann”. Aber darum geht es doch nicht. Es geht darum, dass ich bei Burkhard Jung schlicht den Eindruck habe, er würde das Geld, das der Stadt zur Verfügung steht, mit vollen Händen zum Fenster heraus kippen.

Jetzt sind ihm nicht mehr nur die Kitas und Schulen ein gefallen. Auf einmal redet er auch davon, er wölle die Arbeitslosigkeit in Leipzig halbieren. Tja, wie will er das machen? Will er noch ein paar Firmen wie Amazon anlocken, die – soweit mir bekannt ist – unterirdisch bezahlen? Mir würden da schon ein paar Firmen einfallen, so ist es nicht.

Aber das löst nicht das Problem in Leipzig. Man kann nicht einfach mal die halbe Stadt umgraben. Das kostet ja alles Geld. Das holt man rein, indem man hochprofitable Unternehmen für einen Appel und ein Ei verscherbelt. Und diese wilde Privatisierung wird weitergehen. Denn Jung hat mit Leipzig noch viel vor.

Horst Wawrzynski indes zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück. Das ist auch gut so. Er gibt den Wählern die Schuld, dass er nicht besser abgeschnitten hat. Und nun zieht er sich zurück. Demzufolge kommt keine polizeistaatliche Allmacht auf Leipzig zu.

Dirk Feiertag macht weiter. Klar, 5,2% Wahlergebnis bei 40% Wahlbeteiligung ist nicht doll. Aber Feiertag hat einen Plan, wie in Leipzig ein großes Wir-Gefühl entstehen kann. Bürgerbeteiligung bei Abstimmungen, Bürgerentscheide zum Einsatz von Finanzmitteln. Bürger, die aufeinander aufpassen. Die sozial behandelt werden. Die ernst genommen werden. Deshalb schrieb er folgendes gestern bei Twitter:

Nein, Dirk Feiertag wird kein “Dirk wer?” bleiben. Einige Leipziger werden sich schon noch ärgern, dass sie nicht das Kreuz bei ihm gesetzt haben. Aber das lässt sich nun nicht mehr ändern. Und so muss man jetzt das Ergebnis annehmen und das Beste draus machen.

Henning Uhle

Henning Uhle ist gelernter Fachinformatiker für System Integration und zertifizierter System Engineer. Meine Sachgebiete sind Messaging & Collaboration sowie High Availability und Domain-Verwaltung. Ich schreibe über verschiedenste Dinge, die mich bewegen. Und es handelt sich immer um meine Sicht.

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